Schopfheim Verbraucheransturm in Gersbach

Markgräfler Tagblatt, 29.09.2014 23:03 Uhr

Schopfheim-Gersbach (sut). Bilderbuchwetter war dem 25. Weidefest des Bergland-Vereins auf der Gersbacher Scherentann beschert, so dass rund 7000 Besucher während des Tages auf das Festgelände strömten.

So begann auch der von Pfarrer Gerhard Trautwein (Mitgründer der Fleischdirektvermarktung Gersbach – Wies) und Pastoralreferentin Jäckel gehaltene Gottesdienst mit dem Lied „Die güldne Sonne voll Freud und Wonne“ unter Mitwirkung des Posaunenchors Wiesental-Rötteln.

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Pfarrer i.R. Trautwein hielt seine Predigt über die Schöpfungsgeschichte 1. Mose 2, in der der Mensch ein Wesen Gottes sein darf. Während „Die fidelen Dorfmusiken“ zum Frühschoppen aufspielten, wollten es sich der Bergland-Verein und die Fleischdirektvermarktung nicht nehmen lassen, Worte des Dankes an die Verbraucher zu richten und Zukunftsgedanken unter die Besucher zu bringen.

Gesprächsleiter Rolf Strohm, Vorsitzender Ulrich Eichin und der langjährige Partner Jörg Hieber erläuterten, wie es 1989 zur Gründung der Erzeuger- und Verbrauchergemeinschaft kam. Die Höhenlandwirtschaft befand sich in einer schwierigen Lage, da die Milch- und Fleischpreise in den Keller gingen und die kleineren Landwirtschaften ihren Betrieb aufgaben. Eine ökologische Arbeitsgruppe um den damaligen Gersbacher Pfarrer Gerhard Trautwein machte sich Gedanken, wie die gebeutelten Landwirte bei der Landschaftspflege unterstützt werden könnten. So kam man überein, die erzeugten Produkte direkt an den Verbraucher zu verkaufen, um einen angemessenen Preis zu erzielen.

Da die Verbraucher für Großmengen keine Kühlgelegenheiten hatten, kam auch die Lebensmittelkette um Jörg Hieber ins Spiel, der auch ein Interesse an der Offenhaltung der Landschaft und der regionalen Vermarktung hatte. Wie stark die Nachfrage gestiegen ist, zeigt die Entwicklung der vergangenen 25 Jahre. Waren es bei der Gründung fünf Betriebe, so schlossen sich bis heute rund 60 Landwirte im Gebiet von Gersbach über Häg-Ehrsberg, Gresgen und dem Kleinen Wiesental der Fleischdirektvermarktung und deren Richtlinien an.

Beim ersten Weidefest im Geigerschopf war man über das große Verbraucherecho überrascht. Damals zählte die Gemeinschaft keine tausende Besucher, doch auch die Landesregierung erkannte die Bedeutung des Vermarktungskonzepts und ernannte es zum „Leuchtturm der regionalen Vermarktung“.

Jörg Hieber beglückwünschte die Organisatoren, denn das Fleisch sei mehr gefragt als je zuvor. Die Einrichtung nutze nicht nur dem Verbraucher etwas, sondern auch den Landwirten und der Landschaft. Nach den Wünschen für die Zukunft gefragt, antwortete Hieber: „Qualität erhalten und mehr gut genährte Ochsen“.

Nach dem Mittagessen gab es beim Jubiläum zum 25-jährigen Bestehen wieder einen Festumzug, der von Willi Greiner organisiert wurde, vom Dorfbrunnen bis zum Festgelände führte und vom Jubiläumswagen und den Musikvereinen Gersbach und Tegernau angeführt wurde.

War der Umzugsweg am Anfang nur spärlich von Zuschauern gesäumt, so gab es beim Festgelände breite Zuschauerreihen. Auch der vielseitige Bauernmarkt und die Verpflegungsstände waren immer umlagert. Die Kinder hatten an der Strohburg, dem Karussell, den Tieren, der Traktorrallye und der Melkkuh ihre Freude. Auch Oldtimerfreunde kamen auf ihre Kosten (über die Prämierung der Vorderwäldertiere berichten wir noch).