Schopfheim Vom Professor gibt’s auf die Ohren

Von Werner Müller

Schopfheim. Ein Satz heiße Ohren: In die – bisher ergebnislose – Suche nach einem neuen Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO) für Schopfheim mischt sich jetzt sogar ein veritabler Professor aus Hamburg ein – und zieht der Stadtverwaltung und dem Bürgermeister die Ohren lang.

Im März hatte sich der Toxikologe Stefan Hockertz, der auch Geschäftsführer einer Consultingfirma ist, im Rathaus nach einer Gewerbefläche für seine Lebengefährtin erkundigt, die im südbadischen Raum Medizinprodukte und Kunst vertreiben will. Im Gespräch mit Bürgermeister Christof Nitz kam dabei auch zur Sprache, dass die Versorgung mit Fachärzten in der Stadt „exzellent“ sei – mit Ausnahme des fehlenden HNO-Arztes allerdings.

Der Professor aus Hamburg, der von diesem Problem über Zeitungsartikel erfahren hatte, bot der Stadt bei der Suche nach einem Nachfolger für die verwaiste HNO-Praxis seine Hilfe an. Wenn auch nicht ganz uneigennützig, wie Hockertz selbst einräumt. Sei die Niederlassung eines solchen Facharztes doch auch „von einer gewissen Bedeutung für den Ansiedlungswunsch“ seiner Partnerin, so der Hamburger Gelehrte in einem Mail an den Bürgermeister.

Er habe als Professor für Pharmakologie und Toxikologie „einen guten Zugang zu der entsprechende Ärzteschaft“, schrieb er an den Bürgermeister. Hockertz riet der Stadt unter anderem, Kontakt zum „Berufsverband der HNO-Ärzte“ in Hamburg sowie mit der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde in Bonn aufzunehmen. Der Professor bot sogar an, selbst den Kontakt aufzubauen. „Möglicherweise ließe sich über die Kanäle das Problem der Stadt Schopfheim lösen“, so Hockertz in einer Mail an den Bürgermeister.

So weit, so gut. Doch auf eine Antwort aus der Markgrafenstadt wartete der Toxikologe von der Waterkant vergeblich. Eine Woche später hakte er deshalb bei der Verwaltung nach und bat um Rückmeldung – wieder ohne Resonanz. Nachdem weitere fünf Wochen ins Land gezogen waren, ohne dass sich aus Schofheim jemand bei Stefan Hockertz gemeldet hatte, schickte dieser erneut eine Mail ins Rathaus, verwundert und enttäuscht, dass seine Schreiben ohne jegliches Echo geblieben waren und auch die vom Bürgermeister zugesagte Hilfe bei der Suche nach Gewerberäumen auf sich warten lasse.

Zu seinem Angebot, bei der Nachfolgeregelung für den HNO-Arzt behilflich zu sein, stehe er selbstverständlich weiter, so Hockertz mit freundlichen Grüßen und der Erwartung, „nun endlich doch von Ihnen zu hören“.

„Das war mein Fehler“. räumt Bürgermeister Christof Nitz mit Blick auf die unterbliebene Kontaktaufnahme mit dem Hamburger Professor ein. Die Mails mitsamt Mailadresse und Telefonnummern seien unerklärlicherweise verschwunden, er werde er aber umgehend telefonisch mit Stefan Hockertz Verbindung aufnehmen.

Das Stadtoberhaupt betont indes auch, der Toxikologe habe von sich aus angeboten, die Kontakte zu den ärztlichen Fachverbänden herzustellen – das sei bis heute allerdings nicht geschehen.

Was die Anmietung von Gewerberäumen angehe, seien die Angaben des Professors sehr vage gewesen, so Nitz. Er habe ihm zwar leerstehende Flächen im Pflughof gezeigt, die aber, wie er erst jetzt erfahren habe, wohl nicht geeignet seien. Auch der Gewerbeverein habe mit einer Mail des Toxikologen offenbar nichts anfangen können.

Im Gespräch mit unserer Zeitung attestierte der Hamburger Professor dem Bürgermeister mit Blick auf solche Einlassungen freilich eine „gewisse Hilflosigkeit“. In seiner langen Laufbahn sei ihm eine solche „Funkstille“ noch nie untergekommen. Dabei brenne das Problem der verwaisten HNO-Praxis der Stadt doch unter den Nägeln. Da müsse man andere Wege beschreiten, als nur Anzeigen im Ärzteblatt zu schalten, so Stefan Hockertz. Vor allem gelte es, „aktiver nach draußen zu gehen“ und bei den einschlägigen ärztlichen Fachverbänden buchstäblich „Klinken zu putzen“.

Trotz der nicht gerade berauschenden Erfahrungen der vergangenen Wochen wolle er der Markgrafenstadt dabei gerne weiter behilflich sein, versichert Stefan Hockertz. „Ich schaue nicht zurück, sondern nach vorne“. Er betont denn auch, dass Schopfheim nach wie vor eine „gewisse Priorität“ habe, was die Ansiedlung eines Geschäftes für Medizinprodukte habe. Die Markgrafenstadt habe ein hohes Potenzial. Allerdings seien er und seine Partnerin auch in anderen badischen Kommunen auf der Suche nach geeigneten Räumen, zumal sich der Schopfheimer Gewerbeverein diesbezüglich „auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert“ habe.

Nach Angaben des Bürgermeisters laufen unterdessen Gespräche zwischen der Stadt und drei interessierten HNO-Ärzten. Der fehlende Facharzt in Schopfheim habe längst Auswirkungen über die Stadtgrenzen hinaus, so Nitz. So klagten die HNO-Ärzte in den Nachbarstädten bereits über hohen Patienten-Zulauf aus dem Wiesental.

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