Schopfheim „Von Ursubstanz nur wenig übrig“

Die Stadt will’s wissen: Sie lässt sich die Ablehnung ihres Abbruchantrags für das denkmalgeschützte Uehlin-Haus nicht gefallen, sondern legt dagegen Rechtsmittel ein.

Von Werner Müller

Schopfheim . Der Gemeinderat beschloss am Montagabend mit großer Mehrheit der Stimmen von CDU, SPD und Freien Wählern, beim Regierungspräsidium Widerspruch gegen den Bescheid des Lörracher Baurechtsamts einzulegen. Dieses hatte sich seinerseits auf eine ablehnende Stellungnahme des Landesdenkmalamts berufen, das nach längerem Hickhack um ein von der Stadt vorgelegtes Gutachten den Erhalt des alten Gemäuers für zumutbar erklärt hatte (wir berichteten).

Was es mit diesem Gutachten, der so genannten „Schadensanalyse“, auf sich hatte und wie das Denkmalamt damit umsprang, bekamen die Stadträte vor der Abstimmung aus erster Hand zu hören. Der Gutachter, Architekt Richard Stoll aus Heitersheim, schilderte dem Gremium, was sich in den vergangenen Monaten hinter den Kulissen abgespielt hatte.

Er und sein Büro seien seit 30 Jahren im Denkmalschutz tätig, berichtete er. Grundsätzlich gehe er „offen“ an ein Objekt heran. Bei dem besagten Uehlin-Eckhaus sei sein erster Eindruck der gewesen, dass sich das Gebäude „wirklich in einem sehr schlechten Zustand“ befinde, sagte Stoll und untermauerte seine Aussage mit etlichen Fotos von marodem Dachstuhl, Rissen im Keller und morschen Deckenbalken. Außerdem sei von der „Ursubstanz“ des Hauses nur noch sehr wenig übrig, weil im Laufe der Jahre und Jahrzehnte viel Flickwerk dazugekommen sei.

Sein ursprüngliches Gutachten sei denn auch von einer ganzheitlichen Betrachtung ausgegangen und zum Ergebnis gekommen, dass weniger als 50 Prozent der erhaltenswerten Substanz noch übrig seien.

Doch das Denkmalamt habe diese Sichtweise nicht akzeptiert, sondern energisch darauf hingewirkt, dass alle neueren Teile des Gebäudes nicht zu berücksichtigen seien, sondern ausschließlich die historischen – „streng nach denkmalschutzrechtlicher Vorgabe“. Dabei habe der Aspekt, wie hoch der Sanierungsaufwand sei, keine Rolle spielen dürfen. Stoll: „Das war nicht unser Thema“.

So musste der Architekt jeden einzelnen alten Balken genau unter die Lupe nehmen und exakt ermitteln, wie viel davon zerstört ist und wie viel nicht. „Wenn man alles Neue weg lässt, bleibt vom Altbestand dann natürlich leicht mehr als 50 Prozent erhaltenswerte Substanz übrig“, so Stoll, der mehrfach auf entsprechend „starke Handreichungen“ des Denkmalamts verwies.

Der Architekt betonte, das Gutachten zum Uehlin-Haus sei eines der „detailliertesten“ gewesen, das er jemals anfertigen musste.

Auf Fragen von Ernes Barnet (Grüne) erklärte er, die Restaurierung des Gebäudes sei grundsätzlich schon möglich. „Bei genügend Geld kann es ein Schmuckstück werden, obwohl es sehr in Mitleidenschaft gezogen ist“, meinte er. Der Aufwand sei in diesem Fall doch „sehr hoch“, nicht zuletzt auch wegen möglicher künftiger Nutzungen.

„Diese Vorgabe des Denkmalamts – statt eine Gesamtbetrachtung vorzunehmen nur die historischen Teile zu untersuchen – kommt mir schizophren vor“, konstatierte Thomas Gsell (SPD). So lasse sich die Quote der erhaltenswerten Substanz „schön herunterrechnen“. Für Normalbürger sei das auf jeden Fall nicht nachvollziehbar.

Jürgen Fremd (Grüne) gab zu bedenken, dass es nach wie vor zwei ernsthafte Interessenten für den Wiederaufbau der Uehlin-Häuser gebe. Er schlug vor, dass die Stadtverwaltung sich deren Konzepte einmal vorstellen lässt.

Artur Cremans kritisierte, dass das Denkmalamt zwar mitbestimmen wolle, sich an den Kosten des Erhalts aber nicht beteilige. Die Frage sei zudem, wer eigentlich etwas davon habe, wenn drei alte Balken aus dem 19. Jahrhundert erhalten bleiben. „Wer sieht die eigentlich – außer dem Investor vielleicht?“, wunderte sich der SPD-Fraktionschef.

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