Schopfheim Wäscheklammern und Hahnenkrähen

Schopfheim-Eichen - „Lieber Wind, mach Pause bitte“. Das Stoßgebet der Blockflötistin Ursula Oberle verhallte bei der Eichener Sonntagsmusik nicht ungehört. Aber es gibt ja auch noch Wäscheklammern, mit denen man bei Freiluftkonzerten die Notenblätter an den Ständern festklammern kann.

Es war in der Tat ein bisschen anders als in der Kirche, dieses Konzert mit einer „Sommerlichen Überraschung“ auf dem Platz der Hülschematthalle.

Die Organisatorin der Konzertreihe, Ceciel Strouken, war sicher nicht die einzige, die sich freute, in der „kulturarmen Zeit“ Musik live zu machen und zu erleben. Für die bekannte Cellistin war es ein etwas anderes Programm, „hübsch und abenteuerlich“.

Zu dem Abenteuer Sommerkonzert hatten auch Eva Schindelin und Ursula Oberle „ja“ gesagt, und das „Platzkonzert“ begann passend mit drei Sommerliedern, bearbeitet für Blockflöte, Cello und Harfe.

Beteiligt an diesem Programm im ländlichen Raum waren auch Wind und Hahn mit „Kikeriki“. Dazu passten die fröhlichen Stücke auf der böhmischen Volksharfe, die Eva Schindelin vorstellte, darunter das dem Corona-Stillstand zu verdankende eigene, sehr melodiöse Stück „Amaryllis“, in dem sie ihren Gedanken freien Lauf lässt. Schön war auch die Ballade „Eliz Iza“ von Carolan, die von der keltischen Geschichte der Bretagne erzählt.

Kammermusik im Freien mit Flöten und Cello gab es dann mit Telemanns Triosonate in g-Moll, bei der sich Oberle, Schindelin und Strouken unter dem Blätterwerk der Büsche in schlackenloser Tongebung vereinten und den Flötenfreund erfreuten.

Die drei Künstlerinnen nehmen mit einem ausgeglichenen Klang und einer vorzüglichen Intonation ihrer Instrumente für sich ein. Und wenn ab und an ein Lüftchen wehte, so verwehte es doch nicht die Klänge in diesem offenen Naturklang, sondern man hörte einen schönen tragfähigen Ton.

Vom barocken Flötenrepertoire ging es dann schnurstracks ins Zeitgenössische mit einem raffinierten modernen Solo für verschiedene Flöten, Tamtam – und Hahnenkrähen.

Nett war die Anekdote, die Ursula Oberle zum Stück „Bass Burner“ des Amerikaners Pete Rose erzählte. Angeblich sei es inspiriert von Autorennen in der Wüste, bis der Motor durchbrennt. Aber auch musikalisch war die Blockflötistin eine überzeugende Fürsprecherin dieser sehr erzählerischen Musik.

Noch eine Überraschung gab es am Schluss bei den sechs Etudes Caprices von Sebastian Lee, einem Cellosolo mit eurythmischer Vertonung. Während Ceciel Strouken sich um betörende Tongebung bemühte und eine inspiriert-differenzierte Wiedergabe der sechs Sätze vorlegte, erweiterte sich das Stück zu einem richtigen Tanzporträt mit zwei Eurythmisten, dem Kolumbianer Alvaro Castro und der an der Waldorfschule unterrichtenden italienischen Eurythmielehrerin Giulia Cavalli.

Unspektakulär in den zarten, luftigen Bewegungen, dafür umso eindringlicher in der auf die Musik bezogenen Gestik, fügten sich die beiden Eurythmisten mit ihren Tanzfiguren zu einem sehr lebendigen Dialog ins Spiel.

Das war ein wunderschöner Ausklang dieses Konzerts in freier Natur, bei dem viele Zuhörer auf Klappstühlen unter den ausgeteilten bunten Sonnenschirmen saßen.

Ob es noch mal ein Klappstuhlkonzert auf dem Platz gibt oder man sich wieder in der Kirche sehen wird, ist noch offen.

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