Schopfheim „Weitermachen – wir haben Zeitnot“

Schopfheim - Die Selbstheilungskräfte reichen nicht aus: Bei der Suche nach einem Gegenmittel gegen den grassierenden Ärzteschwund im mittleren Wiesental setzt die Stadt weiter auf fachlichen Beistand.

Der Gemeinderat beschloss am Montag mit überwältigender Mehrheit, das Gießener Unternehmen „IWG Ideenwelt Gesundheitsmarkt GmbH“, das bereits die Ist-Analyse in punkto Ärzteversorgung erstellt hatte, auch mit der weiteren Beratung beim Ausbau „kooperativer Strukturen“ bei der medizinischen Versorgung (Stichwort Ärzte- und Gesundheitszentrum) zu beauftragen. Lediglich zwei Stadträte (Ernes Barnet, Grüne, und Andreas Blum, Unabhängige) lehnten den Vorschlag der Verwaltung ab.

Schon in der Bürgerfragestunde zu Beginn appellierte Magdalene Blessing an das Gremium, die Chance wahrzunehmen, dass IWG der Stadt bei der Lösung des Problems behilflich sein kann. Insofern sei „Weitermachen sinnvoll“, so die niedergelassene Ärztin. Natürlich sei die Suche nach Medizinern nicht ureigene Aufgabe einer Kommune, aber die Stadt sei sehr wohl von dem Problem betroffen. „Die Versorgung wird sonst bald zusammenbrechen“, warnte Blessing. Am „wirklich beeindruckenden“ Beispiel von Lauchringen könne man sehen, was eine Gemeinde bewegen könne.

Bürgermeister Dirk Harscher konnte dem nur beipflichten. „Ich sehe die Dringlichkeit auch so“, erklärte er. Das Problem brenn nicht nur der Stadt, sondern auch den benachbarten Gemeinden unter den Nägeln. Jüngstes Beispiel sei die „drastische Situation“ in der Stadt Zell.

„Wir sollten in die Gänge kommen“, mahnte das Stadtoberhaupt. Die Stadt Schramberg habe mit der Firma IWG gute Erfahrungen gemacht. Es sei sicherlich eine „Mammutaufgabe“, die auch IWG allein nicht bewältigen könne. Eine gute medizinische Infrastruktur sei obendrein auch ein „Qualitätsmerkmal“ für die Stadt.

Harscher betonte, zusätzlich zur Weiterbeauftragung der IWG sei auch ein „Arbeitskreis Ärzteversorgung“ aus Vertretern der Verwaltung und des neuen Gemeinderats zu bilden, in den aber unbedingt auch Ärzte einzubinden seien.

„Wir sind froh über diese 180-Grad-Wende“, gab Artur Cremans zu Protokoll. Fünf Jahre lang habe die Stadt in

180-Grad-Wende

der Ärztefrage nur „wenig Engagement“ an den Tag gelegt. Lauchringen beweise, was möglich sei. Er hätte denn auch nichts dagegen, wenn der Gemeinderat bei nächster Gelegenheit der Stadt Schramberg einen Besuch abstattet.

Der SPD-Fraktionschef zeigte sich gleichwohl überzeugt, dass das Ärzteproblem „ohne externe Beratung“ durch die Stadt nicht zu lösen sei. „Wir sind den Bürgern gegenüber verpflichtet, etwas zu tun“, so Cremans, „das ist eine Frage der Daseinsfürsorge.“

Heidi Malnati (CDU) meinte, Magdalene Blessing habe dem Gremium „ins Gewissen geredet“. Was machbar sei, belege das Beispiel Schramberg.

Andreas Blum (Unabhängige) sah zwar die Dringlichkeit der Aufgabe, zeigte sich aber skeptisch in Bezug auf die Firma IWG. Nach deren Auftritt bei der Präsentation der Ist-Analyse in der Stadthalle habe er doch gewisse Bedenken. Möglicherweise wäre es besser, den Anbieter zu wechseln, sagte er.

Teresa Bühler (SPD) fand zwar auch, dass IWG bei der Präsentation „nicht überzeugt“ habe. Allerdings habe man auch keinen direkten Vergleich. Und ein Anbieterwechsel bringe nur Verzögerungen mit sich.

Bürgermeister Dirk Harscher kündigte an, bei einer weiteren Zusammenarbeit mit IWG die „Zügel zu straffen“ und dem Anbieter „klare Vorgaben“ und einen genauen Zeitplan vorzugeben.

Ernes Barnet (Grüne) war gleichwohl skeptisch. Es gebe einige Ärzte, die von einer weiteren Zusammenarbeit mit der Firma abraten, erklärte er und sprach sich gegen die Weiterbeauftragung aus, solange sich IWG nicht direkt im Gemeinderat vorgestellt habe.

Hilde Pfeifer-Zäh bezeichnete die IWG-Präsentation in der Stadthalle ebenfalls als „grottenschlecht“. Dies treffe aber auf die Analyse nicht zu, so die Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler. Vielmehr enthalte diese „wichtige Daten“ für die nächsten Schritte. Die Stadt brauche „externen Rat“, fand sie und fügte hinzu: „Wir müssen weiter machen, wir sind in Zeitnot“. Sie regte an, bei einer Weiterbeauftragung das fällige Honorar nicht schon zu Beginn voll auszuzahlen, sondern nur zur Hälfte, den Rest erst bei Auftragserfüllung.

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