Schopfheim „Wir sind am Ende“

Schopfheim/Lima  - Von der Traumreise zum Horrortrip: Diese Schreckensvision ist für Jürgen Hässler zur puren Wirklichkeit geworden. Seit elf Tagen sitzt der Schopfheimer Musiker in Südamerika fest – und kommt einfach nicht mehr heim.

Vor 14 Tagen brach er mit einer sechsköpfigen Gruppe aus Deutschland zur Urlaubsreise in die peruanische Hauptstadt Lima auf. Noch bevor dort überhaupt der erste touristische Ausflug über die Bühne ging, war’s mit den Ferien schon wieder vorbei.

Einheimische Behörden verhängen Ausgangssperre

Die Coronakrise holte die deutschen Touristen im fernen Land ein – am Sonntag vor einer Woche verhängten die einheimischen Behörden eine Ausgangssperre. Seither kommen Jürgen Hässler und seine Reisegefährten nicht mehr vors Hotel.

Schlimmer noch: Tags darauf durchkämmte das Militär die Unterkünfte. Der Speisesaal ist seither gesperrt, es herrscht strikte Quarantäne. Keiner darf sein Zimmer mehr verlassen, die Aufenthaltsräume sind geschlossen. Nur einmal am Tag gibt es etwas zu essen. „Wir flippen aus hier“, berichtet Jürgen Hässler aus Südamerika und sagt: „Es ist chaotisch“.

Zu allem Übel wissen er und seine Leidensgenossen immer noch nicht, ob und wann sie endlich nach Hause fliegen dürfen. Sie sind damit deutlich schlechter dran als viele andere der insgesamt 200 000 deutschen Urlauber, die mittlerweile von der Bundesregierung zurück nach Deutschland geholt wurden.

Dem Rückholflugzeug die Landegenehmigung verweigert

Dabei sollte die Gruppe von Jürgen Hässler bereits am vergangenen Montag mit einem von der Bundesregierung gecharteten Flugzeug ausreisen dürfen. Doch die peruanischen Behörden erteilten der Maschine keine Landegenehmigung.

„Der Flug ist nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben“, tröstete der deutsche Botschafter in Peru, Stefan Herzberg, die deutschen Landsleute per SMS und äußerte Verständnis für deren Enttäuschung.

Zugleich versprach er Jürgen Hässler und den anderen deutschen Touristen, die Botschaft dränge die zuständige peruanische Behörde, so bald wie möglich ein „Zeitfenster für den Flug zu nennen“.

Botschaft schwer erreichbar

Für den Musiker, der mit seiner „Sax & Keyband“ in Schopfheim und der gesamten Region auftritt, sind das erst einmal nur leer Versprechungen. „Wir werden ständig vertröstet“, berichtet er übers Handy. Tagelang hätten er und seine Mitreisenden von der Botschaft nichts gehört. Auch telefonisch sei kein Durchkommen gewesen.

Tatsächlich zählt Peru mittlerweile zu den Ländern, die bei der Rückholaktion von deutschen Touristen die meisten Schwierigkeiten bereiten. Problematisch sei, dass das Militär die Kontrolle über den Flughafen übernommen habe, berichtete etwa der „Spiegel“ dieser Tage.

Jürgen Hässler hat zudem erfahren, dass der Bürgermeister der peruanischen Hauptstadt höchstpersönlich mit seinem Privatauto die Landebahn blockiert habe, um Flugzeuge aus dem Ausland zu stoppen.

Jürgen Hässler hofft jetzt täglich auf neue und – vor allem – auf bessere Nachrichten von der Botschaft. Noch lange darf die Warterei für ihn jedenfalls nicht dauern: „Wir sind am Ende“, beschreibt er sein Gefühlsleben.

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