Schopfheim „Wir sind da bis zum letzten Tag“

Werner Müller
Michael Maraun und Dagmar Fuchs (von links) bei einer Spendenübergabe des Krankenhausfördervereins im Jahr 2013. Foto: Archiv

Operation zu Ende: Nach knapp 25 Jahren packt der Förderverein fürs Kreiskrankenhaus seine Tupfer und Tinkturen ein. Am Mittwoch beschloss der Rest-Vorstand in kleiner Runde die endgültige Auflösung.

Von Werner Müller

Schopfheim . „Das Aus hat sich seit längerem abgezeichnet“, erklärt die bis zuletzt amtierende Vorsitzende Dagmar Fuchs. Den eigentlichen Todesstoß versetzte dem 1997 gegründeten Verein die Entscheidung des Kreistags im Jahr 2017, alle bisherigen Kreiskrankenhäuser stillzulegen und statt dessen bis 2025 ein Zentralklinikum zu errichten.

„Das hat im Verein große Verärgerung ausgelöst“, berichtet Dagmar Fuchs, die 2008 als Nachfolgerin von Ruthard Hirschner den Vorsitz übernahm, den dieser elf Jahre lang inne hatte. Seit 2017 gab es nach ihren Worten interne Diskussionen darüber, ob sich der Verein sofort auflösen oder doch so lange weitermachen solle, wie das hiesige Krankenhaus noch besteht. Ein paar Mitglieder sprachen sich sogar dafür aus, als Förderverein die künftige Zentralklinik zu unterstützen.

„Doch das hätte dem eigentlichen Vereinszweck widersprochen“, so Fuchs. Stand bei der Gründung doch der Gedanke Pate, das Schopfheimer Krankenhaus „ideell und finanziell zu fördern und damit seinen Fortbestand zu sichern“. Die Vereinsgründung fiel denn auch in eine Zeit, als die Existenz des Hauses insgesamt oder zumindest einzelner Abteilungen (Chirurgie, Intensivstation) dauernd auf der Kippe stand. „Unser Herzblut galt unserem Krankenhaus“, so Dagmar Fuchs.

Seit der Entscheidung für das Zentralklinikum jedoch löste sich dieser Wille langsam in Luft auf. „Wir hatten seither keinen kompletten Vorstand mehr“, bedauert Dagmar Fuchs. Viele Mitglieder traten aus, neue kamen nicht mehr hinzu. 80 von einst deutlich mehr als 100 waren zuletzt noch übrig.

„Die Luft ist raus, die Zentralklinik kommt“, bestätigt auch Michael Maraun – und stimmt zugleich ein Loblied an: „Uns hat der Förderverein immer geholfen, unbürokratisch und an den üblichen Wegen vorbei“, so der Chefarzt am Kreiskrankenhaus. Bei dessen Mitarbeitern genieße der Verein bis heute „hohes Ansehen“.

Tatsächlich investierte der Förderverein im Laufe der Jahre mehr als 50 000 Euro in die Ausstattung der Klinik – sei es mit einem Patientenlifter für 8000 Euro oder einem Intubations-Fiberskop.

Und noch wenige Wochen vor der Auflösung spendierten er dem Krankenhaus für 5000 Euro eine so genannte Dokumenten-Kamera, einen Beamer mit hoher Auflösung, der sich beispielsweise bei der Schulung von Diabetes-Patienten einsetzen lässt.

Den Rest des Vereinsvermögens, etwa 2500 Euro, übertrug der Verein als zweckgebundene Spende der Klinik GmbH des Landkreises, die das Geld folglich nur für die Schopfheimer Klinik ausgeben darf.

Vom hiesigen Krankenhaus und seinen Mitarbeitern will sich der Verein denn auch nicht durch die Hintertür verabschieden. Statt dessen werden Dagmar Fuchs und Michael Maraun am kommenden Montag – wie immer zu Nikolaus – noch einmal durch die Flure ziehen und Chrättimänner verteilen.

Auch wenn die Unterstützung des Vereins künftig fehlt, will das Krankenhaus nach den Worten von Michael Maraun sein „hohes Ansehen“ in der Bevölkerung bewahren. „Wir sind da – das soll bis zum letzten Tag so bleiben“, so lautet sein Versprechen.

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