Schopfheim „Wir sind nur ein kleiner Lieferant“

Von null auf 400 000: Ein Blitzstart von solch formidablem Ausmaß legen Abda und Michael Hitz derzeit hin. Das Ehepaar macht Furore mit einer Maske in Blau.

Von Werner Müller

Schopfheim-Langenau . Das hat indes nichts mit der gleichnamigen Operette zu tun, sondern vielmehr mit einer systemrelevanten Firmengründung: Das Ehepaar produziert mit seinem blutjungen Unternehmen „a+m“ in der Fabrikstraße in Langenau, wo die Firma Arlington einst Socken herstellte, seit Mitte August Mund- und Nasenschutzmasken für die Bundesregierung – 400 000 Stück in der Woche.

„Es war ein Sprung ins kalte Wasser“, erinnert sich das Unternehmer-Paar. Als die Corona-Pandemie im März die Bundesrepublik überrollte und sich herausstellte, dass es hierzulande nicht nur viel zu wenig Schutzmasken gab, sondern in Deutschland solche auch gar nicht hergestellt werden, keimte in der Textilingenieurin und dem Wirtschaftsingenieur die Idee, eine einheimische Produktion auf die Beine zu stellen – Masken „Made in Germany“.

Auch die Materialien – vor allem der Vliesstoff – sollten, wenn schon nicht aus Deutschland, so doch zumindest aus Europa stammen.

Abda und Michael Hitz machten sich auf die Socken, sammelten Informationen, hielten nach Lieferanten Ausschau und kalkulierten Preise. Sie fanden einen deutschen Hersteller für das Filtervlies, mussten beim Nasendraht und den Textilmaschinen aber eine Kröte schlucken – die gibt es nur als Importware aus Asien.

Als sie so weit theoretisch schon alles in trockenen Tüchern hatten, flatterte wie auf Bestellung die Ausschreibung der Bundesregierung ins Haus: Das Gesundheitsministerium suchte Produzenten, die insgesamt 40 Millionen Schutzmasken pro Woche liefern können.

Abda und Michael Hitz gaben ein Angebot ab – und bekamen trotz großer Konkurrenz (127 Bewerber) den Zuschlag für die Lieferung von 400 000 Masken pro Woche nach Berlin – das ist ein Prozent der Gesamtmenge. „Wir sind ein kleiner Lieferant“, gibt sich Michael Hitz bescheiden – aber immerhin einer von insgesamt nur 15.

Dann musste es schnell gehen. Das junge Unternehmen bestellte – unbesehen – zwei Maschinen aus Fernost. „Das war schon ein bisschen abenteuerlich“, räumen die beiden Maskenproduzenten ein. Und es galt, geeignete Räume aufzutreiben, die sie mit Unterstützung von Bürgermeister Dirk Harscher in der ehemaligen Sockenfabrik in Langenau schließlich auch fanden. „Es war nicht so einfach bei dem knappen Zeitplan“, so Michael Hitz erleichtert.

Auf 700 Quadratmeter produziert das Ehepaar mit Hilfe von acht Mitarbeitern in Reinräumen seit knapp drei Wochen jetzt Masken, von Montag bis Freitag im Zweischichtbetrieb, manchmal sogar samstags. Es sind zum einen zertifizierte, vierlagige OP-Schutzmasken nach der höchsten DIN-Norm mit einer Filterwirkung von über 98 Prozent, zum anderen dreilagige Alltagsmasken.

Der Rahmenvertrag mit der Bundesregierung hat vorerst ein Laufzeit bis Ende 2021. Das Unternehmen kann darüber hinaus bei Bedarf aber auch für andere Kunden produzieren – zum Beispiel für Krankenhäuser. Abda und Michael Hitz sind sich ohnehin ziemlich sicher, dass es in Deutschland noch längere Zeit Bedarf für Schutzmasken geben wird. Das Paar investierte nach eigenen Angeben denn auch „mehrere hundert Millionen Euro“ in das Projekt. Allein im Lager stapelt sich Material im Wert von 200 Millionen Euro – darunter auch 6000 Kilometer Nasendraht.

Zu einer kleinen Einweihungsfeier begrüßte das Ehepaar gestern illustre Gäste, darunter den FDP-Bundestagsabgeordneten Jonas Hoffmann, den SPD-Landtagsabgeordneten Rainer Stickelberger, Vermieter Wolf-Dieter Hänssler sowie Bürgermeister Dirk Harscher.

Rainer Stickelberger zeigte sich „tief beeindruckt“ vom Erfolg des „risikobereiten und unglaublich engagierten“ Ehepaars. Er habe sich im Vorfeld natürlich für dieses Projekt eingesetzt und den zuständigen Minister Altmeier angeschrieben, sagte der SPD-Politiker und dankte allen, die vor Ort fürs Gelingen mitgewirkt haben,

Dem Bürgermeister überreichten Abda und Michael Hitz als Dank für die Unterstützung eine Spende in Form von 5000 Masken im Wert von rund 3500 Euro – frisch aus eigener Herstellung.

A + M GmbH

Fabrikstraße 1

79650 Schopfheim

Tel.: 07622 6675985

www.aplusm.tech

E-Mail: info@aplusm.tech

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