Schopfheim „Wir wollen das Geld nicht horten“

Werner Müller

Das gibt’s tatsächlich: Eine städtische Einrichtung, die händeringend um Zuschussanträge bettelt, damit sie das Geld aus ihrem gut gefüllten Fördertopf auch ausschütten kann.

Von Werner Müller

Schopfheim . Der Arbeitskreis Kultur- und Vereinsförderung tut genau das. „Wir wollen heimische Vereine, Organisationen und Einrichtungen dazu ermuntern, die Möglichkeit zur Unterstützung von Projekten zu nutzen“, betonten der Vorsitzende Georg Ückert und Fachbereichsleiter Jürgen Sänger anlässlich eines Pressegesprächs.

Den Arbeitskreis gibt es seit 2005, Jahr für Jahr spendiert er jeweils mehrere tausend Euro für kulturelle Projekte von Vereinen und Organisationen. Das Problem ist nur: Es könnte noch viel mehr Bares sein. Denn kaum ein Verein, kaum eine Organisation macht Gebrauch von dem Angebot.

„Nur relativ wenige stellen einen Antrag, das ist schade“, so Ückert. Von den rund 190 Vereinen in der Stadt nutzten in der Regel nur wenige die Plattform, bedauert der Vorsitzende des Arbeitskreises und beteuert im gleichen Atemzug, dass das Verfahren für die Bezuschussung „unkompliziert“ sei.

„Wir wollen es so einfach wie möglich halten“, bestätigt auch Jürgen Sänger, der gemeinsam mit Ückert sowie Stadträten aller Fraktionen und sachkundigen Bürgern im zehnköpfigen Gremium über die Vergabe der Zuschüsse und deren Höhe entscheidet.

Bewerben können sich grundsätzlich alle Vereine, Organisationen oder Gruppen, die ihren Sitz in der Markgrafenstadt haben und die eine Veranstaltung in öffentlichen Gebäuden oder auf öffentlichen Plätzen planen. Entscheidendes Kriterium für einen Zuschuss ist, dass das zu fördernde Projekt „innovativ“ sein muss.

Mit dem Begriff sind selbst Ückert und Sänger und der Arbeitskreis nicht wirklich glücklich, auch weil sie vermuten, dass er den einen oder anderen potenziellen Antragsteller abschreckt. Aber ein besseres Wort hat das Gremium allen internen Diskussionen zum Trotz bislang noch nicht gefunden.

Dabei will „innovativ“ eigentlich nur ausdrücken, dass das Projekt mehr sein soll als das übliche Jahreskonzert oder eine ähnliche Standardveranstaltung. Es sollte vielmehr ein bisschen aus dem Rahmen fallen und eine gewisse „Strahlkraft“ über die Stadtgrenzen hinaus haben. Gute Chancen auf einen Zuschuss haben zudem Projekte, die dem Bereich der kulturellen Jugendarbeit, der Senioren und anderer gesellschaftlicher Gruppierungen zuzuordnen sind.

Um in den Genuss der Fördergelder zu kommen, sollten Antragsteller eine Kostenkalkulation vorlegen, die Zuschusshöhe beziffern und die finanzielle Selbstbeteiligung gewährleisten. Nach Ende der Veranstaltung ist zudem eine vollständige Abrechnung einzureichen.

Für das laufende Jahr hat der Arbeitskreis, der seine Finanzmittel vom Sponsor Energiedienst erhält, sieben Projekten seinen Zustupfsegen bereits erteilt.

Jupa und JUKS (Jugendparlament und Jugend und Kultur) beispielsweise können sich über 1100 Euro für ihr Projekt „Open Stage“ freuen – eine Plattform für Poetry-Slam, Tanz und Musikdarbietungen. Die Veranstaltung sollte eigentlich schon 2020 über die Bühne gehen, fiel coronabedingt jedoch aus – den seinerzeit bereits bewilligten Zuschuss konnten die Veranstalter aber in dieses Jahr übertragen lassen.

Das gilt auch für das Familienzentrum, das jetzt für sein „Familiensingen“ 1000 Euro aus einem bereits früher bewilligten Zuschuss einsetzen kann.

Der Arbeitskreis unterstützt 2022 zudem ein Blueskonzert des Vereins Jazz und Blues Südbaden, das bunte Osterferienprogramm und einen Nachhaltigkeitstag der VHS, den „Straßen-Musik-Sonntag“ von Akustik in Agathen sowie ein Theaterprojekt zum Mitmachen des Vereins „Kultur im Museumskeller“.

Unterm Strich fließen dafür insgesamt 15 800 Euro. Das muss aber nicht das letzte Wort sein. Auch kurzfristige Anträge für das laufende Jahr sind nach Worten von Georg Ückert noch möglich. „Wir sind flexibel“, so der Vorsitzende des Arbeitskreises. Natürlich seien Planungen gerade in Corona-Zeiten von einer gewissen Unsicherheit überschattet. Doch ein bereits bewilligter Zuschuss gehe auch bei einer eventuell notwendigen Verschiebung nicht automatisch flöten, sondern könne auf Antrag auch ins Folgejahr übertragen werden, so Ückert.

Der Vorsitzende wirbt denn auch nachdrücklich um weitere Anträge. „Das ist eine gute Sache“, schwärmt Georg Ückert und fügt hinzu: „Wir wollen das Geld ja nicht horten.“

Ansprechpartner für die Kulturförderung im Rathaus ist

Karin Huber. Kontakt:

k.huber@schopfheim.de

Tel. 07622/396-128

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