Schopfheim Wirte: „Das ist Gift für uns alle“

Werner Müller

Schopfheim - Verunsicherte Gäste. Verwaiste Tische und leere Lokale: „So ein Wochenende haben wir noch nie erlebt“. Mit seinem Frust ist Tesfaldet Reda nicht allein – seine Kollegen vom Wirteverein haben am Chaos der zurückliegenden Tage auch zu Beginn dieser Woche noch schwer zu knabbern.

„Wir können nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", betonen auch Hans Glöggler, Dino Baldassarre, Jörg Buchleither und Bernd Reichert im Namen ihrer heimischen Zunftkollegen.

Sie wollen angesichts des Tohuwabohus, das der Sozialminister des Landes zwischen Freitag und Sonntag provozierte, indem er Corona-Regel erst verschärfte (2G-plus: Testpflicht auch für Geimpfte und Genesene) und dann scheibchenweise wieder abschwächte (doch keine Testpflicht für Leute mit dritter Impfung oder Vollimmunisierung, die nicht mehr als sechs Monate zurückliegt) nicht länger schweigen.

„Durch dieses Hü und Hott ging die Planungssicherheit komplett verloren“, ärgert sich Jörg Buchleither. Viele verunsicherte Gäste hätten reservierte Tische prompt storniert – und das ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit, normalerweise die wichtigsten Wochen für die Gastronomie. In all diesen Fällen seien die Nachbesserungen der Landesregierung viel zu spät erfolgt. „Da hatte es die Absagen schon gehagelt, und das ohne Grund“, so Buchleither.

Panik herrschte

„Es herrschte Panik“, berichtet auch Dino Baldassarre. Die meisten Tische seien am Wochenende leer geblieb. Dabei wäre das Chaos gar nicht nötig gewesen.

„Gäste sagten erst ab, dann aufgrund der Booster-Regelungen doch wieder zu, keiner wusste, was wirklich gilt“, schildert Bernd Reichert die Konfusion. Die Tests, die er zum Beispiel am Freitag noch auf eigene Kosten und mit eigenem Personal durchführte, waren im Nachhinein für die Katz.

Hans Glöggler bezeichnet das, was da am Wochenende aus Stuttgart erst hinausposaunt und dann kleinlaut wieder revidiert wurde, denn auch als „Wirrwarr“.

Tesfaldet Reda ergänzt, keiner habe mehr richtig durchgeblickt, das Land habe die „Rosse völlig unnötig scheu“ gemacht. Dass man sich in diesen ohnehin schwierigen Zeiten auf offizielle Regelungen offenbar nicht mehr verlassen könne, sei ein Unding.

„Das ist Gift für uns alle“, betonen die Wirte und weisen darauf hin, sie hätten im vergangenen Jahr, ohne groß zu klagen, harte Einschnitte bis hin zum Lockdwn mitgetragen, ihre Gaststätten monatelang ganz geschlossen und sich mit alternativen Angeboten (Essen zum Mitnehmen) über Wasser gehalten. Doch mit dem jüngsten Eiertanz hat die Landesregierung ihrer Meinung nach das Fass zum Überlaufen gebracht.

Die Wirte befürchten unisono, dass der Dezember auch in diesem wieder schwer wird. Um so mehr hoffen sie, dass die jetzt nachgebesserten Regeln in den kommenden Regeln wenigstens „verlässlich“ gelten werden. „So ein Wochenende“, betonte Tesfaldet Reda, „möchten wir nicht mehr erleben.“

Offener Brief an die Gäste

Er und seine Wirtskollegen, allesamt „Gastgeber aus Leidenschaft“, appellieren in einem offenen Brief (siehe: www.wirtestadt.de) an ihre Gäste, sie trotz der widrigen Umstände nicht im Stich zu lassen. „Wir möchten allen einen sicheren und schönen Aufenthalt bieten“, betonen die Gastronomen und bitten, sich vorab zu informieren, was man für einen Besuch im Lokal mitbringen müssen.

Die 2G-plus-Regel (geimpft, genesen mit negativem Schnelltest) gilt in Baden-Württemberg unter anderem für Gastronomie, Fitnessstudios, Museen sowie Freizeit- und Kultureinrichtungen,

Ausgenommen von der Testpflicht sind seit der „Klarstellung“ der Landesregierung Personen mit einer Boosterimpfung sowie Geimpfte und Genesene, deren Vollimmunisierung nicht länger als sechs Monate zurückliegt.

  • Bewertung
    6

Umfrage

e64ef5d6-6fd7-11ec-9ca8-1335ebb5fb94.jpg

Die Narrengilde Lörrach will ihren Fasnachtsumzug und die Gugge-Explosion coronabedingt in den Juni verlegen. Was halten Sie davon?

Ergebnis anzeigen
loading