Schwörstadt Von Rivalität ist nichts zu spüren

19 Jahre lang war Kurt Vollmer Ortsvorsteher in Dossenbach.Foto: Rolf Reißmann Foto: Die Oberbadische

Dossenbach gehört zu Schwörstadt. Die Jungen und die „Mittelalten“ kennen dies gar nicht anders. Doch beide Orte waren früher selbstständig und kochten jede für sich ihr Alltagssüppchen. Dies änderte sich am 1. Juli 1971, als Dossenbach im Zuge der Kommunalreform mit Schwörstadt zusammenging.

Von Rolf Reißmann

Schwörstadt-Dossenbach. Kurt Dauenhauer, ab 1945 Bürgermeister in Dossenbach, sah einst keinen Anlass, sein Dörfchen mit einem anderen zu vereinigen. Doch als er 1969 in den Ruhestand wechselte, fand sich kein Nachfolger für ihn. Da machten sich die Dossenbacher Gedanken und sprachen auch mit den Nachbarn im Tal darüber. Dabei kam die Idee auf, dass der beliebte Schwörstädter Bürgermeister Egon Witzig dieses Amt doch auch in Dossenbach übernehmen könnte. Weil diese Idee Zustimmung beim Regierungspräsidium fand, konnte Witzig tatsächlich als Doppelbürgermeister amtieren – jeweils einen Arbeitstag in der Woche verbrachte er in Dossenbach.

Nur wenige tendierten nach Schopfheim

Dann gab es bald den Vorschlag, sich einem größeren Ort anzuschließen. Einige wenige empfahlen hier Schopfheim, die Mehrheit aber schlug Schwörstadt vor. Kurt Vollmer, späterer Ortsvorsteher, kann sich noch daran erinnern, dass zwar keine Ablehnung, aber zumindest doch Fragen auftraten, ob es denn wirklich möglich wäre, das protestantische Dossenbach mit dem katholischen Schwörstadt zusammenzuführen.

Als das Land Anfang der 1970er Jahre seine Kommunalreform auf den Weg brachte, wurden zunächst freiwillige Zusammenschlüsse empfohlen und gefördert. Da winkten dem kleinen Dossenbach 300 000 DM, falls es sich zu diesem Schritt entschließen könnte. Also stimmten die fünf Gemeinderatsmitglieder zu. Von diesem Geld wurde dann der neue Hochbehälter zur Wasserversorgung gebaut.

Der kleine Gemeinderat löste sich hernach auf, denn Dossenbach wurde zum 1. Juli 1971 zu Schwörstadt eingemeindet. In der größeren Talgemeinde löste dieser Vorgang seinerzeit weder Verwunderung noch Ablehnung aus.

Möglichst vieles wird vor Ort geregelt

Stephan Frank erinnert sich daran: „Es gab keine Widerstände dagegen, das Fremdeln miteinander hörte innerhalb weniger Jahre auf.“ Nachdem etliche Jahre lang alle Dossenbacher Angelegenheiten in Schwörstadt entschieden worden waren, strebten die Einwohner des Ortsteils Ende der 1980er Jahre aber wieder etwas mehr Autonomie an – auch, weil Bürgermeister Witzig aus dem Amt schied. In der Folge wurden dann erstmals ein Ortschaftsrat und ein Ortsvorsteher gewählt. 1990 nahm Kurt Vollmer diese Funktion an, bis 2009 übte er sie aus. Seitdem können die ureigensten Angelegenheiten wieder im Dinkelbergdorf besprochen und entschieden werden. Doch für alle größeren Vorhaben ist der kleine Ortsteil auf die Partnerschaft in der Gemeinde angewiesen; in den 1990er Jahren war dies der Bau des Bürgersaals.

Inzwischen sind Schwörstadt und Dossenbach in allen Lebensbereichen zusammengewachsen. Große Aufgaben wie derzeit etwa die Kinderbetreuung werden als Einheit gelöst. Der Ortschaftsrat hat bei Dossenbacher Angelegenheiten das erste Wort; gegenwärtig gehören drei Einwohner des Ortsteils dem Gemeinderat an. Bürgermeisterin Christine Trautwein-Domschat betrachtet seit ihrem Amtsantritt alle kommunalpolitischen Aufgaben als Einheit. Von Rivalität ist nichts zu spüren – im Gegenteil. Die Potenziale ergänzen sich, das sieht man beispielsweise sehr gut bei beiden Abteilungen der Feuerwehr. Den Vereinen gehören gleichermaßen Mitglieder aus Schwörstadt und Dossenbach an. Nicht zu vergessen ist auch, dass Schwörstadt mit der Eingemeindung von Dossenbach auch zusätzliche Pflichten übernahm, zum Beispiel Verantwortung für Orgel und Glocken der Pelagiuskirche.

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