Sportmix Der Favorit lässt nichts anbrennen

„Das war das beste Turnier der vergangen sechs Jahre“: Thilo Kaltenbach hat sich bereits am Abend des Finaltages festgelegt. Kurzum: Das war großes Tennis. Der aktuelle Deutsche Meister Daniel Masur schlug beim DTB-Ranglistenturnier des TC 1923 Grenzach auf, begeisterte auf und neben dem roten Sand und gewann den Wettbewerb, den sich viele Tennisfans nicht entgehen lassen wollten.

Von Mirko Bähr

Grenzach-Wyhlen. Ein Hauch von Roland Garros wehte am Wochenende über die Anlage am Gmeiniweg. Da zockten Cracks um Punkte, die bereits auf der ATP-Tour die gelbe Filzkugel über das Netz droschen, da gaben Akteure aus ganz Deutschland keinen Ballwechsel verloren. „Und das Tollste ist, das sind alles ganz nette Kerle“, freute sich Kaltenbach und strahlte mit der Sonne des Spätsommers um die Wette. „Da gab es keinen Firlefanz.“

So nahm Daniel Masur, derzeit die Nummer 163 der Doppel-Weltrangliste und Titelträger auf nationaler Ebene, auch mal selbst den Besen in die Hand, um die Linien zu säubern.

Und was macht Marko Lenz vom TC Wolfsberg Pforzheim, als ihm auch die Saite des letzten verbliebenen Wilson-Schlägers im Viertelfinale reißt? Er leiht sich ein Babolat-Racket von einem Zuschauer, spielt ohne zu Murren damit den entscheidenden Match-Tiebreak und jubelt am Ende über ein 6:4, 2:6 und 12:10-Erfolg gegen Oleg Khotkov (THC Hanau). Letzterer musste sich in der Runde der letzten Vier dem Topfavoriten geschlagen geben. Masur (Tennispark Versmold) gibt sich keine Blöße und zieht nach einem 6:2 und 6:3 ins Finale ein.

Dort wartete mit Albano Olivetti ein groß gewachsener Franzose, der schon mal die Nummer 103 der Doppel-Weltrangliste war. Der 28-Jährige aus Straßburg hatte 2012 beim ATP-Turnier in Marseille immerhin Mardy Fish besiegt, am Sonntag musste er sich nun mächtig strecken, um im Halbfinale den Tiengener Tim Rühl aus dem Wettbewerb zu kegeln. Auch mit dem nötigen Quäntchen Glück hatte er mit 10:8 im Match-Tiebreak die Nase ganz knapp vorn.

Im Endspiel setzte sich der Deutsche Meister aus München, der zuletzt bei einem Challenger-Turnier in Prag aufgeschlagen hatte, in zwei Sätzen durch. Der 25-Jährige erwies sich vor toller Kulisse und bestem Tenniswetter als kompletterer Akteur und durfte sich nach dem 6:1 und 6:1 völlig zurecht als Sieger feiern lassen.

Als bester Lokalmatador schaffte es Klaus Jank vom TC 1923 Grenzach immerhin bis ins Viertelfinale, wo er dann aber Rühl mit 2:6 und 6:7 unterlag. Vereinskamerad Philipp Kahoun stand in der zweiten Runde dicht vor einer Überraschung. Olivetti, der spätere Finalist, setzte sich nur hauchdünn mit 7:6 und 7:5 durch.

Beim erstmals ausgetragenen Damen-DTP-Ranglistenturnier trug sich nach großem Kampf Katharina Rothacker (TSC Renningen) in die Siegerliste ein. In einem ausgeglichen Endspiel musste der Match-Tiebreak über Wohl oder Wehe entscheiden. Am Ende hatte die Topgesetzte Dorothea Saar (Freiburger TC) mit 6:4, 1:6 und 5:10 gegen die Nummer zwei des Turniers das Nachsehen.

Während Rothacker auch das Halbfinale relativ klar gegen Lea Hummel (Freiburger TC) mit 7:5 und 6:2 für sich entschied, hatte Saar erheblich mehr Mühe. Gegen die Schopfheimerin Angelina Da Silva Guggenbühler (TC Schönberg Freiburg-St. Georgen) musste sie in den Entscheidungsdurchgang. Dort machte sie mit 10:6 dann den Sack zu. Frieda Sutter vom TC 1923 Grenzach musste im Viertelfinale die Segel streichen. Sie unterlag Hummel mit 2:6 und 1:6.

Als Pilotprojekt hatten Grenzachs Verantwortliche auch ein Doppel-Einladungsturnier aus der Taufe gehoben, das bestens ankam. Den Sieg holte sich die Paarung Marko Lenz/Frank Wintermantel durch einen Finalsieg gegen Daniel Masur/Thomas Jan Dafcik.

Die Rückmeldungen der Cracks waren positiv. „Es sind viele Leute auf uns zugekommen. So auch Katharina Rothacker. Sie meinte, dass sie noch nie so eine Turnier-Atmosphäre erlebt habe und noch nie vor so vielen Fans spielen durfte“, erzählt Kaltenbach. Klar ist: Im nächsten Jahr wird es eine weitere Auflage geben. „Für unsere Ecke ist das hier etwas Besonders.“ Und wenn es sich Masur irgendwie einrichten könne, werde er wiederkommen. Das zumindest hat er dem TC 1923-Präsidenten versprochen.

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