Sportmix Doping: Die Sportler werden immer dreister

Plaudert auch aus dem Nähkästchen: Professor Dr. Mario Thevis. Foto: Gerd Lustig Foto: Die Oberbadische

Von Gerd Lustig

Lörrach. Die Hose herunterzulassen, um vor einem fremden Menschen eine Urinprobe abzugeben, ist sicherlich nicht angenehm und schon gar nicht jedermanns Sache. Für Profi- und Spitzensportler gehört dies aber zum Alltag. „Anfangs war’s schon komisch, inzwischen habe ich mich aber daran gewöhnt“, ließ Radfahrer Nico Denz (Waldshut, Jahrgang 1994) wissen.

Er war jüngst beim Forum Sport der Sportstiftung Südbaden im Sparkassen-Forum in Lörrach zu Gast. Thema an diesem Abend war: „Dopinganalytik - alte und neue Herausforderungen.“ Professor Dr. Mario Thevis, seines Zeichens Leiter des Zentrums für präventive Dopingforschung an der Sporthochschule Köln, referierte.

Eingeladen war neben Radprofi Denz auch seine Rennfahrkollegin Clara Koppenburg (Lörrach, Jahrgang 1995), um über die gängige Praxis bei Dopingkontrollen zu plaudern.

Beide sind sich einig: Für einen sauberen Sport gänzlich ohne verbotene Substanzen sind solche strengen Urinproben unumgänglich. Denn, so ließ Dopingforscher Thevis wissen, die Sportler werden immer dreister und gewiefter, um nicht als Dopingsünder aufzufallen. Da gebe es die kühnsten Versuche. „Einmal gab eine Athletin Fremdurin ab, den sie zuvor in ein Kondom gefüllt hatte.“

Da aber inzwischen bei vielen Spitzensportlern geometrisch-analytische Profile angelegt sind, flog der Schwindel im Nachgang schnell auf, weil eben gewisse persönliche Daten nicht mit den Daten von früheren Proben übereinstimmten.

Aufgedeckt werden konnten natürlich auch zahlreiche Fälle, in denen verdünnter Urin oder beinahe destilliertes Wasser in den Proben zu finden waren. In einem anderen Fall waren mal drei Proben zur Analyse eingegangen, angeblich abgegeben von drei verschiedenen Sportlern. Herauskam aber, dass der Urin von einer einzigen Person stammte, es sich aber um keinen der Sportler handelte. Welche Kontrollen da versagt haben und wie und warum? Thevis: „Das möge sich jeder selbst zusammenreimen.“

Untrüglich und unmissverständlich sind hingegen die gemessenen Werte von gefundenen Substanzen im Urin. Selbst geringste Konzentrationen können nachgewiesen werden. Überdies werden auch Proben eingefroren, um in späteren Jahren mit dann noch feineren Messmethoden eventuell Verbotenes zu finden.

Neuerdings gibt es Atemluftproben. Da kann laut Thevis indes nur innerhalb von 36 Stunden nach Abgabe analysiert werden. Für effektiver hält der Dopingforscher die zusätzliche Entnahme eines Tropfens Blut. Doch da gebe es noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

Was Mario Thevis letztlich noch erklärte: Vorsicht bei Medikamenteneinnahme bei Grippe oder starken Erkältungen. Es gebe Mittel, wie beispielsweise „Aspirin komplex“, die verbotene Substanzen enthielten, wiesen er und auch der Sportarzt und Vorsitzender der Sportstiftung Südbaden, Andreas Gösele, darauf hin. „Im Zweifelsfall immer den Arzt fragen“, rieten beide dringend.

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