Sportmix Grizzlybären und einsame Hütten

Fußball, Tennis, Skifahren, ach ja, Surfen: Nein, es gibt kaum eine Sportart, die Enno Meyer nicht mit großer Freude, viel Ehrgeiz und durchaus auf anständigem Niveau betreibt. Sport, das ist seine große Leidenschaft. Im Sommer zieht es ihn vornehmlich auf den roten Sand oder den grünen Rasen, im Winter in die tief verschneiten Berge Kanadas. Seit Anfang November arbeitete der 23-Jährige als Skilehrer, ehe nun die Saison aufgrund des Coronavirus vorzeitig beendet wurde.

Von Mirko Bähr

Lörrach/Banff. Über seinem derzeitigen Wohnort ragen die Gipfel von Mount Rundle und Mount Cascade, die zu den Rocky Mountains gehören, empor. Banff, so heißt der Ferienort in der kanadischen Provinz Alberta, liegt im Banff National Park, wo unter anderem auch Grizzlybären zuhause sind. Die Stadt liegt auf knapp 1400 Metern Höhe und ist 58 Kilometer von Lake Louise entfernt, wo immer wieder Ski-Weltcup-Rennen zur Austragung kommen.

„Alle Skigebiete in Alberta wurden von der Regierung geschlossen, und unsere Saison ist jetzt auch beendet“, lässt Meyer wissen. „Bisher hat es noch keinen einzigen Fall bei uns im Bow Valley gegeben“, stellt er klar.

Die Saison will er in Kanada aber fertig machen. „Hier kann ich raus und Skitouren gehen, anstatt daheim rumzuhocken“, so Meyer. Der Vermieter hat zudem die Miete verringert. Meyer und seine Kollegen mussten vorgestern alle Sachen vom Berg runterbringen und die Umkleidespinde ausräumen.

So sah ein normaler Arbeitstag des Lörrachers bis zum vorzeitige Ende der Saison aus: Um 6.30 Uhr klingelte ihn der Wecker aus den Federn. 40 Minuten später hockte Meyer noch etwas verschlafen im Bus, um 7.30 Uhr ging es mit der Gondel hinauf ins Skigebiet. Dann streifte er sich die Skilehrermontur über, und nach einer Lagebesprechung mit sämtlichen Kollegen wedelten Meyer & Co. nach Lust und Laune eineinhalb Stunden die Pisten im Skigebiet, das Sunshine Village heißt, runter, ehe der Unterricht um 10.30 Uhr begann.

Meyer war für Anfänger genauso zuständig wie für die Teilnehmer von Freeride-Programmen. Dabei wurde auch die Handhabung von Lawinenverschüttetensuchgeräten (LVS) beigebracht. Meyer wurde für Privatstunden gebucht, aber auch normale Gruppenstunden mit unterschiedlicher Länge stehen auf dem Stundenzettel. „Es ist schon mein drittes Jahr hier in der Skischule und habe mich gut etabliert“, sagt Meyer, der in der Hinrunde neunmal für den VfR Bad Bellingen auflief.

In der Skischule ist ein „kunterbunter Mix“ angesagt. Die Übungsleiter auf den Brettern, die ihnen die Welt bedeuten, kommen von überall her – aus Wales, Kanada, Australien, England, Italien, Neuseeland, Südafrika, Chile oder eben Deutschland. Bis 15.30 Uhr wurde an der Technik der Schülerinnen und Schüler gefeilt. „Dann heißt es umziehen und erst mal ein Feierabendbier“, schmunzelt Meyer. Gegen 18.15 Uhr war er dann wieder zurück in Banff, wo er ein Haus mit fünf anderen Skilehrern bewohnt.

„Das Zimmer teile ich mir mit einem Münchener. Wir sind richtig enge Freunde geworden und haben es immer lustig“, meint Meyer. Das gilt für das gesamte Haus, in dem auch zwei Jungs und ein Mädel aus Wales wohnen. „Die Miete ist hier sehr hoch im Vergleich zu Deutschland. Viele Leute hier in Banff müssen sich Zimmer teilen, weil hier einfach mehr Nachfrage als Angebot herrscht. Die Stadt Banff darf keine weiteren Häuser bauen, weil sie im Nationalpark liegt“, erklärt Meyer.

Das Essen sei ungefähr gleich teuer wie in der Schweiz, speziell Fleisch und Käse, weiß Meyer. „Die Lebensunterhaltskosten sind relativ hoch.“ Und ein Auto sei definitiv von großem Vorteil. „Hier liegt alles sehr weit auseinander, ob das nun die anderen Städte und die anderen Skigebiete sind“, so Meyer. Und die öffentlichen Verkehrsmittel würden zudem nicht so häufig fahren, wie man das bei uns gewohnt sei. „Hier gibt es auch nur Bus oder Taxi.“

Das hält den 23-Jährigen aber nicht davon ab, auch in seiner Freizeit in die Skischuhe zu schlüpfen. Das Leben in den Rocky Mountains nutzt er voll aus. „Ich carve viel abseits der Pisten und versuche, so viel wie möglich in anderen Skigebieten zu fahren. Eine Menge Skitouren stehen da auf dem Programm und auch mehrtägige Trips zu Berghütten im Nirgendwo.“

Trotz der weiten Entfernung ist Meyer oft in Kontakt mit der Heimat. „Das funktioniert gut. Ich lasse meine Familie und Freunde an meinem ganzen Abenteuer teilhaben und sage immer Bescheid, was hier so abgeht.“ Und was daheim so los ist, bleibt ihm ebenso nicht verborgen.

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