Von Gerd Lustig

Die Badmintonspielerin Nicole Grether wurde am 17. Oktober 1974 geboren. Sie ist zweifache Olympiateilnehmerin, Vize-Europameisterin, 27-fache Deutsche Meisterin und Rekordnationalspielerin in ihrer Sportart. Zudem ist sie Botschafterin der Sportstiftung Südbaden und Initiatorin des Schulprojekts „S’Cool Mission“. Im nächsten Jahr will sie eine Sportfirma gründen.

Schopfheim. Sie hat die ganze Welt gesehen. Das hat Nicole Grether ihrer Sportart Badminton zu verdanken. Ob Australien, Tahiti, Indonesien, Singapur und Hongkong, ob USA, Brasilien, Peru, Kanada, Guatemala und natürlich Europa: Überall schlug die Schopfheimerin, die im Alter von 17 dem Wiesental Adieu sagte und ihr Leben auf den Sport ausrichtete, als Badminton-Profi auf.

Dass sie ihren Sport äußerst erfolgreich betrieben hat, besagen allein die Eckdaten wie zweimal Olympiateilnehmerin, dazu Vize-Europameisterin, 27-fache Deutsche Meisterin und mit 106 Einsätzen deutsche Rekordnationalspielerin.

„Djakarta war wohl aus sportlicher Sicht mit Abstand der Höhepunkt. Da sind die Leute richtig fanatisch, was Badminton anbelangt“, erinnerst sich Grether.

Anfang 2014 machte sie aber Schluss, quasi von Hundert auf Null, zumindest im Einzel. „Ich hab’ den Absprung geschafft, mir fehlt nichts“, erklärt sie im Brustton der Überzeugung.

Mehr als zwei Jahrzehnte lang habe sie - so Grether weiter - nie selbst aussuchen können, wo sie leben möchte. alles sei dem Sport unterordnet gewesen. Doch jetzt fühlt sie sich in ihrer Heimatstadt Schopfheim zuhause. „Ich fühle mich richtig wohl, hab’ meine Mutter hier und auch Freunde“, so Grether.

Jetzt, im Alter von 41 Jahren, will sie ihre Karriere so langsam aber sicher ausklingen lassen, sich anderen Dingen widmen. Mit ihrer kanadischen Doppelpartnerin Charmaine Reed, mit der sie in der Weltrangliste noch unter den Top 30 notiert ist, spielt sie noch das eine oder andere Turnier. Das war’s dann aber auch.

Eigentlich wollte sie sich nie festlegen, wann einmal Schluss ist mit dem Profisport. Jetzt sei die Zeit aber gekommen, erklärt sie, die sie in der Anfangszeit ihrer Profikarriere eine Ausbildung als Reiseverkehrskauffrau abgeschlossen hat, jedoch nie im Job arbeitete.

„Es war wirklich eine wunderbare Zeit, ich möchte keinen Moment missen“, sagt die Sympathieträgerin rückblickend. Sie habe alles richtig gemacht, bereue keinen Schritt. Badminton sei ein wunderbarer Sport, der dem Athleten in Sachen Schnelligkeit, Ausdauer, Reaktion, Kraft und Koordination alles abverlangt.

Ohne Sport kann sie natürlich auch jetzt nicht leben. Zum einen spielt sie noch in der dritten französischen Liga im Badminton-Team von Village-Neuf. Zum anderen hält sie sich mit täglichem Laufen fit. „Ich genieße es, ohne Druck zu trainieren“, sagt die 41-Jährige. Und was sie zudem genießt, ist die wunderschöne Landschaft hier in Südbaden.

Gerne engagiert sie sich daher auch in ihrer alten und neuen Heimat in zahlreichen Projekten, so unter anderem für den Kiwanis-Club oder den Kaffeeverein Dikome-Kamerun, wo sie neuerdings in der Orga des Wiesentäler Wasserlaufs mitmacht.

Tätig ist sie auch für die Sportstiftung Südbaden im Stiftungsrat. „Es ist wichtig, dass junge Talente aus der Region unterstützt werden“, betont sie.

Zudem betreut sie mit ihrer Badminton-Doppelpartnerin Charmaine Reed das Schulprojekt „S’Cool Mission“. Primäres Ziel dabei ist es, Kinder zum Sporttreiben zu motivieren und ihnen Spaß an der Bewegung zu vermitteln. „Gerade Badminton eignet sich optimal für den Schulsport“, ist sie sich sicher. Bereits zwei Touren konnte sie dank Sponsoren durch die Heimatregion organisieren. Jetzt sind ähnliche Touren in der Heimat der Kanadierin Reed geplant. „Und es kommen hoffentlich noch ganz viele solcher Schul-Touren dazu“, wünscht sich die 41-Jährige.