Sportmix Ob 5:4 oder 4:5 ist egal

Mit der neuen Regelung kommt es auf jedes Einzel und jedes Doppel an. Foto: Archiv

Lörrach - Die Medenrunde gehört für viele Mannschaften der Vergangenheit an. Die Begegnungen auf dem roten Sand sind bis auf wenige Ausnahmen absolviert. Zum ersten Mal hat zur Ermittlung der Rangliste das „Schweizer Modell“ gedient.

So fanden in erster Linie nicht die Mannschaftssiege in der Tabelle Berücksichtigung, sondern die Matchpunkte. Jedes Einzel und jedes Doppel zählten.

Der Badische Tennisverband wollte damit wirksam gegen das Schenken der Doppel vorgehen und sah in dieser Regelung ein Mittel, um den Einsatz von Verstärkungen nur in ausgewählten Spielen zu verringern. „Dadurch gestaltet sich der Wettbewerb deutlich fairer“, machte der Verband im Vorfeld deutlich. Das neue System belohne konstante Leistungen über eine ganze Saison hinweg, hieß es.

Doch wie beurteilen die Teamchefs der hiesigen Mannschaften die Premiere dieses Modells? Sportredakteur Mirko Bähr und unser Mitarbeiter Gerd Lustig haben sich umgehört.

Carsten Dolzer, Herren 40 der TSG TC Wehr/TC GW Hausen: „Das ist eine schwachsinnige Regelung. Das funktioniert in der Schweiz, wo sich nur vier Teams in der Gruppe um den Einzug in die Playoffs oder Playdowns streiten. Da kommt es auf jeden Punkt an. Wir spielen hier im Verband mit sechs, manchmal sieben Teams in einer Liga. Da ist das Modell reine Wettbewerbsverzerrung. Da bleibt ein Verein mit einem gewonnenen Match drin, während eine Mannschaft, die zweimal gewonnen hat, absteigen muss. Es reicht, wenn man überwiegend mit einer Rumpeltruppe agiert und nur in einem Match voll stellt, um die maximale Ausbeute von neun Zählern auszufahren. Das ist nicht in Ordnung. Wo ist denn nun der Kick beim Stand von 3:3 nach den Einzeln? Nun ist es völlig wurst, ob man 5:4 gewinnt oder 4:5 verliert. Vorher waren das echte Thriller. Noch etwas: Wieso fangen wir in Baden so früh an mit der Runde? Anfang Mai hatte es vier Grad, dazu Regen, teilweise Schneefall. Wieso verschiebt sich der Rundenbeginn nicht nach hinten, dann können sich alle Akteure vernünftig auf die Sandplatz-Saison vorbereiten. Auch dieser Blödsinn muss aufhören.“

Nicola Grether, Damen I des TC 1923 Grenzach: „In dieser Saison haben wir von dieser neuen Regelung profitiert. Gut ist sicherlich, dass man die Doppel auch nach einem bereits feststehenden Sieg noch spielt. Gar nicht gut ist, dass die Mannschaften mit weniger Siegen in der Tabelle am Ende trotzdem vor einem liegen können.“

Björn Müller, Herren 30 der TSG TC Lörrach/Schopfheim: „Wir haben zwei Siege eingefahren und steigen ab. Ein Konkurrent hat nur einmal gewonnen und steht vor uns. Wenn du dreimal 5:4 gewinnst, und dein Konkurrent siegt einmal 9:0 und verliert zweimal 3:6, dann ist er trotzdem vor dir. Das ist schwachsinnig. Von einer Stärkung der Doppelspiele kann in unserer Liga nicht die Rede sein. Da wurden ebenfalls abgeschenkt. Ich fand es früher spannender. Da war die Freude beim Gewinn des entscheidenden Doppels einfach groß. Jetzt ist es unwichtig, ob du 5:4 gewinnst oder 4:5 verlierst. Das ist doch schade. Es braucht oft nur ein Doppel, um auf den dritten oder vierten Zähler zu kommen. Somit wird nur eine Paarung stark gemacht. Ich fand die alte Regelung besser.“

Swantje Wendt, Damen I des TC Rheinfelden: „Ich bin noch ein wenig unentschlossen, ob ich das neue System besser finde. Man kann sich jetzt keine Aussetzer erlauben, muss immer versuchen, so viele Punkte wie möglich zu holen. Jeder einzelne Turniertag ist wichtig. Aufgewertet sehe ich die Doppel. Und es bleibt in der Saison spannend bis zuletzt.“

David Kummle, Herren II des TC 1923 Grenzach: „Der Vorteil ist, dass jedes Match zählt, Doppel werden weniger geschenkt, und auch mit einer knappen Niederlage kann man gut leben. Ob 5:4 oder 4:5 spielt keine Rolle. Auch können die starken zweiten Mannschaften nicht zwei- oder dreimal voll auflaufen und dann alles abschenken. Hohe Niederlagen wirken sich viel schneller und härter auf die Tabelle aus. Der Nachteil: Du kannst alles gewinnen und trotzdem nicht aufsteigen. Und du kannst alles verlieren und trotzdem nicht absteigen. Ein 9:0 zählt fast doppelt so viel wie ein 5:4-Sieg. Insgesamt gesehen, finde ich die Regel nicht schlecht, sie spiegelt viel mehr die einzelnen Resultate über die Saison wider. Aber du hast auch eine gewisse Unsicherheit.“

Kathrin Nimptsch, Damen 30 des TSG TC Rheinfelden/TC Lörrach: „Prinzipiell finde ich das Schweizer System gut. Es zählen halt jeder einzelne Spieltag und auch die Höhe eines Sieges. Auch die Motivation in den Doppeln ist größer, selbst wenn es bereits 5:1 nach den Einzeln steht. Nun kann man auch mit zwei knappen Niederlagen noch Meister werden. Das war früher ausgeschlossen.“

Christoph Modersohn, Herren 55 der TG Lonza Weil: „Wir finden’s mehrheitlich okay. Es gibt allerdings auch Stimmen in der Mannschaft, die von dem Schweizer System gar nichts halten. Unterm Strich können wir aber mit der Neuerung leben. Schön ist, dass gespielt wird, auch die Doppel, die früher vielleicht abgeschenkt wurden. Und selbst wenn du alle Spiele nur knapp verlierst, bleibst du wahrscheinlich noch in der Liga drin. Übrigens hätten wir auch nach dem alten System mit drei Siegen und zwei Niederlagen den dritten Platz belegt.“

Michaela Fischer, Damen 30 des TC 1923 Grenzach: „Wir sind uns in der Mannschaft nicht einig, aber wir sehen das Schweizer Modell überwiegend positiv. Der einzelne Sieg wird eindeutig aufgewertet. Und die Mauschelei mit den Doppeln hat ein wenig nachgelassen. Am Ende kann es ja schließlich auf jeden einzelnen Punkt ankommen. Und da ist es natürlich fairer, wenn alle Matches auch ausgetragen werden.“

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