Sportmix Rolling Stones der Wasserball-Szene

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Meisterehrung: Das Meisterteam der SSG Weil am Rhein um Spielertrainer Pio Reuter (r.): Die Oldies mischten die Bezirksliga Baden kräftig auf und wurden ungeschlagen Erster. Foto: Mirko Bähr

Sie sind so etwas wie die Rolling Stones der Wasserball-Szene. Ihr Haar ist lichter geworden und die Anstrengungen einer Partie im kühlen Nass sind noch ein paar Tage später durchaus spürbar. Doch die Jungs der SSG Weil können es nicht lassen. Und erfolgreich sind sie allemal noch immer. Bester Beweis: Ohne Niederlage haben die schwimmenden Oldies aus der 3-Länder-Stadt den Titel in der Bezirksliga Baden klar gemacht.

Weil am Rhein. Kraft, Ausdauer, aber auch eine gewisse Robustheit: Das braucht es, um im und unter Wasser die Oberhand zu behalten. Bei der SSG kommt noch jede Menge Erfahrung mit dazu. Und diese Zutaten sorgen dafür, dass die Weiler immer wieder als Sieger aus dem Becken steigen. Sechs Spiele absolvierten die Jungs um Spielertrainer Pio Reuter in der abgelaufenen Bezirksliga-Saison, sechsmal durften sie jubeln. Fünfmal war es eine deutliche Angelegenheit.

Ein einziges Mal mussten die Weiler Cracks etwas zittern. Am letzten Spieltag stand das Derby beim Zweiten SSV Freiburg II auf dem Programm. 3:3 stand es zur Pause, ein echter Krimi also, den die SSG aber mit etwas Glück, so blickt Reuter zurück, mit 8:6 für sich entscheiden konnte. Jürgen Wittner netzte im Westbad gleich viermal ein. „Die beiden Spiele gegen Freiburg waren die Höhepunkte“, lässt Reuter wissen.

Freiwillig aus der Verbandsliga abgestiegen

Dass die SSG nach dem freiwilligen Abstieg aus der Verbandsliga und der unfreiwilligen Corona-Pause zum einen nochmals zusammenfinden und für den Spielbetrieb melden würde, und zum anderen als Sahnehäubchen oben drauf dann auch noch ungeschlagen den Titel holt, damit haben selbst die Routiniers aus dem Laguna-Bad nach dieser langen Pause nicht gerechnet.

„Es fühlt sich langsam schon komisch an. Irgendwie ist es wie bei den Rolling Stones, die schon ihre gefühlte siebte Abschiedstournee hinter sich haben“, lacht Reuter. Aber irgendwie ist es dann eben vor einer neuen Spielzeit so, dass man sich noch zu jung fühle, um in den Ruhestand zu gehen. „Wir konnten uns bislang noch nicht dafür entscheiden, die Badekappe an den Nagel zu hängen“, sagt Reuter.

Jürgen Benz, Jahrgang 1960, Michel Grasso, Jahrgang 1967, Jürgen Wittner, Jahrgang 1968, Thomas Volkmer, Jahrgang 1969, Michael Armbruster und Stefan Schwär, beide Jahrgang 1977, Pio Reuter, Jahrgang 1978, Markus Florian, Jahrgang 1979, Nils Hofmann, Jahrgang 1987 sowie die beiden „Küken“, Markus Wohlschlegel und Moritz Schumann, beide Jahrgang 1994, vereint wohl die Leidenschaft für diesen abwechslungsreichen Sport und den Wettbewerb. „Das ist vermutlich der Grund, warum wir es einfach nicht lassen können und Jahr für Jahr noch eine Saison dranhängen“, grinst Reuter.

Totgesagte leben länger heißt ein deutscher Film aus dem Jahr 2008. Und irgendwie passt das auch auf die Wasserball-Mannschaft der Weiler zu. „Denn“, so blickt Reuter zurück, „nach dem Abstieg aus der Verbandsliga, dem Lockdown nach dem zweiten Spieltag der neuen Runde und über einem Jahr Stillstand hätten die meisten von uns gedacht, dass es das wohl nun endgültig gewesen ist mit dem Wasserball in Weil am Rhein.“

Als Sportler lerne man jedoch mit negativen Ereignissen umzugehen, meint Reuter, und Corona sei definitiv eine schlimme Niederlage für das ganze Land gewesen. „Als dann irgendwann die Regeln gelockert wurden und das Training im Laguna wieder anfing, war eigentlich alles beim Alten“, erinnert sich Reuter. Und schwupp habe man eine Mannschaft in der Bezirksliga gemeldet.

Dass die Routiniers nichts verlernt hatten, sondern weiter die Teams aus Heidelberg, Durlach und Freiburg das Fürchten lehrten, zeigt der Blick auf die Saisonstatistik. Gleich vier Weiler Cracks stehen da in der Torschützenliste ganz oben. Auf Rang eins warf sich Markus Florian, der in sechs Spielen 25-mal ins Schwarze traf. Jürgen Wittner netzte 17-mal ein, Nils Hofmann und Pio Reuter folgten mit 16 Treffern, wobei Hofmann diese Ausbeute in fünf Begegnungen gelang.

Und nun? Steigen die Jungs auch in der kommenden Runde wieder ins Wasser. „Wir wissen noch nicht genau, ob und wie es weiter geht. Klar ist nur, dass wir nicht für die Verbandsliga melden werden. „Wir wissen ja noch nicht, wer und ob jemand aufhört. Wir werden jetzt erst einmal die Sommerferien abwarten, darüber schlafen und vermutlich Mitte, Ende August die Entscheidung fällen“, erklärt Reuter. Die Chancen, so braucht man nun wirklich kein Prophet zu sein, stehen nicht schlecht. Denn die Rolling Stones gibt es ja auch immer noch. Stichwort: Leidenschaft.

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