Sportmix Um halb sechs geht’s schon ins Wasser

„Mit diesem riesen, riesen Leistungssprung habe ich selbst nicht gerechnet“: Fabian Löwe ist erfrischend ehrlich. Und auf dem Sprung. Es geht über den Teich. Zurück in die USA, wo er mit einem Sportstipendium an der Melone University in Canton, Ohio, studiert und schwimmt.

Von Mirko Bähr

Weilheim/Grenzach. Und so wird es vorerst nichts mit einem Auftritt bei den Deutschen Meisterschaften. Für die hat er sich unlängst qualifiziert. Und das mit Jahresbestleistung über 50 Meter Brust. In Recklinghausen bei einem Schwimmmeeting stoppte die Uhr bei 28,69 Sekunden. So schnell war in Deutschland heuer noch keiner.

Die Koffer sind schon gepackt, als wir den 21-Jährigen zuhause in Bannholz erwischen. Im Weilheimer Stadtteil hat der 21-Jährige die vergangenen drei Monaten verbracht. Von dort ging es regelmäßig ins Freibad nach Zurzach und auch zweimal nach Grenzach, wo er unter der Aufsicht der Trainer seine Bahnen zog. Das indes ist kein Vergleich zu dem Pensum, das Löwe ab nächster Woche in Ohio absolviert.

Da geht er bis auf den freien Sonntag zweimal täglich ins Becken, um 5.30 Uhr und um 17 Uhr, dazu steht noch dreimal wöchentlich Krafttraining auf dem Plan. „Ich freue mich auf das professionelle Training und die Wettkämpfe. Ich bin gut in Form und extrem motiviert. Ich vermisse meine Freunde und Kollegen, da ist etwas zusammengewachsen. Im Sommer war ich meist alleine im Wasser.“ Die Vorfreude Löwes ist riesig.

Denn neben der gemeinsamen Leidenschaft fürs Schwimmen, trifft sich das Team sonntags gerne mal zum Fußballspielen oder zum Match an der Konsole.

Neben den zig anstrengenden Einheiten im kühlen Nass gilt es die Schule zu absolvieren. „Die Tage sind extrem durchgetaktet“, erklärt der Sportclub-Fan. Zwei von wahrscheinlich fünf Uni-Jahren in Canton hat er schon hinter sich. Am Ende soll es beruflich in Richtung Bio/Chemie gehen. Und wohl auch wieder zurück nach Deutschland. „Bei dieser Fachrichtung bietet sich ja Basel an“, meint Löwe, der von einer „ziemlichen guten Entscheidung“ spricht, wenn er auf den Entschluss zu sprechen kommt, das Sportstipendium an der Melone University anzunehmen.

Technik verbessert, Ernährung umgestellt

Gerade im Becken macht sich der Aufwand bezahlbar. „Es ging immer weiter bergauf, das verraten mir die Zeiten. Dafür bin ich vor allem meiner Trainerin Peggy Ewald dankbar. Ich schwimme effizienter“, weiß Löwe, wem er die Leistungsexplosion zu verdanken hat. Regelmäßiges und hartes Training sind das eine. „Sie hat mich an die Hand genommen, zwei, drei kleine technische Dinge verändert, und wir haben die Ernährung umgestellt. Ich esse kaum noch Kohlenhydrate.“

Im ersten Jahr an der Uni habe er sich etwas gehen lassen, grinst er. Aber nun, einige Monate später und sieben bis acht Kilo leichter, sei das Verhältnis von Gewicht und Kraft ideal. „Ein weiterer Schlüssel ist genug Schlaf“, sagt Löwe, der zwar, seit er fünf Jahre alt ist, schwimmt, aber lange viel lieber gegen das runde Leder trat. Beim SV Waldhaus kickte er bis zum Alter von 15 Jahren.

Zwei Jahre zuvor trainierte er aber schon regelmäßiger im Wasser. Erst beim Verein Neptun Waldshut, dann beim SSV Grenzach. „Meine Tante war schon Leistungsschwimmerin, meine Mama ist auch viel geschwommen“, erklärt Löwe, dass seine Leidenschaft für diese durchaus komplexe Sportart ihm wohl quasi in die Wiege gelegt wurde.

Unter dem Grenzacher Coach Paul Draeger ging es schnell in die gewünschte Richtung. „Ende 2015 standen noch ’Geht-so’-Bestzeiten, 2017 war ich dann schon bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften dabei“, erinnert sich der 21-Jährige. „Paul hat mir sehr dabei geholfen.“

2019 dann die Entscheidung, in die USA zu gehen. „Geschenkt bekommt man solch ein Stipendium nicht, da braucht man gewisse Bestzeiten und auch schulisch ein entsprechendes Niveau“, so Löwe, für den es am Montag mit der Schule und eine Woche später wieder mit dem Schwimmtraining losgeht.

Eigentlich sollten sich Nachwuchsschwimmer nicht zu früh auf eine Lage konzentrieren. Weil Löwe aber erst 2015 und damit relativ spät ins Leistungsschwimmen eingestiegen ist und für diese Tatsache schon gute Zeiten auf die Uhr brachte, kam schnell die Konzentration auf die Bruststrecken. „Die 50 und 100 Meter sind meine Top-Strecken, die 200 Meter sind ganz okay. Ein Kraulschwimmer wird aber nicht mehr aus mir“, beschreibt Löwe seine Fähigkeiten.

Brustschwimmen braucht brutale Willensstärke

Ausgerechnet Brust. „Da ist man immer der Langsamste im Training“, grinst der Weilheimer. „Da braucht es eine brutale Willensstärke, jedes Training, jeden Wettkampf volle Power durchzuziehen. Das ist sehr anstrengend und hart.“ Eigentlich untypisch für Löwe. Zumindest für den Löwe früherer Zeiten. Denn: „Ich war früher eher der Faule, der Letzte, der ins Wasser sprang“, blickt er zurück. Nun aber sei das Gegenteil der Fall. „Das ist dann wohl ein weiterer Faktor dafür, dass ich mich so steigern konnte.“

Wenn er an die tollen Zeiten und die DM-Qualifikation denkt, dann geht sein Blick auch immer wieder zurück an die Anfänge. Als er als 15-Jähriger eineinhalb Stunden im Zug saß, um nach Grenzach ins Training zu fahren. Damals hatte ich keinen Führerschein. Aber meine Eltern haben mich immer unterstützt. Das war echt super“, so Löwe, der damals nicht im Traum daran dachte, einmal mit den besten deutschen Schwimmern um den Titel zu fighten. „Das war als Jugendlicher ganz weit weg.“ Und so sei eine Qualifikation für die DM, die er schon einige Male geschafft hat, noch immer keine Selbstverständlichkeit. „Das bedeutet mir sehr viel, schade, dass ich dieses Mal nicht dabei sein kann.“

Und das, obwohl die Zeit, die er in Recklinghausen auf die Anzeigetafel brachte, die beste des Jahres war und er damit zu den Titelfavoriten über 50 Meter Brust gezählt hätte. Zwar, so sagt er, hätten bis zur DM ein paar Cracks diese Zeit sicherlich noch geknackt, allerdings sei bei ihm auch noch Luft nach oben gewesen. So sei das Becken in Recklinghausen nicht perfekt gewesen, und Konkurrenz habe es auch nicht gegeben.

Aber Trübsal bläst Löwe wegen des Startverzichts nicht. Im Gegenteil. Er schaut nach vorn. „Ich fühle mich nicht so, als habe ich nichts mehr im Tank. Da geht noch ein paar Jahre was“, lässt er wissen und hofft, sich weiter steigern zu können. Denn natürlich gebe es Punkte, die es zu verbessern gilt: „Bei der Wende und bei den Tauchzügen ist noch viel Luft nach oben.“

Der Richtwert sind die 28,69 Sekunden. Daran wird er gemessen. Daran misst auch er sich selbst. Geht da vielleicht die Leichtigkeit flöten? Löwe glaubt nicht. „Ich habe noch immer richtig Spaß dabei, auch wenn es jetzt den Druck gibt, abliefern zu müssen.“

Und sicherlich sei es auch nicht immer berauschend, wenn man um 5.30 Uhr ins Wasser springen müsse. „Da habe ich schon mal schlechte Laune ab und an, aber nach zehn Minuten sieht es dann schon wieder anders aus.“

  • Bewertung
    1

Umfrage

reg_0210_Impfung_dpa_Christoph_Soeder

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hal vorgeschlagen, die „epidemische Notlage von nationaler Tragweite“ Ende November zu beenden. Was halten Sie davon? 

Ergebnis anzeigen
loading