Sportmix Zurück für die Zukunft

Pio Reuter und die SSG Weil machen einen Rückzieher, um weiter voranzukommen. Foto: Grant Hubbs

Weil am Rhein - Mit offenem Mund habe er die Mail des Staffelleiters gelesen, kann sich Pio Reuter, der Spielertrainer der SSG Weil, noch ganz genau erinnern. Einen Tag vor dem Match der Wasserballer beim VfL Kirchheim sagte der Gegner aufgrund von Personalproblemen die Partie ab.

Mit den Begegnungen in Kirchheim und dann bei der SSG Reutlingen/Tübingen wäre am vergangenen Wochenende die Saison zu Ende gegangen. Doch nichts da. Diese überraschende Absage wirbelte nicht nur den SSG-Reiseplan durcheinander, sie sorgte auch für erhebliches Kopfzerbrechen. Statt den 10:0-Erfolg am grünen Tisch zu bejubeln, stellten sich sofort Reuters Nackenhaare auf.

Der Grund: Die besten zwei Verbandsliga-Mannschaften müssen am Ende der Saison den Weg in die Oberliga antreten. „Der Aufstieg wäre ein Unfall für uns. Und ist schon länger für uns kein Thema“, ist Reuter ehrlich. Mehrere Akteure sind über 50 Jahre alt, vor allem aber sind nun endlich zwei, drei Nachwuchsspieler „schwimmerisch“ so weit, bei den Aktiven ins Becken zu steigen. „Sie haben das Niveau einfach noch nicht. Die Oberliga wäre nicht die richtige Spielwiese für die Jungs gewesen, um in den Aktivbereich reinzufinden.“

Aber nicht nur die SSG fühlt sich in der Verbandsliga, die sehr ausgeglichen daherkommt, pudelwohl, auch die anderen Teams haben keinerlei Interesse, eine Etage höher zu klettern. Dasselbe gelte wohl auch für Kirchheim, glaubt Reuter. Obwohl er dem VfL nichts unterstellen wolle, sei es doch etwas verwunderlich, dass Kirchheim zwei Tage vor dem Match gegen die Weiler noch mit einem 13-Mann-Kader den direkten Konkurrenten SV 04 Heidenheim mit 21:8 aus dem Wasser fegte, um dann das Duell gegen die SSG wegen Personalmangels abzusagen.

Nun war also guter Rat teuer. Bei der SSG schrillten die Alarmglocken. Der Rang hinter Meister PSV Stuttgart II durfte am Ende keinesfalls belegt werden. „So waren wir gezwungen, unser Team vor dem letzten Spieltag zurückzuziehen“, erklärt Reuter. Es habe keine andere Alternative gegeben, auch wenn dieser Rückzug zwei Spieltage vor dem Ende nun auch die Rückstufung in die Bezirksliga nach sich zieht. Dazu gibt es eine Strafe. „Die bezahlt das Team“, sagt Reuter, der damit auch nicht mehr den Kampf um die Torjägerkrone zu Ende bringen konnte.

Die Zukunft des Wasserballs im Blick

„Das ist schon alles makaber“, sagt Reuter, doch der Rückzug sei alternativlos. „Wir müssen in die Zukunft schauen, nur so können wir unseren Spielbetrieb hier in Weil aufrechterhalten.“ Vier SSG-Wasserballer haben bereits 50 oder mehr Lenze auf dem Buckel, zwei werden nun wohl die Badekappe an den Nagel hängen. Dazu komme noch die Vereinbarkeit mit Familie und Beruf. „Da tritt der Sport in den Hintergrund“, macht Reuter klar, der selbst seit kurzer Zeit nun zweifacher Papa ist. „Wir schaffen es einfach nicht, mehrmals pro Woche zu trainieren. In der Verbandsliga konnten wir nur mithalten, weil wir doch Routine und individuelle Klasse aufweisen.“

Dass in der Oberliga ein ganz anderer Wind weht, schließlich schicken Bundesligateams hier auch ihre talentierten Nachwuchsakteure ins Rennen, hat die SSG schon einmal am eigenen Leib zu spüren bekommen. „Da gibt es eine Zwei-Klassen-Gesellschaft“, weiß Reuter. Pleiten, die dann 3:35 ausfallen, könne es durchaus hageln. „ In der Verbandsliga war alles knapp und fair. Da will niemand weg.“

„Das große Problem ist, dass es zwischen der 2. Bundesliga und der Oberliga keine Spielklasse dazwischen gibt“, erklärt Reuter. „Das würde das Niveau etwas abfedern.“ Und so hätte kaum eine Mannschaft das Interesse, aufzusteigen. Ganz nebenbei würden in dieser Liga dann auch die Strafen für das Nichtmelden einer Jugendmannschaft steigen. Da müsse sich der Verband nun so seine Gedanken machen.

Die Weiler Partien wurden nach dem Rückzug allesamt aus der Wertung genommen, die SSG ans Ende der Tabelle gesetzt. Damit wird es im Sportbecken des Laguna in der kommenden Runde Bezirksliga-Wasserball geben. „Hier können sich die Nachwuchsspieler perfekt beweisen und uns Ältere auf die Bank verbannen.“

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