Backbone (englisch für Rückgrat, Hauptstrang, Basisnetz) bezeichnet einen verbindenden Kernbereich eines Telekommunikationsnetzes mit sehr hohen Datenübertragungsraten, der meist aus einem Glasfasernetz sowie satellitengestützten Kommunikationselementen besteht.Quelle: Wikipedia

Von Harald Pflüger

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Steinen. Schnelles Internet für alle: Bis zum Jahr 2018 soll jeder Landkreisbewohner mit bis zu 50 Mbit/s auf der Datenautobahn unterwegs sein. Paul Kempf, Breitbandexperte des Landratsamts Lörrach, informierte diese Woche im Bau- und Umweltausschuss über die Breitbandversorgungspläne für Steinen. Er tat dies zum Bedauern von Bauamtsleiter Dietmar Thurn vor wenigen Zuhörern.

Die Datenautobahn ist vor allem für Bewohner im ländlichen Raum noch ein Feldweg. Bei einer Downloadgeschwindigkeit von 375 KBit/s wird das Surfen zur Geduldsprobe. Das Ziel der Bundesregierung ist es, dass mittels eines effizienten Technologiemix eine flächendeckende Breitbandinfrastruktur mit einer Downloadgeschwindigkeit von mindestens 50 Mbit/s bis 2018 entsteht. Dann heißt es endgültig Abschied nehmen vom Ladebalken, der sich je nach Ort oft nur quälend langsam bewegt.

Die Versorgungslage

Während die Breitbandversorgung in Steinen gut ist, wie überall dort, wo Telekom und Kabel BW konkurrieren, ist sie in Hägelberg, Höllstein und Hüsingen verbesserungswürdig. Handlungsbedarf  sieht Kempf vor allem in den Wäldergemeinden Endenburg, Schlächtenhaus und Weitenau, wo man sich derzeit mittels DSL per Funkverbindung behilft. Einen Sonderfall bildet Hägelberg, weil dort im Zuge der Nahwärmeversorgung bereits Glasfaserkabel verlegt worden sind. Sobald der Ortsteil an das Backbone-Netz (siehe Kurzinfo) angeschlossen ist, könnte dort mit Lichtgeschwindigkeit gesurft werden.

Die Technik

Über das so genannte Backbonenetz soll jeder Ortsteil bis zu einem Übergabepunkt an das Glasfasernetz angeschlossen werden. Für Steinen sind sieben solcher Übergabepunkte vorgesehen. Hinzu kommen zehn so genannte Ausstiegspunkte für die Weiterleitung der Daten zu den Endkunden.

Glasfaser und Kupfer

In den meisten Fällen sind Glasfasernetze bisher nicht bis zu Privatkunden und Firmen gelegt, sondern bilden quasi das Rückgrat (Backbone) der Kommunikationsnetze, deren „letzte Meile“ dann meist die schon vorhandenen Telefon-Kupfer-Doppeladern oder Koaxialkabel sind. Der Vorteil von Glasfaser gegenüber Kupfer ist, dass aufgrund einer fehlenden physikalischen Dämpfung die Daten sehr viel schneller durchgeleitet werden können. Die maximale Bandbreite wird also höchstens von den Endgeräten begrenzt. Das ist beim Kupferkabel anders. „Je länger die Kupferstrecke ist, desto weniger kommt im Haushalt an“, so Kempf: „Alles über 500 Meter ist schwierig.“

Priorität

Vorrang haben laut Paul Kempf beim Ausbau des Breitbandnetzes im Kernort Steinen die Gewerbegebiete und die unterversorgten Ortsteile. In einer ersten Phase bis 2018 sollen Geschwindigkeiten von bis zu 50 Mbit/s möglich sein Ziel des Landkreises ist es, bis zum Jahr 2030 alle Häuser ans Glasfasernetz anzuschließen (im Fachjargon FTTB: Fibre-to-the-Building - Glasfaser bis ins Haus). Dann könnte quasi mit Lichtgeschwindigkeit gesurft werden - wenn es bis dahin die entsprechenden Computer gibt.

Der Zweckverband

Um die Breitbandversorgung voranzutreiben, will der Landkreis Lörrach mit 35 Gemeinden einen Zweckverband gründen, in dem die Interessen der Kommunen gebündelt werden. Die Gründung des Zweckverbands soll am 18. September erfolgen. Zur Anschubfinanzierung sollen die Gemeinden jeweils 5000 Euro und der Landkreis 75 000 Euro investieren. Langfristig gesehen soll sich das Vorhaben über die Netz-Pacht amortisieren.

Die Betreiber

Als Netzbetreiber werden laut Paul Kempf die großen Anbieter wie Telekom, Kabel BW, O2 oder Vodafone außen vor bleiben. Infrage kämen laut dem Breitbandexperten beispielsweise Energieversorger. Angestrebt wird ein einziger Betreiber für das gesamte Backbonenetz des Landkreises; der Zuschlag erfolgt nach einer Ausschreibung.

Die Kosten

Ausgebaut wird das Backbonenetz vom Landkreis Lörrach, die Kommunen sind für den Ausbau der Ortsnetze zuständig, wobei es vom Land erhebliche Zuschüsse gibt. Die Gesamtkosten werden sich für Steinen bis zum Jahr 2030 auf 10,5 Millionen Euro belaufen; davon entfallen 2,3 Millionen Euro auf den Zeitraum bis 2018. Weil Steinen zur Randzone des Verdichtungsraums gehört, setzt Paul Kempf auf den so genannten Schwarzwaldparagrafen, der bis zu 90 Prozent Förderung verspricht. Auf die Haushalte kommen dann noch Kosten für die letzten Meter von der Grundstücksgrenze bis ins Haus zu, neben den monatlichen Kosten für die Netznutzung. Hier rechnet Paul Kempf aufgrund des Wettbewerbs mit „marktüblichen Preisen“.