Steinen Baukosten sind deutlich gestiegen

Eines der beiden Betriebsgebäude der Regenwasserbehandlung in Maulburg. Es steht auf dem Parkplatz des Edeka-Markts.   Foto: Christoph Schennen Foto: Markgräfler Tagblatt

Harald Güthler hat in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats eine abschließende Kostenerläuterung zur Regenwasserbehandlung in Maulburg gegeben. Dies geschah vor dem Hintergrund, dass der Gemeinderat noch einer Nachtragsforderung einer Stuttgarter Firma in Höhe von 77 566 Euro zuzustimmen hatte. Mit dieser zusätzlichen Zahlung ist das Projekt dann aber abgeschlossen, versicherte Angela Gimpel vom Bauamt.

Von Christoph Schennen

Maulburg. Ursprünglich war vor fast zehn Jahren geplant, für 3,28 Millionen Euro (Baukosten) ein Regenklärbecken zu bauen. Das sah der Generalentwässerungsplan vor. Der Gemeinderat entschied sich jedoch mehrheitlich für eine innovative Lösung mit effektiverer Reinigungswirkung, die zudem eine Million Euro günstiger werden sollte.

Für diese Lösung mit Speicherkaskaden und Lamellenabscheider gab es zwei Varianten. Für Variante 0 wurden laut Güthler Baukosten in Höhe von 2,28 Millionen Euro, für Variante 1 Baukosten In Höhe von 1,29 Millionen Euro veranschlagt (jeweils im Jahr 2013). Heute würde die konventionelle Lösung mit Baukosten von mindestens 4,346 Millionen Euro zu Buche schlagen, Vari­ante 0 der innovativen Lösung würde heute fast vier Millionen Euro und Variante 1 der innovativen Lösung 1,864 Millionen Euro kosten (jeweils Baukosten).

Zwischen 2018 und 2021 stiegen die Baukosten der letztlich realisierten innovativen Lösung um eine halbe Million, und es entstanden Nebenkosten in Höhe von 568 110 Euro (Leistungen und Gebühren plus Honorarkosten), so dass sich die Gesamtinvestitionskosten mittlerweile auf einen Betrag von über vier Millionen Euro summieren. Rechnet man die Nebenkosten heraus, liegt man damit um 845 000 Euro unter den Baukosten der konventionellen Lösung, rechnete Güthler aus.

Komplexe Ausrüstungen

Der mit der Planung beauftragte Ingenieur begründete die im Laufe der Jahre entstandenen Kostensteigerungen mit den komplexen technischen Ausrüstungen, die zu den Nachträgen geführt hätten. Aus der Verwaltungsvorlage geht hervor, dass zum Beispiel für die verwendeten Pumpen einer hiesigen Firma spezielle Tanks notwendig waren und für deren Übereinanderpositionierung zusätzliche Gestelle benötigt wurden. Um den Feuchtigkeitsgehalt in der Anlage zu reduzieren, wurde eine Be- und Entlüftung eingebaut und mit einer speicherprogrammierbaren Steuerung versehen.

Die Hubvorrichtung für die Lamellenblöcke wurde geändert, weswegen verschiedene Bauteile (Führungsschienen, Kettenzüge für das Hebesystem und Sicherungsbolzen) angepasst werden mussten. Ferner wurden Tragkonsolen auf den Böden anstatt an den Stahlwänden des Betriebsgebäudes angebracht, und die Baustromerzeugung erfolgte über einen Generator, da noch kein Strom in den Betriebsgebäuden vorhanden war.

Erich Potschies (Freie Wähler) ließ das Projekt Revue passieren. „2015 hätten wir mit dem Regenklärbecken eine Standardlösung bekommen. Wir hatten aber die Chance, etwas Besseres zu bekommen. Wir haben uns für eine Lösung entschieden, die Potential hat“, fasste er die Entwicklung zusammen. Warum dauerte die Planungszeit fünf Jahre? „Wir haben viele Hürden in der Administration nehmen müssen“, stellte Potschies fest. Das Landratsamt habe den Weg nicht einfach gemacht.

Bürgermeister Jürgen Multner wies darauf hin, dass die naturnahe Regenwasserbehandlung damals ein „aggressives Wahlkampfthema“ gewesen sei. Ina Pietschmann (SPD) kommentierte die Kostenberechnung von Güthler mit den Worten, er habe die Kosten „schön gerechnet“.

Kurt Greiner (Freie Wähler) zog ein versöhnliches Fazit: „Der Gemeinderat hat entschieden, bei der Regenwasserbehandlung in eine neue Richtung zu gehen. Es ist daher geboten, Kritik am Gemeinderat zu üben.“ Wenn die Reinigungsleistung durch die innovative Lösung bedeutend höher liege als bei der konventionellen Lösung, sei es angebracht, Güthler auf die Schulter zu klopfen. Christian Leszkowski (SPD) kritisierte, dass der Kostenrahmen nicht eingehalten wurde. Mit einem Regenklärbecken hätte man bereits bis zu sechs Jahre früher eine Reinigungsleistung gehabt.

Der Nachtragsforderung in Höhe von 77 566 Euro wurde dann mehrheitlich zugestimmt, zwei Gemeinderäte lehnten sie ab, einer enthielt sich.

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