Steinen Café Stortz: Abschied fällt schwer

Das traditionsreiche Café Stortz am Cornimont-Platz wurde für immer geschlossen. Nach einem Umbau wird die Sparkasse Lörrach-Rheinfelden dort ihre Filiale eröffnen. Foto: Peter Ade

Steinen - Ein gutes Stück Steinen ist Geschichte. Das von vielen Einheimischen lieb gewonnene Café Stortz am Cornimont-Platz hat seine Türen nach über 50 Jahren geschlossen. Schweren Herzens haben Dieter und Andrea Stortz die traditionsreiche Konditorei samt Backstube aufgegeben. Nach einem im Gang befindlichen Umbau wird die örtliche Filiale der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden einziehen.

Es sei eine schöne Zeit gewesen, sagen Dieter Stortz und seine Frau Andrea, die am 22. November Konditorei und Backstube und damit auch das Café auf dem heimeligen Platz an der Eisenbahnstraße dicht gemacht haben. Der Konditormeister erinnert an schöne Feste und Feiern mit Kunden und Freunden und fügt hinzu: „Aber auch schwierige Momente haben wir gemeinsam durchgestanden mit vielen Höhen und Tiefen.“

Unterm Strich falle der Abschied schwer. „Wir haben ein gutes Jahr überlegt, wie die Zukunft aussehen könnte“, berichtet Stortz im Gespräch mit unserer Zeitung. Am liebsten wäre es dem Ehepaar gewesen, es hätte einen geeigneten Nachfolger für eine nahtlose Übergabe gefunden. „Doch leider Fehlanzeige“, bedauert der Konditormeister. Trotz intensiver Ausschau habe sich niemand angeboten.

Viele Kunden traurig

Die Nachricht der Schließung von Café und Konditorei wurde von der Kundschaft mit Bedauern aufgenommen. „Ein schönes Stück unserer Gemeinde geht verloren“, beklagt eine ältere Bürgerin und vermutet die andauernde Corona-Pandemie hinter dem Rückzug der Eheleute Stortz.

Dem widerspricht der Geschäftsmann deutlich: „Corona hat überhaupt keine Rolle gespielt.“ Vielmehr seien nicht zuletzt wirtschaftliche Zwänge ausschlaggebend gewesen. „Wir hätten für viel Geld umbauen, erneuern und moderneres Gerät anschaffen müssen“, begründet Stortz den wohl überlegten Entschluss und weist auch darauf hin, dass permanenter Arbeitsstress letztlich an die Gesundheit geht.

Dessen ungeachtet freut sich der Konditormeister über eine bewegte Zeit im Unternehmen, das zuletzt 14 Frauen und Männer beschäftigte: „Da steckt viel Herzblut drin“, erinnert er sich an „schaffige“ Jahre und lobt den Einsatz seiner Frau Andrea, die er einst als Mitarbeiterin des Geschäfts kennen und lieben lernte und die am Ende für das Café Stortz 35 Arbeitsjahre „auf dem Buckel“ hatte.

Im Betrieb aufgewachsen

Stortz selbst ist in dem Betrieb aufgewachsen und hat ihn mit aufgebaut. 1968 übernahm der zugereiste Vater Heinz Stortz mit seiner Frau Erika das Café Senn in der Kanderner Straße von dessen damaligem Pächter Hotz. Nach einiger Zeit entschloss er sich, in Steinen zu bleiben und erwarb das Café von der Familie Senn.

Im Rahmen der Ortskernsanierung zog der Betrieb 1988 an seinen heutigen Standort an der Eisenbahnstraße 7 (Cornimont-Platz). Dieter Stortz absolvierte unterdessen seine Lehre in der Confiserie Beschle in Basel. Danach zog es ihn in die Fremde, um neue fachliche Eindrücke zu bekommen. Er arbeitete auf Sylt, in München und in Heidelberg.

Nach erfolgreicher Prüfung kehrte der junge Meister 1996 in den heimischen Betrieb zurück, um fortan die Eltern tatkräftig zu unterstützen. Im Jahr 1999 übernahm er dann das Café in Pacht und erwarb es von seiner Stiefmutter nach dem Tod des Vaters, um es in der erfolgreichen Familientradition weiterzuführen.

Filiale der Sparkasse

Zukünftig wird die Sparkasse Lörrach-Rheinfelden die Räume des Cafés nutzen. Derzeit wird das komplette Erdgeschoss des Hauses für die Zwecke des Instituts umgestaltet (wir berichteten). Geplant ist neben dem Komplettumbau im Inneren die Neugestaltung des Eingangsbereichs mit Vordach und Werbeanlagen. Stellplätze gibt es in der Tiefgarage und hinter dem Gebäude.

Im Gemeinderat Steinen bedauerte Gabriele Kaiser-Bühler (CDU), dass unter der Schließung des traditionsreichen Cafés die Aufenthaltsqualität am Cornimont-Platz leiden könnte. Für Stortz könne eventuell das benachbarte Eiscafé mit ganzjähriger Öffnungszeit einspringen, regte Bürgermeister Gunther Braun daraufhin an.

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