Steinen Der „Baupfarrer“ sagt Goodbye

„Weil es so warm ist, trage ich heute meine Waldgottesdienst-Kluft“, entschuldigte sich Pfarrer Kai Thierbach, der seinen Abschiedsgottesdienst ohne Talar, aber mit tannengrüner Stola beging.

Steinen. Ab September wird Kai Thierbach eine deutsche Auslandsgemeinde in Bristol (Großbritannien) betreuen. Dafür hat sich der Seelsorger der evangelisch-lutherischen Gemeinde für sechs Jahre beurlauben lassen. Die in der Christuskirche coronabedingt erlaubten Plätze waren bald besetzt. Ute Engler hatte eine Lautsprecheranlage installiert, so dass Besucher auf den draußen bereitgestellten Stühlen den Gottesdienst verfolgen konnten.

Von der ersten Umzugsfuhre zurückgeblieben war das Teil eines Zeltgestänges, das Thierbach bei seiner Predigt zeigte. Das Zelt begleitete ihn stets. Auch seine vier Jungs und Ehefrau Helen Hughes lieben das Campen. „Zelte stehen für unterwegs sein, passen zu Gott. Auch die Stiftshütte war ein Zelt“, sagte Thierbach. Und die Christuskirche in Steinen, in der er zwölf Jahre lang Dienst tat, hat ebenfalls ein Zeltdach. Derzeit erhält das Gotteshaus ein Kupferdach, so wie es vor fast 60 Jahren geplant war, aber aus Kostengründen nicht realisiert wurde. „Der Architekt Olaf Andreas Gulbransson würde mit der Gemeinde hier sehr zufrieden sein“, ist Thierbach überzeugt. „Wir lassen Wichtiges und Wertvolles zurück. Die Gemeinschaft hier“, sagte der Pfarrer.

Christian Bereuther, Superintendent der evangelisch-lutherische Kirche in Baden, der aus Karlsruhe angereist kam, hörte, dass die Familie Thierbach mit der Räumung des Hauses „ausgegraben hat, was wir als Kinder vergraben haben“. Bereuther lebte als Kind mit seinen Geschwistern und Eltern im Pfarrhaus. Sein Vater Gerhard Bereuther war von 1953 bis 1990 Gemeindepfarrer. Thierbach werde als „Baupfarrer“ in die Gemeindegeschichte eingehen, sagte Bereuther. Thierbach habe viel zum Erhalt und zur Erneuerung der Gulbranssonkirche beigetragen. Für die Gemeinde werde eine neue Herausforderung kommen. Der Pfarrfamilie wünschte er in Bristol „genauso nette Leute wie hier in Steinen“.

Auch Bürgermeister Gunther Braun bedauerte den Abschied „Wir hatten immer einen fairen Austausch.“ Thierbach habe die Kunst und Kultur gefördert. Die Familie dürfe sich hier immer willkommen fühlen. Braun zeigte sich überzeugt, dass Thierbachs an ihrer neuen Wirkungsstelle Anschluss finden werden.

Kirchenvorstandsvorsitzender Simon Jördens verabschiedete den Pfarrer mit dem Hinweis, dass man sich nicht immer einig gewesen sei. Was bleibe, sei eine Gemeinschaft, die von ihm geprägt wurde. Die Mitglieder des Kirchenvorstands und alle Gemeindeglieder wünschten Thierbachs in der dortigen Gemeinde eine solch gute Gemeinschaft wie in Steinen.

Aus den Herzen vieler Gemeindeglieder sprach Christine Langen. Familie Thierbach habe in der Trauer um den allzu früh verstorbenen Vorgänger Wolf Quaßdorf (Pfarrer von 1990 bis 2005) das Gemeindeleben aus dem Tief heraus in eine neue lebendige Gemeinschaft geführt und dem verlassenen Pfarrhaus neues Leben eingehaucht.

Unvergesslich werden ihr die „Mosaikwochenenden“ mit den Konfirmanden bleiben. Langen ist überzeugt, dass Thierbachs mit ihrer Offenheit und Menschenfreundlichkeit ihre neue Umgebung zu einem besonderen Ort gelebten Christentums machen werden. Ein weiterer Gast dankte für die Taizé-Andachten.

Während der Suche nach einem Nachfolger werden Per Möckel und Simon Jördens als Prädikanten die Gottesdienste leiten. Einmal im Monat wird Superintendent Christian Bereuther nach Steinen kommen.

Da nach einem kurzem Regenschauer die Sonne wieder schien, konnte im Anschluss noch im Freien ein gemeinsamer Apéro genossen werden – zu Bluesmusik, gespielt von Doro Kant und Dieter Köp­nick.

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