Steinen Der beste Müll ist gar kein Müll

Frederike Magjar und Tina Praus von der Initiative „Plastikfrei in Küssaberg“ berichteten auf Einladung von „Steinen im Wandel“, wie sich im Alltag Plastik vermeiden lässt. Unser Bild zeigt die beiden Referentinnen (Mitte) mit Anette Maaßen-Boulton und Fritz Günther. Foto: Ines Bode Foto: Markgräfler Tagblatt

Vor rund einem halben Jahr starteten Tina Praus, Frederike Magjar und Mitstreiter das Experiment „Plastikfrei in Küssaberg“. Daraus wurde eine Initiative, die rasant wuchs, wie die beiden Wegbereiterinnen in der Grundschule in Steinen schilderten.

Von Ines Bode

Steinen. Was in der Fastenzeit mit dem Versuch begann, Plastik aus dem privaten Alltag zu verbannen, mündete darin, dass ihre Familien weniger Fleisch esse und mehr Geld in der Haushaltskasse sei.

Mit offenen Augen gehe man jetzt nicht nur durch Läden, sondern durchs Leben, erklärte das Duo. Man denke über den Unsinn von Trocknern nach, fand auf der Suche nach Alternativen Zahnbürsten aus Holz und entdeckte die gute alte Kernseife. Damit werden Fensterrahmen strahlend weiß und lassen sich Fettflecke aus Kinderkleidung entfernen, versicherten die Mütter.

Mit Stoffbeuteln und -taschen ausgerüstet, kaufen sie Brot und Gemüse. Ein Bio-Landwirt sei so begeistert gewesen, dass er sich den Küssaberger Pionierinnen angeschlossen habe.

Räte mit im Boot

Die Frauen waren erstaunt, sich nach relativ kurzer Zeit in Steinen in der Rolle von Referentinnen zu sehen.

Begrüßt wurden die Gäste in der Grundschulaula von Anette Maaßen-Boulton und Fritz Günther von der Initiative „Steinen im Wandel“.

Mit im Boot sitzt in Küssaberg ein renommierter Personenkreis, darunter Gemeinderäte, Mitglieder der Kirchengemeinde und aufgeschlossene Menschen. Ihr Metzger lege wie selbstverständlich die Wurst in die mitgebrachte Dose. Ganz ohne Plastik gehe es nicht, meinten sie, aber Gefäße ersetzen unzählige Meter an Folie. Bekanntlich zersetzt sich Plastik erst nach 200 bis 300 Jahren.

Kein Problem an der Kasse haben die Frauen mit einem Korb voller Gemüse, wenn die Bons der Waage säuberlich am Korbrand kleben: „Man wächst mit seinen Einkäufen.“. Entdecke sie wenig Ware in großer Verpackung, melde sie das dem Hersteller, so Praus.

Bilder zeigten Plastikmüll-Teppiche, die das Meerwasser über Quadratkilometer hinweg bedecken. Auch Fotos aus dem malerischen Küssaberg sollten wach rütteln: Ausflügler lassen ihren Müll zurück, verschwenden keinen Gedanken daran, wer den Dreck wegräume, monierte Praus. Zudem würden Hunde und Katzen angezogen, die unweigerlich Plastik verschlucken. Die größte Gefahr lauere im Wasser, lautete die Warnung der beiden Frauen.

Die Meere und Flüsse, darunter der Rhein, seien voll von Mikroplastik, der über die Fische in die Nahrungskette gelange. Ähnlich verhalte es sich mit Kosmetikprodukten, die Partikel enthalten. Sogar der Reifenabrieb der zigtausend Lastwagen, „die täglich unsere Online-Bestellungen transportieren“, gelange letztlich in den Wasserkreislauf. Selbst wenn die Deutschen Meister in der Abfalltrennung seien – so seien sie ebenso europaweit Meister im Plastikverbrauch. „Wir liegen auf Platz eins.“

10 000 Menschen beteiligten sich derzeit an der Aufräumaktion namens „Rhine Cleanup“, befreiten das Rheinufer von Müll, darunter haufenweise Plastik, berichteten die Frauen.

Tipp: Müll vermeiden

In einem nächsten Schritt möchten die Küssabergerinnen in Schulen gehen, kündigte Magjar an. Abschließend erzählten sie, dass die Weltmüllkippe in China im Januar dicht gemacht habe. 2016 gingen etwa 560 000 Tonnen an deutschem Alt-Plastik nach China. Wie eine einfache Lösung des Plastikproblems aussieht? „Der beste Müll ist jener, der gar nicht erst verursacht wird.“

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