Steinen - Musiker gilt als Traumberuf vieler Jugendlicher, und mit der Zahl musikalischer TV-Formate wächst die Zahl jener, die sagen: „Ich sehe mich auf der Bühne“.

Aber wie sieht die Wirklichkeit aus? Genügt es, eine Begabung zu haben, singen zu können, ein Instrument zu beherrschen – gar alles zusammen? Ingo Ganter von der Musikschule Mittleres Wiesental mit Sitz in Steinen lebt diesen sogenannten Traum. Die Bühne ist sein zweites Zuhause. Seiner Erfahrung nach gehe es vor allem ums „Durchhalten“. Denn wollen allein genügt nicht. Hinzu komme, dass man enorm viel Zeit aufbringen müsse, sagt Ganter. In einem gelungenen Auftritt steckt weit mehr als gleich erkennbar. Und während Berufsanwärter heute Singer-Songwriter Shawn Mendes nacheifern oder sich für den Lederhosen-Pop von Andreas Gabalier begeistern, war es bei Ingo Ganter damals die Blasmusik, wie sie Musikvereine und Musikschulen bevorzugen.

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Studium der Umwelt- und Verfahrenstechnik

Als Kind rutschte der Mann vom Kaiserstuhl in diese Welt hinein, „spielte sich hoch“ ins Verbandsjugend-Blasorchester, eiferte Vater Arnold nach, der seine Söhne animierte, ein Instrument zu spielen. „Der Unterricht hat mir Spaß gemacht, ich habe stundenlang geübt.“ Gleichwohl kam ihm der Gedanke, daraus einen Beruf zu machen erst im Erwachsenenalter. Folglich war der berühmte Satz „Junge, lern‘ erst mal was Anständiges“ schlicht überflüssig. Ganter interessierte sich als Schüler für Mathe und Physik. Das mündete im „anständigen“ Studium für Umwelt und Verfahrenstechnik. Die Musik blieb jedoch sein Begleiter, bis hin zum Abschluss als „Staatlich geprüfter Wirtschaftsassistent“.

Ausbildung zum Profimusiker in Freiburg und Basel

Was folgen sollte, war der „Staatlich anerkannte Profimusiker im jazz- und popular-musikalischen Bereich mit dem Hauptfach Trompete“. Da hatte Ganter den technischen Kosmos jedoch schon lange verlassen. Die Neuausrichtung kam mit der Erkenntnis: „Mein Tag war zu kurz“ (womit man wieder beim Zeitfaktor wäre). Um die Sache fundiert anzugehen, nahm er erneut ein Studium auf. Er besuchte die „Jazz & Rock Schule Freiburg“, gewann ein einjähriges Stipendium, wechselte anschließend zur Musikakademie Basel und absolvierte zurück in Freiburg am „International Music College“ den Abschluss. Nahezu jedes Blechblasinstrument beherrscht er heute, sagt er, darunter das australische Didgeridoo (übrigens wegen der dunklen Töne prima für Techno geeignet).

Wer Ganter erlebt, etwa als engagierten Leiter und Bläser in der „Integrierten Band“ der Musikschule, der erlebt auch seine große Freude am Tun. In der „Integrativen Band“ spielen auch Zöglinge mit einer Behinderung. Speziell für dieses Orchester, eine coole Runde, wirbt er gern.

Ganter beherrscht alle Blechblasinstrumente und das Didgeridoo

Seit 15 Jahren gehört Ganter zu den Lehrern der Musikschule. Sein Alltag ist bestimmt von festen Jobs, etwa als Ausbilder in Musikvereinen. Man kennt ihn mittlerweile in Maulburg, Raitbach und Höllstein ebenso wie in Utzenfeld, Schopfheim und in der Schweiz. Am Basler Musical-Theater war er für „Hair“ gebucht, denn auch aus Gastauftritten besteht sein Leben. Als Profi-Musiker empfiehlt sich eben „Ja“ statt „Nein“ zu sagen. Auftritte führten nach Monaco, Frankreich, Mazedonien; im Rahmen einer Konzertreise lernte er die Bühnen Finnlands kennen. Der Frage, ob ihm die Zeit bleibe, zu seinen geliebten Instrumenten zu greifen, folgt erneut das „Ja“. Einer Bigband gehöre er als Lead- und Solotrompeter an, hinzu kommen Konzerte an Feiertagen wie Weihnachten. Wenn andere sich einen lässigen Couchtag gönnen, steht der Musiker auf der Bühne – so sieht er eben aus, der fleißige und flexible Alltag der Profis.