Steinen Die Leiden durch Isolation beenden

Steinen  - Das Seniorenzentrum Mühlehof in Steinen hat das Bundesverfassungsgericht angerufen, um zu erreichen, dass geimpfte Senioren wieder gemeinsam in der hauseigenen Gastronomie, der „KaffeeMühle“, essen können. Über die Hintergründe dieser Verfassungsbeschwerde unterhielt sich unser Redakteur Peter Schwendele mit Mühlehof-Geschäftsführer Wolfram Uhl.

Frage: Sie kämpfen für eine Wiederöffnung des Gastronomiebetriebs im Seniorenzentrum Mühlehof, um den Bewohnern in der Corona-Pandemie wieder mehr Kontaktmöglichkeiten bieten zu können. Weshalb ist Ihnen dieser Schritt in Richtung Normalität so wichtig?

Ich kämpfe nicht, ich setze mich für die berechtigten Bedürfnisse der alten Menschen im Seniorenzentrum Mühlehof ein. Ich sehe mich als Fürsprecher. Mir ist es ein großes Anliegen, dass es unseren Bewohnenden gut geht. Wir erleben jeden Tag die Auswirkungen in unterschiedlichen Facetten. Die Leiden durch Isolation, und nichts anderes ist es für die Bewohnenden, erleben wir durch Vereinsamung, Depression, geistigen Abbau, Verwahrlosung. Sehr deutlich sind bei einzelnen Personen Abbauprozesse zu erkennen. Als Geschäftsführer war ich nicht mehr bereit, diese Situation hinzunehmen.

Frage: Sie haben für Ihr Anliegen beim Landratsamt Lörrach eine Ausnahme von verschiedenen Regeln der Corona-Verordnung beantragt und dazu ein Hygienekonzept entwickelt. Wie sieht dieses aus?

Die „KaffeeMühle“, die ja auch sowas wie das Wohnzimmer des Betreuten Wohnens ist, war vor Corona eine wichtige Begegnungsstätte und Bindeglied in das Dorfleben. Aktuell wollen wir nur die geimpften Bewohnenden aus der Wohnanlage in die „KaffeeMühle“ lassen, also auch nicht Menschen aus dem Pflegeheim. Die Service- und Betreuungskräfte in der „KaffeeMühle“ kennen alle Personen und können somit auch sicherstellen, wer Zutritt hat und wer nicht. Sollte es dennoch Probleme geben, dass sich jemand fremdes Zutritt verschaffen will, haben die Mitarbeitenden das Recht und die Pflicht, über alle internen Regelungen hinweg, direkt die Geschäftsführung zu kontaktieren.

Die Tische in der „KaffeeMühle“ stehen auf Abstand, die Plätze sind zugewiesen und selbstverständlich gelten alle Standardhygieneregeln wie Masketragen, bis man am Platz sitzt, oder auch die Händedesinfektion.

Frage: Reicht das für die Sicherheit in der derzeitigen Situation, in der viel von einer dritten Welle die Rede ist, aus? Anders gefragt: Wiegt ein etwaiges Restrisiko nicht schwerer als die aus der sozialen Isolation folgenden Risiken?

Ich befürchte eine dritte Welle, und halte Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie für richtig. Studien belegen, dass die Infektions- und Übertragungsgefahr sich bei geimpften Menschen erheblich reduziert. Die Mortalitätsrate bei Senioren ist seit Dezember/Januar, wo wir die Höhepunkte auch selbst erleben mussten, erheblich gesunken. In diesem Kontext wiegen für mich die Risiken durch die soziale Isolation erheblich schwerer.

Frage: Dass ein Bewohner des Mühlehofs als Nebenkläger auftritt, deutet darauf hin, dass Sie Rückendeckung für Ihren Kurs haben. Wie sieht grundsätzlich die Haltung der Bewohner des Mühlehofs zu der Thematik aus?

Die meisten Bewohnenden haben den sehnlichsten Wunsch, sich wieder in der „KaffeeMühle“ treffen zu können. Es gibt immer einzelne Personen, die das anders sehen. Wie schon vor Corona, bringen wir beispielsweise auch das Essen in die Wohnung. Keiner ist gezwungen, sich diesem Konzept zu unterwerfen.

Frage: Sie sind mit ihren Klagen bereits vor dem Verwaltungsgericht Freiburg und dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim gescheitert. Wie schätzen Sie die Erfolgschancen vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe ein?

Die Aussichten auf Erfolg beim Bundesverfassungsgericht liegen anscheinend bei drei Prozent. Das ist keine hohe Quote. Würden wir nicht an einen Erfolg glauben, würden wir diesen Weg auch nicht beschreiten.

Frage: Mit ihrem Anliegen haben Sie den Mühlehof aktuell auch überregional in die Schlagzeilen gebracht. Welche Signalwirkung könnte von dem bevorstehenden Urteil ausgehen?

Genau diese Fragen stellen mir auch Journalisten der nationalen Medien. Mein Auftrag liegt in der Fürsorge der Menschen im Seniorenzentrum Mühlehof und dafür stehe ich.

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