Steinen „Ein Projekt für alle Bürger“

„Die Menschen haben Mitspracherecht in allen Bereichen“: Georg Schenk, Patrick Scheuermann und Juliane Heyn-Best (von links) bringen die neue Demenz-WG auf den Weg.                                      Foto: Hans-Jürgen Hege Foto: Markgräfler Tagblatt

Ein Bauträger ist gefunden, die Finanzierung gesichert. Die Planung ist fertig, und vom Gemeinderat gab’s am Dienstag grünes Licht. Wenn nun noch das Landratsamt seinen Segen gibt, steht der Realisierung des nächsten WG-Projektes der Alzheimerinitiative Dreiländereck nach der „Villa Eckert“ in Weil am Rhein nichts mehr im Weg: ins „Gelbe Haus“ zieht wieder Leben ein.

Von Hans-Jürgen Hege

Steinen. Zwölf an Demenz erkrankte Menschen aus Steinen und Umgebung oder deren Angehörige bekommen als Mieter eines der zwölf Zimmer die Chance, mit vertrautem Mobiliar, eigenen Schlüsseln in (oder nahe) ihrer Heimatgemeinde in vertrautem Umfeld eigenständig und doch „rund-um-die-Uhr-betreut“ ihren Lebensabend zu verbringen, ohne auf ihre Familien und Freunde verzichten zu müssen.

Juliane Heyn-Best, Vorstandsmitglied der Dreiländereck-Initiative, hatte über das ihr zur Verfügung stehende „Netzwerk“ die Fühler ausgestreckt und in Patrick Scheuermann von der Wohnbau Steinen einen aufgeschlossenen Partner gefunden, der zusammen mit ihr und beraten von Georg Schenk als Geschäftsführer der Sozialstation Schopfheim bereit ist, soziales Engagement an den Tag zu legen.

„Wir möchten dieses Projekt angehen, dessen Realisierung auch hier in dieser Gemeinde wünschenswert ist“, versicherte Scheuermann beim Pressegespräch vor dem „Gelben Haus“, das bald als Schmuckstück im entstehenden Neubaugebiet „Alte Weberei“ gelten könnte.

Auf rund 450 Quadratmetern entstehen im ehemaligen Verwaltungsgebäude von „Quelle“ über zwei Etagen verteilt zwölf Zimmer samt Gemeinschaftseinrichtungen, natürlich offen, zum Schutz der kranken Mieter aber auch abgeschottet.

Nutz- und Ziergarten

Auf der Südseite des Gebäudes wird es eine große Terrasse geben, und im Bereich des Turbinenhauses neben den Autostellplätzen wird für die dementen WG-Mitglieder ein Nutz- und Ziergarten angelegt, der das ehrgeizige Projekt abrundet, in das die Wohnbau laut Patrick Scheuermann rund 2,5 Millionen Euro investieren will.

Neben den Räumlichkeiten für Demenzkranke werde es weitere fünf normale Wohnungen in den oberen Stockwerken geben. Die Kommunale Wohnbau trete als Vermieterin für alle in Erscheinung. Die an Demenz erkrankten Mieter allerdings bilden dann eine Gemeinschaft, merkte Georg Schenk an und wies darauf hin, dass diese in der WG „möglicherweise durch die Sozialstation unterstützt“ werden.

Zusätzlich stünden die Türen auch anderen Diensten offen, wenn sie denn in der Lage seien, die unbedingt notwendige 24-Stunden-Betreuung anzubieten. Der Pflegedienst sei von jedem Mieter frei wählbar.

„Wichtig für Steinen“ sei es, dass es sich „um ein Projekt für alle Bürger“ handle, betonte Juliane Heyn-Best. Die Menschen haben Mitspracherecht in allen Bereichen und sollen aktiv mitgestalten, sagte sie und versicherte, dass ehrenamtliches Engagement gewünscht und erforderlich sei. Helfer würden keinesfalls alleingelassen werden: „Die Alzheimerinitiative unterstützt und moderiert das im Rahmen ihrer Möglichkeiten.“

Demenz sei allerorten ein zunehmend großes Thema, sagte sie. Sie finde es ideal, in Steinen im neuen Wohngebiet demente Bürger mitten in der Gemeinschaft genau dort zu wissen, wo die Krankheit auch entstehe. Denn da gehörten die Menschen hin, konstatierte die Vertreterin der Alzheimerinitiative, die sich wie Georg Schenk freut, dass solche Projekte wie das in Steinen auch in Weil, Lörrach und dem übrigen großen, mittleren und Kleinen Wiesental spruchreif werden.

Kindergärten in der Nähe

Es werde Kindergärten im Umfeld solcher WGs geben und Gelegenheiten zu ehrenamtlicher Beschäftigung in der Nähe, kündigte Juliane ­Heyn-Best an und deutete an, dass es in dieser Richtung „noch viele große und tolle Gedanken gebe“. Viele Möglichkeiten stünden solchen und ähnlichen Projekten offen, waren sich die drei Projektverantwortlichen einig.

Mit dem Bau wird es noch in diesem Jahr losgehen, sagte Patrick Scheuermann. Wenn alles rund läuft, könnten Ende 2019 die ersten Mieter einziehen. Demente Mieter oder ihre Angehörigen könnten sich an den Tarifen orientieren, die in Pflegeheimen üblich sind.

Interessenten sollten sich schon jetzt oder zumindest frühzeitig mit Juliane Heyn-Best in Verbindung setzen. Sie ist per E-Mail an: info@alzheimerintiative.com oder über Tel. 07621/ 668 773 zu erreichen. Infos zum bereits erfolgreich laufenden Projekt in Weil (Villa Eckert) sind unter der Webadressehttp://www.alzheimerinitiative.com zu finden.

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