Steinen Eintauchen in andere Sphären

Allround-Blechbläser Dirk Amrein zaubert überraschende Ton-Schöpfungen. Foto: Gabriele Poppen Foto: Markgräfler Tagblatt

Eine schummrig-skurrile Atmosphäre in den halbunterirdischen Räumen des Wasserhüslis und anspruchsvolle Klänge aus den Blasinstrumenten, die von Musikkünstler Dirk Amrein aus Degerfelden virtuos zum Ausdruck gebracht wurden, boten ein akustisches Erlebnis der besonderen Art.

Steinen-Hägelberg (gpn). Zu dem musikalischen Geheimtipp hatten Figurenmacher „Johannn“ und Bildhauer Tilo Tscheulin am Samstag in ihr Kunstprojekt eingeladen. Harmonisch eingängige Melodien waren bei dieser Aufführung experimentierfreudiger Avantgarde-Musik nicht vorgesehen. Stattdessen erlebten die Besucher ein herausforderndes klanggewaltiges Konzert des studierten Profi-Musikers Dirk Amrein, umrahmt von den Kunstschöpfungen des Wasserhüslis.

Den Auftakt des Abends machte Amrein, der in bedeutenden Orchestern und unter weltberühmten Dirigenten wie Claudio Abbado gespielt hat, mit der Komposition „The up and down man“. Dieses Stück des deutschen Jazz-Posaunisten Albert Mangelsdorff und Lehrers wurde auf einer speziellen Doppelrohr-Posaune gespielt. Mangelsdorff ist bekannt für seine Technik, bei der auf dem Blasinstrument mehr als ein Ton gleichzeitig erzeugt wird. Auch die anderen Stücke des Abends waren gekennzeichnet durch diese Art des Spiels und von den dadurch neu entstehenden Resonanztönen.

Mit „Tracing eternity“ stand eine Welt-Uraufführung auf dem Programm. Dirk Amrein spielte auf der Posaune das Werk des Komponisten Zihua Tan. Es wurde, wie die beiden nachfolgenden, eigens für Dirk Amrein geschrieben. Der Musiker vermischte dabei das Spiel auf dem Instrument mit eingestreuten gesprochenen Elementen aus einem Werk von Friedrich Nietzsche.

Einen Ausflug in die Vogelwelt machten die Besucher dann mit der Komposition „Pour les oiseaux“ des in Lörrach lebenden Musikers Thomas Lauck, dessen Werke international mit Preisen ausgezeichnet wurden und der an diesem Abend auch unter den Gästen war. Amrein spielte es als einziges auf einem europäischen Sousaphon, mit zum Teil sehr leisen und langsamen Passagen und solchen, die an Flügelschlagen zu erinnern schienen. Während der Musik variierte der Künstler das Licht im Wasserhüsli, in dem es mitunter ganz dunkel wurde und die Klänge den ganzen Raum einnahmen.

Beim anschließenden „Ancient calling“ aus der Feder eines weiteren zeitgenössischen Komponisten Malaysias, Chong Kee Yong, interagierte das Posaunenspiel des Musikers spannungsvoll mit einem zeitgleich abgespielten Band und erforderte perfektes Timing und volle Konzentration. Den Ausklang unter einen virtuosen Abend setzte Amrein wieder mit der Doppelrohr-Posaune und dem groovig-bluesigen Stück „Ant stepped on an elephants toe“ von Mangelsdorff, sowie einer Zugabe, die er besonders Figurenmacher „Johannn“ widmete.

Viel Applaus gab es am Ende von den etwa dreißig Zuhörern für Dirk Amrein sowie für die Gastgeber Tilo Tscheulin und „Johannn“, die seit 2012 das Wasserhüsli als Ort der Inspiration gestalten und mit und Leben füllen.

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