Steinen Geimpft mit chinesischem Wirkstoff

Steinen. Von ihrer Arbeit unter Pandemie-Bedingungen auf den Philippinen berichtet Sabine Korth auch in ihrem jüngsten Brief. Die deutsche Krankenschwester leitet mit Veronica Tulipas in Bugko auf der Insel Nord-Samar das Mabuhay-Gesundheitszentrum, das vom Steinener Gemeinderat Roland Räuber bis zu dessen plötzlichem Tod unterstützt wurde.

Steinen. „Ihr hattet gerade meinen Brief in Händen, als hier am 20. April Taifun Bising mit Windgeschwindigkeiten von über 200 Stundenkilometer und viel Regen Nord- Samar streifte. Es war ein Kategorie-4-Sturm, und wir können froh sein, dass er nicht aufs Land aufschlug, sondern über die Philippine Sea nach Osten abzog. Der Taifun bewegte sich relativ langsam, so dass wir mit den ungeheuren Wassermassen und dem Wind zwei Tage kämpfen mussten. Wieder gab es Überschwemmungen und Zerstörungen an den leicht gebauten Häusern. Zudem fiel der Strom wieder vier Tage aus.

Die Klinik hatte keine größeren Schäden an den Gebäuden, nur der Garten war bis gut 1,20 Meter geflutet, ein Teil der Anpflanzungen wurde zerstört. So hatten wir diesmal alles in allem Glück, und auch in den umliegenden Dörfern lief die Hilfe schneller an als sonst. Das hatte schon mit den Wahlen im nächsten Jahr im Mai zu tun, da die Politiker schon jetzt anfangen, Stimmen zu sammeln, und eine Hilfe nach einem Taifun ist eine gute Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen.

Ganzes Team mittlerweile geimpft

Am 3. Mai wurde jeder im Team endlich geimpft. Leider wurde nur, wie befürchtet, der chinesische Impfstoff Sinovac angeboten. Ihr in Deutschland kennt ihn wahrscheinlich noch nicht einmal. Die Wirksamkeit wird mit nur 50 Prozent beschrieben, aber geimpft ist besser als nicht. Die Unsicherheit im Team war groß, aber am Ende konnten wir alle überzeugen.

Die Anzahl der Infizierten hatte zu dem Zeitpunkt in den Philippinen schon eine Million überschritten. Für die Insel Samar weiß man keine genauen Zahlen. In der Klinik können wir nicht testen, und daher schwingt ein wenig Unsicherheit immer mit, da die Patienten weiter aus der ganzen Provinz kommen.

Die wirklich gute Nachricht ist, dass regelmäßig Impfstoff eingeflogen wird und inzwischen neben Sinovac auch andere Impfstoffe zur Verfügung stehen.

Neben dem normalen Klinikbetrieb läuft das Ernährungsprogramm mit 76 Kindern weiter. Leider können immer noch keine Zahnärzte und Ärzte zu uns kommen, da immer noch keine Visa ausgestellt werden.

Kinder und Alte dürfen nicht aus dem Haus

Die Philippinen sind das Land mit der längsten Quarantäne der Welt, da wir seit März 2020 von einer Quarantäne-Verordnung in die andere gehen. Leider dürfen Kinder unter 18 Jahren und Senioren ab 60 Jahren immer noch nicht ihre Häuser verlassen. Das hat zur Folge, dass die Kinder weiter keine Schule haben, sondern sogenannte Module zu Hause ohne Anleitung ausfüllen. Die Senioren können weiter nicht in unsere Seniorenstätte kommen.

Die Patientenzahlen sind nun wieder hoch, und wir sehen bis zu 100 Patienten pro Tag. Leider sehen wir auch weiter viele Patienten mit sehr schweren Erkrankungen, da sie zu lange gewartet haben.

Gute Ernte trotz Taifun

Auch die Heilpflanzenproduktions- und Verarbeitungsstätte wird weiter betrieben, und die Nachfrage ist groß. Hier helfen nun auch schon die Kinder unserer Freiwilligen mit. Hier ist es möglich, dass sie rauskommen, da sie unsere direkten Nachbarn sind und sich über die Mauer schleichen können. Die Kinder sind froh, in die Farm zu kommen und zu helfen.

In der Farm konnten wir bisher trotz der Taifune eine gute Ernte erzielen, die uns auch in der eigenen Versorgung unterstützt. Neben Gemüse wie Bohnen, Auberginen, Kürbis usw. haben wir auch Obst wie Ananas und Papaya im Garten. Dazu täglich Eier von den Hühnern und aus dem eigenen Fischteich Fische, die hier einer Dorade entsprechen würden. Die vielen Aufbauarbeiten, Umstrukturierungen und Verbesserungen haben sich also bewährt. Alles ist frisch und kann täglich geerntet werden.

Im Juni kam der neue Generator. Wie im letzten Rundbrief erwähnt, gab es ja wegen der Pandemie Lieferverzögerungen. Der neue Generator mit 125 KVA ist riesig und musste über Kokosrollen in das neue Generatorhaus gebracht werden. Wir sind dem Hilfswerk der deutschen Zahnärzte sehr dankbar, dass dieses Projekt ermöglicht wurde, da wir nun die gesamte Klinikanlage mit Strom versorgen können.

Wegen immer häufiger und länger andauernden Stromausfällen war diese Anschaffung äußerst notwendig, und nun ist die Klinik gut versorgt.

Am 5. Juli machten wir uns auf den Weg nach Manila. Diesmal über den Landweg, was fast 24 Stunden Autofahrt bedeutete, aber die Flüge von Catarman nach Manila fallen ständig aus, zudem braucht man viele Bescheinigungen, um den Flughafen überhaupt nur zu betreten. Von Manila flogen wir am 11. Juli, auch mit Verzögerung und einigen Schwierigkeiten, nach Deutschland. Es war eine relativ kurzfristige Entscheidung, so dass wir auch kaum jemanden informiert hatten.

Besuch in Deutschland nach elf Jahren

Die Inzidenzzahlen in Deutschland waren zu dem Zeitpunkt relativ niedrig, und die Philippinen sind zwar als Risikogebiet eingestuft, gehören aber nicht zur Gruppe der Hochrisikoländer oder Varianten-Ländern. Der Zeitpunkt war also gut gewählt, und als alle Papierhürden genommen waren und der PCR-Test negativ ausgefallen war, ging der Flug ohne Probleme nach Frankfurt. Nach rund elf Jahren war die Freude groß.

Kaum gelandet, sahen wir hier von Ahrweiler, Bad Neuenahr und Meckenheim Bilder, die wir sonst nur von den Philippinen kennen. Eine Zerstörung immensen Ausmaßes, wie wir sie oft in den Philippinen gesehen haben, aber in Deutschland nie erwartet hätten. Der Klimawandel ist überall spürbar.

Die Rückreise gestaltete sich auch schwierig, da in der Zwischenzeit Manila, unser Anflughafen, in den totalen Lockdown ging und wir zu dem nördlicher gelegenen Flughafen in Clark umgeleitet wurden. Dort erwartete uns eine zehntägige Quarantäne, über die ich im nächsten Brief schreiben werde.

Täglich kommen neue Herausforderungen auf uns zu, aber im Team können wir sie bewältigen, da unsere Freiwilligen uns immer zur Seite sind. Ohne Eure Unterstützung wäre es nicht möglich.“

Eingetragener Verein zur Förderung medizinischer Versorgung und sozialen Betreuung in Nord Samar - Philippinen.

Spendenkonto: Mabuhay – Hilfe zum Leben e.V. Amtsgericht Bonn, Sparda Bank West eG Geschäftsstelle: VR 8364, An den Eichen, Konto-Nr. 3651274 53125, IBAN: DE203706 0590 0003 6512 74, BIC: GENODED1SPK, www.mabuhay-ev.de

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