Steinen „Ihr habt uns voll überzeugt“

Ein Teil der „schlagkräftigen Mannschaft“ mit Befürwortern im Jubiläumsjahr: (von links) Jürgen Rösch, Marlen Falkenberg, Anh Kruse, Thilo Merkt, Manfred Ruf, Claudia Nagorny-Merkt, Marcel Grüterich, Andreas Wörner, Walter Müller sowie Gabriele Kaiser-Bühler und Gunther Braun. Foto: Ines BodeTagblatt

Steinen-Hägelberg - Als sich vor zehn Jahren die Nachricht verbreitete, eine Gruppe Hägelberger wolle ihre Energieversorgung in die eigenen Hände nehmen, gar auf regenerative Art, hieß es, dass man „die Verrückten da oben“ stoppen müsse. Doch ungeachtet immenser Skepsis gründete sich die Genossenschaft „Energie aus Bürgerhand“ – und avancierte zum preis-dekorierten Erfolgsmodell.

Dieser Tage holte man den Fair-Way-Publikumspreis des SCs Freiburg, noch ein Grund mehr, die Jahreshauptversammlung am Freitagabend in der Waldschänke feierlich-gesellig ausklingen zu lassen. Zuvor zogen der Aufsichtsrat und der Vorstand eine positive Bilanz.

Rückblick

Was die Skeptiker von einst wohl geradezu entsetzt hätte, war die anfängliche Gesamtinvestitionssumme für das Nahwärmenetz von vier Millionen Euro. Ein Teil davon floss seitens jener Bürger, die in das innovative Modell privates Geld steckten. Der Gründerkreis indes war zuversichtlich, gewann 50 Genossenschaftler, deren Zahl auf 67 kletterte.

Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Rösch resümierte, man habe hohes Vertrauen erhalten, Großes geschaffen, könne folglich stolz sein. „Wir sind überregional anerkannt.“ Er erinnerte daran, dass man ohne Eigenkapital ans Werk ging, jedoch „vernünftige“ Strategien wählte. Es kam zu AGs, deren Handeln stetig hinterfragt wurde. Bis heute umgebe jeden Schritt die Frage nach dem Risiko. „Wir sind sehr professionell“. Jeder Mitstreiter der ersten Stunde entwickelte sich zur Fachkraft.

Von Beginn an befürwortete der frühere Ortsvorsteher Hans-Georg Koger das „Bio-Energiedorf“. „Der Start war eine schwere Zeit, Steinen war kritisch – milde ausgedrückt“, sagte er. Fragezeichen im Kopf hatte auch Ortschefin Gabriele Kaiser-Bühler, wie sie zugab, um dann den Pionieren Anerkennung zu zollen: „Ihr habt uns voll überzeugt.“

Zur Leistung von Gunther Braun, Bürgermeister und Aufsichtsratsmitglied, befand Rösch, dass dieser seinerzeit kluge Ideen beigesteuert, Verfahren und technische Geschicke begleitet und sich als wertvolle Kraft erwiesen habe. Braun meinte, sein Einsatz basierte darauf, „der Preistreiberei seitens Stromanbietern entgegenzutreten“. Es gehe nicht um Profit, sondern um Versorgung.

Walter Müller vom Vorstand betonte, man sei wohl der einzige Anbieter des Segments, der keine Zwangsmitgliedschaft erhebe. Braun wiederum lobte Thilo Merkt, der wegen verzwickter Infrastruktur, sprich Straßenlage, „oft in die Tischkante biss“.

Zum Tarif hieß es aus der Leitungsebene, man müsse die Existenz in 20 Jahren polstern, wenn Investoren nicht mehr verfügbar seien, deshalb lege man Gewinne nicht einfach auf die Kunden um – denn heute erziele man Gewinne.

Finanzen

„Ein paar Zahlen“ legte Jochen Kaltenbach offen. Insgesamt jongliert man mit der Bilanzsumme von 3,8 Millionen Euro. Der Bilanzgewinn betrug 250 000 Euro, nicht zu verwechseln mit tatsächlichem Gewinn, der als Jahresüberschuss bei 44 000 Euro lag. Die Darlehen stehen aktuell bei 1,5 Millionen. Die Dividende von 4450 Euro wird zu je drei Prozent ausgeschüttet.

Veräußert wurde das Glasfasernetz, es rechne sich nicht, und ging an den Zweckverband. Bezüglich Prüfungen waltete Claudia Nagorny-Merkt vom Aufsichtsrat ihres Amtes.

Ehrung

Für ihre großen Verdienste wurden Manfred Ruf und Walter Müller geehrt.

Ausblick

Braun zufolge ist die Energiewende örtlich in vollem Gange, Weitenau und Endenburg stünden im Fokus. Der Ausbau soll forciert werden. Den 146 Wärmepumpen sollen weitere fünf folgen.

Förderverein

Am Schluss listete Andreas Wörner vom Förderverein die Aktivitäten auf, darunter das Novartis-Projekt und den Energie-Lehrpfad.

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