Steinen Jeden Tag ein Schritt ins Unbekannte

Steinen-Hägelberg - Jeden Tag einen Schritt ins Unbekannte: Den hatte die passionierte Radreisende Dorothee Fleck (55 Jahre) nun wieder aufs Neue gewagt, nach zwei voran gegangenen Weltreisen.

Diesmal war Dorothee Fleck auf dem afrikanischen Kontinent unterwegs. Über Freud und Leid, Strapazen und hilfsbereite Menschen berichtete sie in der vollbesetzten Aula des Schulzentrums.

Dorothee Fleck, die aus dem Raum Stuttgart stammt und einige Zeit in Steinen gelebt hat, startete im Dezember 2015 von Lahr mit dem Rad gen Afrika. Insgesamt 43 628 Kilometer sollte sie am Ende zurückgelegt und 33 afrikanische Länder durchquert haben.

Erste Stationen auf dem afrikanischen Kontinent: Die spanische Exklave Ceuta und Marokko. Im Atlas-Gebirge kämpfte sich Dorothee Fleck von einem Gipfel zum nächsten und erlebte auf dem Weg nach Mauretanien eine böse Überraschung, als ein Reisebus über ihr Vorderrad fuhr.

Eine feste Route hatte Dorothee Fleck nicht geplant, gab es doch immer wieder Unerwartetes auf dem Weg. Wie an der Grenze zu Mali. Eigentlich sollte sie das Visum zur Einreise an der Grenze bekommen, doch eine Woche zuvor war diese Regelung gekippt worden.

900 Kilometer zurück

Also ging es 900 Kilometer zurück mit dem Reisebus nach Dakar, um im zweiten Anlauf nach Mali zu kommen. Die Visa-Besorgung sei sowieso immer ein Kampf gewesen, erinnert sie sich. Zum Teil waren die Botschaften so gut „versteckt“, dass man sie kaum finden konnte. Oder man musste Geduld mitbringen, wie in Äthiopien, als Dorothee Fleck gratis zwei Wochen auf einem Hoteldach zelten durfte, um bei der Botschaft Visa für den Sudan und Ägypten zu besorgen.

Viel Hilfsbereitschaft

Überhaupt ist sie unterwegs vielen hilfsbereiten Menschen begegnet. Gesundheitlich nicht so gut ging es ihr in Angola. Ihr Fuß war entzündet und geschwollen, und eine unsägliche Sandpiste erschwerte ihr das Leben zusätzlich. In einem Dorf fanden ihr Drahtesel und sie Aufnahme auf einem der selten vorbeikommenden Fahrzeuge, einem uralten, mit Tomaten beladenen Truck, der sie in 14 Stunden strapaziöse 180 Kilometer bis zum Sambesi-Fluss ruckelte.

So abwechslungsreich wie der Kontinent waren auch die Zustände der Straßen und Wege. Die Fahrt, oder wahlweise das Schieben, konnte auf breiten, mitunter ganz leeren Teerstraßen verlaufen, oder auch über Sand und durch Matsch. Luxus pur erlebte die Radlerin, als sie drei Wochen in einer Lodge in Malawi arbeitete und belohnt wurde mit prima Essen und Unterkunft.

Hatte sie als Frau allein unterwegs nie Angst? Das verneint die 55-Jährige. Als Frau habe sie durchaus Vorteile gehabt und weibliche Überredungskunst auch schon mal eingesetzt, um bei einem Beamten ein Visum von acht Tagen auf 28 Tage hochzuhandeln.

Gewitter in Lesotho

Der kritischste Moment sei weder durch Mensch noch Tier hervorgerufen worden. Richtig gefährlich war ein Gewittersturm in Lesotho, auf einem Pass in nahezu 3000 Metern Höhe: „Links und rechts schlugen Blitze ein, ich wusste nicht, ob ich das überlebe.“ Und die schönste Route? „Das war der Chapmans Peak Drive südlich von Kapstadt“, schwärmt Dorothee Fleck bei ihrem Vortrag bei „Kunst und Kultur in Steinen“ im Meret-Oppenheim-Schulzentrum.

Müll bei den Pyramiden

In Ägypten näherte sich die Reise ihrem Ende. Dort durfte die Radlerin nur in Begleitung einer Polizeieskorte fahren. Und dass das Problem mit dem Plastikmüll auch vor den Wüsten nicht Halt macht, dokumentierte Dorothee Fleck mit einem Bild von Müll bei den Pyramiden von Gizeh: „Der Wind weht das Plastik überall hin.“ Mit dem Flugzeug ging es wieder nach Griechenland und von dort mit Rad und Zug zurück zum Ausgangspunkt.

Ob sie wieder eine Reise geplant habe? Diese Frage ließ Dorothee Fleck offen: „Ich bin dabei, mich zu orientieren.“

Weitere Informationen: Über ihre Afrika-Reise hat Dorothee Fleck ein Buch geschrieben: Dorothee Fleck: Als Frau allein mit dem Fahrrad rund um Afrika. Traveldiary Verlag, 2018. 16.80 Euro. ISBN 978-3-947944-00-2. Oder mit Widmung unter https://dorothee-fleck.com/buecher.

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