Steinen Kandidaten auf den Zahn gefühlt

Mit mehr als 200 interessierten Bürgern war die Steinenberghalle in Schlächtenhaus bis auf den letzten Platz gefüllt, als sich am Donnerstag die Bürgermeister-Kandidaten den Fragen der Bürger stellten. Bereits am Mittwoch hatten sich die Bewerber in der Wiesentalhalle in Höllstein 800 Besuchern vorgestellt. Von Heiner Fabry Steinen-Schlächtenhaus. Gleich die erste Frage nach der Vorstellung der Kandidaten gab einen Eindruck von dem, was die Bürger bewegt. Die Programme klängen alle wie der Wunschzettel für den Nikolaus, merkte ein Bürger an. Die Kandidaten mögen doch sagen, welche zwei Entscheide sie als erstes nach Amtsantritt in Angriff nehmen würden und welches ihr liebstes Verkehrsmittel sei, wollte ein Fragesteller wissen. Mark Leimgruber sah an erster Stelle eine Tempo 30- Zone innerorts und die Tieferlegung der B 317 und gab zu, dass er das Auto als Bewegungsmittel vorziehe. Gunter Braun priorisiert ein generelles Verkehrskonzept und den Ausbau des Glasfasernetzes. Nicolas Kerscher will als erstes die Erstellung eines Leitbildes sowie mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung in der Kommunalpolitik erreichen. Matthias Pawlicki plädierte für mehr bezahlbaren Wohnraum und eine bessere Anbindung der Ortsteile im ÖPNV. Benjamin Blum will sich für eine konsequente Gewerbeförderung einsetzen. Und zum bevorzugten Verkehrsmittel erklärte er: „Ich gehe gern zu Fuß zum Auto.“ Verkehrskonzept Damit waren die großen Themen angerissen. Die Frage nach einem Verkehrskonzept, nach einer besseren Anbindung der Ortsteile, aber auch nach dem Standort für ein neues Rathaus nahmen in der Diskussion einen prominenten Platz ein. Eine Reduktion der Verkehrsbelastung innerorts war allen Kandidaten ein Anliegen. Gunther Braun sprach sich für eine Ostumfahrung des Dorfkerns aus, forderte eine zweite Brücke über die Wiese und sah eine tragfähige Lösung nur in einer interkommunalen Lösung der Probleme an der B 317. Nicolas Kerscher forderte ein Gesamtkonzept, in das alle Verkehrsfragen einbezogen werden müssten. Benjamin Blum forderte eine „kleine Umfahrung Ost“, einen zweiten Anschluss an die B 317 im Westen und den Einbezug einer Lösung für die Bahnübergänge. Ein Verkehrskonzept müsse mit einer 50-Jahre-Perspektive erarbeitet werden. Matthias Pawlicki hielt sowohl eine Tieferlegung der B 317 (bevorzugte Lösung von Mark Leimgruber) sowie einen vierspurigen Ausbau für unrealistisch und forderte, die B 317 mit einer dritten Spur auszustatten, die wechselseitig in Anspruch genommen werden kann. Nicht ganz einig waren sich die Kandidaten auch bei der Frage nach dem Standort des neuen Rathauses. Benjamin Blum sprach sich für die „Alte Weberei“ aus. Pawlicki und Kerscher waren für den jetzigen Standort im Dorfzentrum. Gunther Braun votierte als Architekt für den historischen Bezug und den alten Standort (heute Metzgerei Hug). Weshalb Steinen" Etwas lockerer wurde die Diskussion, als ein Bürger wissen wollte, warum sich die Kandidaten in Steinen und nicht in Maulburg beworben hätten. Neben dem Argument „Steinen als Heimat“ verwies Gunther Braun darauf, dass es spannender sei, positive Ergebnisse mit Engagement und nicht mit Geld zu erreichen. Dieses Argument stützte auch Benjamin Blum, für den es interessanter ist, wenn man mit wenig etwas Gutes schaffen will. Wo sind die Schwächen" Ganz locker wurde es, als ein Bürger wissen wollte, was die Kandidaten nicht können. Über die eigenen Vorzüge habe man in den Flyern ja genug gelesen. Seine Schwäche sei seine Ungeduld, räumte Mark Leimgruber ein. „Vieles dauert mir einfach zu lange.“ Gunther Braun gab an, dass er gewohnt sei, an der Sache und im Team zu arbeiten. „Mich selbst zu verkaufen, wie man es bei einer solchen Veranstaltung tun muss, liegt mir nicht so sehr“, gab er zu. Dem konnte sich auch Nicolas Kerscher anschließen, der sich als „eher zurückhaltend“ beschrieb. Benjamin Blum berichtete, er sei halt manchmal zu emotional, aber immer der Sache verpflichtet. So kenne man ihn ja aus dem Gemeinderat. Matthias Pawlicki sah seine Schwäche darin, dass er in der Kommunalpolitik und in den angesprochenen Sachthemen „noch nicht so drin“ sei, er habe da noch Nachholbedarf. Etwas ernster wurde die Diskussion, als die Frage aufgeworfen wurde, wie die Kandidaten sich vorstellen, das Verhältnis zwischen Bürgermeister und Gemeinderat zu verbessern. Es müsse immer um die Sache und nicht um Personen gehen, erklärte Benjamin Blum. Auch Matthias Pawlicki sah den Bürgermeister an der Front. Mark Leimgruber sah seinen Vorteil darin, dass er als Ortsfremder völlig unvoreingenommen sei. Er werde sachlich bleiben. Persönliche Animositäten hätten in einem Gemeinderat nichts verloren. Auch Gunther Braun sah die Frage ganz pragmatisch. Wenn es Konflikte gebe, müsse man sachlich darüber reden. „Ich sehe den Bürgermeister als Motivator und als Schlichter“, erklärte er. Für Nicholas Kerscher geht es um Offenheit und Ehrlichkeit. „Das gilt für den Gemeinderat, das gilt aber auch für den Umgang mit allen Bürgern.“ Rückzüge Zur Bürgermeisterwahl informierte Bürgermeister Rainer König, dass Michael Eckardt seine Kandidatur zurückgezogen habe. Götz Beckenbauer habe seine Kandidatur ebenfalls per Pressemitteilung zurückgenommen. Da aber diese Rückzüge nicht fristgerecht eingegangen seien, würden die Nemen trotzdem auf den Wahlzetteln aufgeführt. Vanessa Weber habe krankheitsbedingt nicht an den Vorstellungsveranstaltungen teilnehmen können.

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