Steinen Kommunale Wohnbau springt ein

Einen Neubau von dreigeschossigen Gebäuden mit begrünten Flachdächern will die Gemeinde Steinen angrenzend an die gemeindeeigene Flüchtlings- und Obdachlosenunterkunft“ in der Köchlinstraße 11 bauen.Foto: Harald Pflüger Foto: Markgräfler Tagblatt

„Wir stehen ganz am Anfang“, startete Bürgermeister Gunther Braun das Projekt „Flüchtlings- und Obdachlosenunterkunft“, das der Gemeinde vom Landratsamt praktisch aufgezwungen wird oder wurde mit der Vorgabe, die Defizite der Vorjahre auszugleichen und damit im Jahr 2020 noch 70 Flüchtlinge in die Anschlussunterbringung aufzunehmen.

Von Hans-Jürgen Hege

Steinen. Dazu präsentierte Architekt Harald Klemm bei der Sitzung am Dienstag eine Planung zum Neubau von dreigeschossigen Gebäuden mit begrünten Flachdächern einschließlich Grünflächen im Innenhof und einem Kinderspielplatz, und zwar angrenzend an die gemeindeeigene Flüchtlings- und Obdachlosenunterkunft in der Köchlinstraße 11.

Unter anderem sollen 90 Einzelzimmer mit jeweils 15 Quadratmetern und einige Gruppendomizile (je vier Zimmer auf je 73 Quadratmeter) sowie 18 Gemeinschaftsräumen gebaut werden.

Um der angespannten Finanzlage der Gemeinde gerecht werden zu können, soll zur Finanzierung des Projektes die Kommunale Wohnbau mit ins Boot geholt werden, kündigte Gunther Braun an und versicherte, dass dieser Weg mit dem Landratsamt abgestimmt und für rechtlich möglich eingestuft worden sei. Zusammen mit den Zuschüssen vom Land und den zu erwartenden Mieteinnahmen, für die der Kreis aufkommen müsste, sei damit zu rechnen, dass „das ganze System kostendeckend abgewickelt“ werden könnte, glaubt der Bürgermeister.

Bauchschmerzen verursachte einigen Gemeinderäten die Idee, in der Überbrückungszeit bis zur Fertigstellung der Bauten die Grundstücke angrenzend an das Schwimmbad sowie gegenüber der Firma H2O zu nutzen, auf denen schon einmal die Gemeinschaftsunterkunft des Landkreises aufgebaut war.

Rainer Eiche haderte mit dem Landratsamt, das einfach über die Kommunen verfüge, wohlwissend, dass die kein Geld haben. „Was würde die Behörde machen, wenn wir keine Wohnbau hätten, die zur Finanzierung herangezogen wird? Ohne die könnten wir keinen Euro in eine solche Unterkunft investieren“, sagte er und mahnte die Verwaltung, sich das Heft nicht aus der Hand nehmen zu lassen. Außerdem, so Eiche, habe er „Probleme damit, die am Ausweichquartier ums Schwimmbad herum wachsenden Bäume und Pflanzen einem Provisorium zu opfern“.

Ulrike Mölbert favorisierte Standorte, die zentral gelegen seien und deshalb wesentlich besser ins Bemühen passen, Integrationsarbeit leisten zu können. Marc Sutterer dagegen gab zu verstehen, dass sich seine Fraktion schwer mit dem Gedanken tue, „auf engstem Raum 150 Menschen“ unterbringen zu müssen.

Sabine Glaser befürchtete: „Mit dieser Art der Unterbringung von so vielen Einzelpersonen schaffen wir ganz bestimmt einen Problembezirk.“

Und Dietmar Ernst bat das Gremium, „einmal zu überlegen, ob es Sinn mache, ein ortskernnahes Idyll auf diese Weise dauerhaft zuzupflastern“. Es half alles nichts: Fünf Gemeinderäte waren gegen den Standort Köchlinstraße, die Not- beziehungsweise Überbrückungslösung und den Auftrag, die Wohnbau mit der Prüfung der Finanzierung zu beauftragen, drei enthielten sich der Stimme und elf fanden den Vorschlag der Verwaltung so akzeptabel, dass sie ihm zustimmten.

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