Steinen Leuchtturmprojekt in ökologischer Bauweise

Von Harald Pflüger

Steinen-Hägelberg. Einstimmig und ohne große Debatte hat der Steinener Gemeinderat in seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause den Vorentwurf für das Dorfgemeinschaftshaus in Hägelberg gebilligt. Vergangene Woche hatte der Ortschaftsrat dem rund 1,7 Millionen Euro teuren Projekt bereits zugestimmt. Gleichzeitig wurde beschlossen, bis zum 4. Oktober beim Regierungspräsidium Freiburg Fördermittel aus dem ELR-Programm zu beantragen.

Der Hintergrund

Weil die alte Turnhalle den Anforderungen schon lange nicht mehr genügt, der Bauzustand und die fehlenden Parkmöglichkeiten entsprechen nicht mehr dem heutigen Standard, besteht im Ortsteil Hägelberg schon lange der Wunsch nach dem Bau einer neuen Halle. Um diesem Wunsch Nachdruck zu verleihen, wurde der Hallenbauförderverein ins Leben gerufen, mit dessen Unterstützung mehrere Planungen erarbeitet wurden. Gesucht wurde nach einer kostengünstigen und wirtschaftlichen Lösung.

Der neue Standort

Gebaut werden soll das neue Dorfgemeinschaftshaus auf einem gemeindeeigenen Grundstück zwischen Sportplatz und Heizzentrale der Genossenschaft „Energie aus Bürgerhand“. Parkplätze könnten südlich des Riegelmattwegs beziehungsweise westlich des Hölzlewegs ausgewiesen werden. Ein entsprechendes Grundstück ist ebenfalls vorhanden.

Die Planung

Architektin Sabine Braun stellte am Dienstagabend im Haus der Sicherheit die Planung für das Dorfgemeinschaftshaus, das unterhalb des Sportplatzes gebaut werden soll, vor. Für die Architektin steht die Mehrfachnutzung des Gebäudes im Vordergrund. Im Mittelpunkt steht die 27 mal 15 Meter große Mehrzweck- und Bewegungshalle mit mobiler Bühne, die ausreichend Platz für Sport, Feste und Aufführungen bietet. Mobile Trennwände ermöglichen es, die Hallengröße auf die jeweiligen Bedürfnisse „zuzuschneiden“. Im Süden, dort wo sich die Halle gegen das Tal öffnet, gliedern sich die Nebenräume für Haustechnik und Lagermöglichkeiten an, während sich im Norden der niedrigere Gebäudekomplex mit Eingang, Küche, Umkleideräumen und Sanitäranlagen befindet. Die ganze Halle soll barrierefrei, das heißt auch für Rollstuhlfahrer, zugänglich sein.

Der Neubau

Das Dorfgemeinschaftshaus soll in erster Linie mit nachwachsenden Rohstoffen gebaut werden, Stichwort Holzbau, um der Nachhaltigkeit Rechnung zu tragen. Die Baukörper sind jeweils eingeschossig und nicht unterkellert. Geplant ist der Anschluss ans Nahwärmenetz der Genossenschaft „Energie aus Bürgerhand“. Geheizt würde mit Biogas und Hackschnitzel als regenerative Energiequellen. Für Sabine Braun könnte das Dorfgemeinschaftshaus so zu einem weiteren Leuchtturmprojekt der Gemeinde Steinen werden.

Die Kosten

Laut Kostenschätzung werden sich die Baukosten für das Dorfgemeinschaftshaus auf rund 1,75 Millionen Euro belaufen. In der Finanzplanung der Gemeinde sind laut Bürgermeister Rainer König bisher für die Jahre 2013 bis 2016 insgesamt 1,5 Millionen Euro eingestellt. König sagte im Gemeinderat, dass wegen einer möglichen Förderung mit Mitteln aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) im Regierungspräsidium Freiburg Gespräche geführt worden seien und gute Chancen bestünden, zeitnah in das Förderprogramm aufgenommen zu werden (auf einen Antrag auf Ausgleichsstockmittel wird wegen anderer Projekte verzichtet). Der Regelfördersatz beläuft sich auf bis zu 40 Prozent, wobei ein schonender Umgang mit den Ressourcen (das heißt die Verwendung erneuerbarer Energien und nachwachsender Rohstoffe) eine wichtige Voraussetzung ist. Laut König könnte sich der Fördersatz bei überdurchschnittlichem bürgerschaftlichen Engagement auf 50 Prozent erhöhen.

Dazu sagte Architektin Sabine Braun, dass das Dorfgemeinschaftshaus so geplant ist, dass ein gewisses Maß an Eigenleistungen möglich ist, und auch bei der Gestaltung der Außenanlage können die Ärmel hochgekrempelt werden. Seit Anbeginn an engagiert ist der Hallenbauförderverein, der ebenfalls sein Scherflein zur Finanzierung des Dorfgemeinschaftshaus beitragen wird.

Die Bedenken

In der Bürgerfragestunde erkundigte sich ein Anwohner, ob nach dem Bau des Dorfgemeinschaftshauses mit Lärmbeeinträchtigung zu rechnen sei. Dazu sagte Bürgermeister Rainer König, dass nur „die übliche Nutzung“ vorgesehen und nicht zu befürchten sei, dass dort jeden Abend ein Fest stattfindet. Im übrigen seien die Ruhezeiten einzuhalten. König empfahl dem Anwohner, sich (wegen weiterer Fragen) mit dem Hallenbauförderverein oder dem Turnverein Hägelberg in Verbindung zu setzen. Architektin Sabine Braun sagte ergänzend, dass sich die Halle nach Süden öffnet und nach Westen geschlossen ist.

Die Zuhörer

Stühle mussten von Hildolf Schwald herbeigeschafft werde, um den vielen (auch jungen) Zuhörern, überwiegend Mitglieder des Hallenbaufördervereins und des Turnvereins Hägelberg, wie an ihren T-Shirts unschwer zu erkennen war, eine Sitzmöglichkeit zu bieten. Sie quittierten später den einstimmigen Gemeinderatsbeschluss mit einem kräftigen Applaus.

Die Debatte

Benjamin Blum (CDU) kündigte an, dass seine Fraktion den Plänen mit großer Mehrheit zustimmen werde. Und er dankte allen, die sich für das Dorfgemeinschaftshaus einsetzen, in erster Linie dem Hallenbauförderverein. Wie groß das Engagement in Hägelberg ist, habe die Genossenschaft „Energie aus Bürgerhand“ gezeigt. Wichtig sei es nun, den Förderantrag auf ELR-Mittel zu stellen.

Froh, dass das Engagement des Hallenbaufördervereins nun Früchte trägt, zeigte sich ebenfalls Waltraud Spauszus (SPD). Sie sieht das Ziel Dorfgemeinschaftshaus mit dem Gemeinderatsbeschluss ein großes Stück näher rücken.

Der Bedarf an einer neuen Halle sei schon lange bekannt, sagte Stephan Mohr. Er kündigte an, das die Gemeinschaft das redimensionierte Projekt mittrage, nachdem sie sich anfangs schwer getan habe. Begrüßt wurden von Mohr die ökologische Bauweise und die versprochene Eigenleistung. Wichtig sei es nun, dass die Zuschüsse fließen, sonst sehe es wieder anders aus.

Das Schlusswort

Hägelbergs Ortsvorsteher Hans-Georg Koger blieb in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend im Haus der Sicherheit das Schlusswort vorbehalten. Koger dankte dem Gemeinderat und der Verwaltung, dass sie das Projekt mittragen. Es sei kein Luxusprojekt sondern eine dringende Notwendigkeit. Dass das Dorfgemeinschaftshaus im Gremium eine so große Mehrheit fand, war für ihn positiv.

Die Abstimmung

Einstimmig, nämlich mit den Stimmen aller 24 anwesenden Bürgervertreter (einschließlich Bürgermeister Rainer König) genehmigte der Gemeinderat in seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause den Vorentwurf für das Dorfgemeinschaftshaus Hägelberg. Der Ortschaftsrat hatte bereits vergangene Woche sein Plazet gegeben (wir berichteten).

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