Steinen „Manchmal nur sechs Gäste da“

Nur selten war das Freibad so stark frequentiert.                                                                                                                                                                                                                                              Foto: Ralph Lacher

Anfang Juni öffnete das Steinener Freibad nach einem Jahr ohne Betrieb wegen Corona unter einer neuen Konstellation. Da die Sport- und Freizeit-Management GmbH aus March, seit 2006 Pächter des im Besitz der Gemeinde befindlichen Bades, den Vertrag nicht verlängert bekam, konnte die Kommune mit der Bäder Competence GmbH aus Breitnau einen neuen Betreiber unter neuen Bedingungen verpflichten.

Steinen (os). Geschäftsführer Michael Scholz spricht nach dem Ende der Saison von einem „sehr mäßigen bis schlechten Saisonverlauf“. Mit knapp 20 000 Besuchern liege man bei nur einem Drittel einer durchschnittlichen Saison der Vergangenheit, hat Scholz hochgerechnet. Zwischen 60 000 und 80 000 Besuchern hatte man nämlich in der Einrichtung vor Corona gezählt – pro Saison.

Der Saisonverlauf sei zum einen wegen des sehr kühlen Sommerwetters, zum anderen wegen der Corona-Auflagen schwach verlaufen, erklärt Scholz. Das bestätigt auch Bürgermeister Gunther Braun: Zuerst gab es Buchungssystem-Probleme, bildeten sich an den ersten Öffnungstagen mit Hochsommertemperaturen Mitte Juni Schlangen mit Badegästen, die auf Einlass warteten, dann kam nach der Behebung dieser Probleme das mäßige Wetter. „Da war nach unseren Online-Unterlagen manchmal nur ein halbes Dutzend Badegäste täglich da“, sagt der Bürgermeister.

Gegen Ende der Saison und mit dem dann im August wieder besseren Wetter kamen zusätzliche Probleme mit dem Personal: Mitte August kündigten die vom Geschäftsführer Michael Scholz vor Saisonbeginn verpflichten Schwimmmeister. Scholz konnte nur noch mit einer Schließung des Bades an vier Montagen reagieren. Wie der Geschäftsführer im Zusammenhang mit der Kündigung der beiden schon zuvor einige Jahre im Steinener Freibad tätigen Schwimmmeister sagt, könne es am Geld nicht gelegen haben, da man deutlich übertariflich zahle. Das liege einerseits daran, dass junge Fachkräfte im Bäderbetrieb von Gemeinden wie Steinen, die im Winter keine Beschäftigung in einem Hallenbad bieten können, nicht wie früher im Winter beispielsweise im Betriebshof der Gemeinde arbeiten und im Sommer im Freibad. Außerdem brauche er eher erfahrene Kräfte, solche, die mit alten Anlagen wie der im seit 1970 bestehenden Steinener Freibad umgehen können.

Anlage ist veraltet

Apropos alte Anlage: Da ist man dann beim entscheidenden Problem des Steinener Freibads und damit der Gemeinde angekommen. Die alten Leitungen und wohl auch die Becken sind undicht - täglich würden so bis zu 100 Kubikmeter Wasser nachgefüllt. Da das frische Wasser nur acht Grad Celsius warm ist und das Steinener Freibad keine Heizung hat,wurde anfangs der Saison nur eine Temperatur von 16 Grad Celsius erreicht. Wie der Bürgermeister sagt, mache ihm die Situation große Bauchschmerzen. Wenn eine der alten Leitungen platze, wie es in der zurückliegenden Saison in Schopfheim der Fall war, drohe eine lange Schließung.

Michael Scholz weist in Sachen Freibad-Bilanz darauf hin, dass er gemäß Absprache mit dem Bürgermeister demnächst einen Sachstandsbericht zu Gegenwart und Zukunft des Steinener Freibades erstellen werde. „Das ist dann aber eher ein Mängelbericht“, meint der Geschäftsführer. Und so sieht es auch der Bürgermeister. „Die Aussage von Michael Scholz, dass eine grundlegende Sanierung unseres Bades unumgänglich ist, teilen der Gemeinderat und ich voll“, sagt Braun. Er betont, dass man für die Saison 2021 sozusagen als Notlösung das Freibad so hergerichtet habe, dass ein Betrieb („Das sind wir unseren Bürgern schuldig gewesen nach einem Jahr Schließung“) unter Corona-Bestimmungen möglich wurde.

„Wir wissen, dass die Becken ganz besonders, aber auch Weiteres an Badtechnik saniert werden müssen“, so der Bürgermeister. Dem Gemeinderat habe ein Fachplaner aus Freiburg einen konkreten Sanierungsplan vorgelegt. Von einer Überarbeitung des Bades in bekannter Gestalt über neue Edelstahlbecken bis hin zur Umgestaltung in Form eines Naturbades reichen die Vorschläge - das Investitionsvolumen läge in der Größenordnung von fünf Millionen Euro, so Braun.

Klar ist für den Bürgermeister, dass es nächste Saison nicht mehr so laufen könne wie in dieser, sondern eine andere Lösung unumgänglich ist.

ZEITUNG lesen, MEINUNG bilden, WÄHLEN gehen! Jetzt 4 Wochen für einmalig ab 4 Euro lesen.

  • Bewertung
    0

Umfrage

Corona-Test

Diese Woche soll eine neue Corona-Verordnung verabschiedet werden, die ab einem Grenzwert eine 2G-Regel (geimpft/genesen) vorsieht? Was halten Sie davon?

Ergebnis anzeigen
loading