Steinen Mehr als 20 Hinweise gehen ein

Ralph Lacher
Diese letzte gemeinsame Foto von Yolanda Klug und Vater Peter vom Vortag des Verschwindens der jungen Frau zeigte das ZDF am Dienstag in „Aktenzeichen XY“. Screenshot: Ralph Lacher

Vor drei Jahren verschwand die damals 23-jährige Yolanda Klug aus Steinen in Leipzig. Nach drei Jahren ohne Lebenszeichen griff die Sendung „Aktenzeichen XY – vermisst“ den Fall am Mittwochabend auf. Daraufhin gingen bis Donnerstagnachmittag gut zwei Dutzend Hinweise bei der Polizei ein.

Von Ralph Lacher

Steinen/Leipzig - Die Beamten des Referats „Leib und Leben“ der Leipziger Polizeidirektion werden die Hinweise nun weiterverfolgen, sagte Polizeisprecher Chris Graupner gegenüber unserer Zeitung. Inwieweit die eingegangen Mail- und Telefonhinweise weitreichende, neue Erkenntnisse beinhalten, konnte man auf der Pressestelle aber noch nicht sagen.

Die letzten Lebenszeichen

Moderator Rudi Cerne informierte in der Sendung über die Geschichte des Vermisstenfalls von Yolanda Klug. Schauspieler spielten Szenen aus den letzten Tagen von Yolanda Klug vor ihrem Verschwinden an ihrem Studienort Leipzig nach. Auch die letzten Lebenszeichen der jungen Frau wurden nachgezeichnet. Vater Peter Klug kam mehrfach zu Wort. Deutlich wurde im rund 20-minütigen Beitrag, dass die Polizei Leipzig genauso vor einem Rätsel steht wie der Vater und die Freunde, Kommilitonen und WG-Mitbewohner in Leipzig.

Das letzte Lebenszeichen von Yolanda Klug stammt vom 25. September 2019, einem Mittwoch, gegen 15 Uhr in Leipzig. Dorthin war die junge Frau nach dem Abitur an der Freien Evangelischen Schule in Lörrach 2016 zum Architekturstudium gezogen. Sie lebte in einer WG.

An jenem Nachmittag wollte sie zu Ikea nach Günthersdorf, einem Vorort der Messestadt, stieg in den Bus dorthin. Doch dann enden die Spuren, wie die Sprecherin der ermittelnden Polizei, Dorothea Benndorf, als Studio-Gast mitteilt.

Kein Signal mehr vom Handy

Vom Handy gab es kein Signal mehr, auch nicht an die Freundin, mit der sie sich am Abend jenes Tages auf Burg Giebichenstein in Halle, dem Campus der Kunsthochschule, einen Film über den Verhüllungskünstler Christo anschauen wollte. Die Freundin erzählt bei Aktenzeichen XY, dass sie die als zuverlässig bekannte Yolanda Klug nicht mehr erreichte, als man sich zur gemeinsamen Fahrt nach Giebichenstein treffen wollte.

Nach einigen Stunden ohne Antwort oder Rückruf meldeten die WG-Mitbewohner Yolanda der Leipziger Polizei als vermisst. Nach intensiver Suche der Polizei und ohne greifbares Ergebnis wurde der Fall an die Mordkommission übergeben, sagte die Polizeisprecherin.

Diese fand dann mit Suchhunden doch Spuren von Yolanda Klug auf dem Campus Giebichenstein. Dort befand sich zum Zeitpunkt des Verschwindens eine Baustelle. Die war nach Ermittlungsbeginn der Mordkommission zugeschüttet. Mittels Spezialkamera ergab sich aber auch hier kein Hinweis auf Yolanda Klug. Da die Ermittler gebuchte Bahntickets und auch ein Flugticket nach Jordanien fanden, diese Tickets aber nie eingelöst wurden, geht die Polizei auch von der Möglichkeit eines Verbrechens aus.

Polizeisprecherin: Kein freiwilliges Abtauchen

Geprüft wurde, so die Polizeisprecherin, auch ein Zusammenhang zwischen Verschwinden und religiös-christlichem Engagement von Yolanda Klug. Diese habe nach übereinstimmenden Angaben des Vaters und der evangelischen Freikirche in Leipzig zwar kurzzeitig in Kontakt zu Scientology gestanden, habe sich dann aber ohne Probleme der Freikirche in Leipzig angeschlossen.

Abschließend sagte die Polizeisprecherin, dass man nicht von einem freiwilligen Verschwinden, einem Ab- oder Untertauchen von Yolanda Klug ausgehen könne. Es gebe keine Hinweise auf Probleme psychischer oder anderweitig belastender Art.

Peter Klug sagte im ZDF, dass er die Hoffnung nicht aufgebe, diese Hoffnung aber natürlich abnehme – und er nicht ausschließt, dass seine Tochter tot ist. Ein freiwilliges Verschwinden könne er sich nicht vorstellen. Denn noch zwei Tage vor dem 25. September habe er beim Besuch in Leipzig eine bestens aufgestellte Tochter erlebt und mit ihr schöne Stunden verbringen können.

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