Steinen „Mindestens ein Drittel Einbußen“

Markgräfler Tagblatt
Eher dünn sind die Kunden derzeit auf dem Steinener Wochenmarkt gesät, klagen die Anbieter. Foto: Fotos: Ralph Lacher

Der Steinener Wochenmarkt, der immer am Mittwoch und Samstag auf dem Marktplatz an der Kandener Straße stattfindet, wurde im Vorjahr und trotz Corona-Einschränkungen sehr gut angenommen. In diesem Jahr allerdings erfolgte ein massiver Einbruch, klagt das halbe Dutzend Erzeuger über rückläufigen Zuspruch.

Von Ralph Lacher

Steinen. „Zu Jahresbeginn ist eine Marktbeschickerin, die vor allem für ihr Bauernbrot sehr beliebt war, ausgestiegen und wir sind am Samstag nur noch fünf Anbieter“, sagt Claudia Kugler, Lebenspartnerin von Norbert Götz und mit diesem Betreiberin von „Nobbis Bauernhof“ in Steinen.

Neben dem Lokalmatador, der seit Juli in der ehemaligen Gärtnerei Vosskuhl einen Bauernladen betreibt, sind noch eine Egringer und eine Schallbacher Bauersfamilie, dazu ein Anbieter mediterraner Spezialitäten aus Wehr und die Chäschuchi aus Gersbach immer am Samstag auf dem Marktplatz mit ihren Produkten präsent. Gelegentlich ist auch ein Honigerzeuger mit von der Partie, während am Samstag nur die Schallbacher Angebote und die von „Nobbis Bauernhof“ sowie der Geisenhof aus Kühlenbronn im Kleinen Wiesental anzutreffen sind.

Bärbel Ganter, die nach dem Rückzug der Schallbacher Bauernbrot-Spezialisten dachte, ihr Brotangebot würde stärker nachgefragt, hat wie auch Claudia Kugler und die Schallbacherin Helge Grether keine Erklärung für das deutlich rückläufige Interesse in allen Produktsparten. „Wir haben mindestens ein Drittel Einbußen seit Anfang des Jahres“, sagt Claudia Kugler.

Dass dies mit der Eröffnung eines Lebensmittel-Frische-Marktes im Ortskern zusammenhängen könnte, sei nicht ganz auszuschließen, heißt es bei den Steinener Marktbeschickern. Die Maskenpflicht hingegen, die bis Anfang Juli bestand, dürfte kein Grund für den Rückgang sein. „Denn auch 2020 musste eine Maske getragen werden und wir hatten da den Eindruck, dass der Wochenmarkt an beiden Tagen stärker besucht war“, sagt Claudia Kugler.

Die schwierige Situation mit dem Wochenmarkt trifft die Anbieter in einem auch ansonsten nicht einfachen Jahr. In Egringen gab es neben den Spätfrösten wie auch in Steinen Starkregen-Ereignisse, die die Salat- und Gemüseernte stark beeinträchtigten. Und die steigenden Energiepreise tun ein Weiteres, um die wirtschaftliche Situation der Landwirtschaft zu erschweren.

„Unser Wochenmarkt gehört zu Steinen, zur Lebens- und Wohnqualität und als sozialer Kontaktort. Außerdem bieten wir vor Ort erzeugte, qualitativ hochwertige Produkte“, sagt Claudia Kugler. Und betont wie ihre Mitstreitenden, dass man auf jeden Fall diese Tradition am Leben halten will. Man brauchen aber mittelfristig eine deutliche Zunahme der Kundenfrequenz und der Umsätze.     

Tradition hat der Steinener Wochenmarkt allemal. Denn schon seit 419 Jahren, seit dem Jahr 1602, hat Steinen Marktrecht. Damit erhielt Steinen so etwas wie eine Zentrumsfunktion in diesem Teil des Wiesentals. Der Marktplatz befand sich bald am heutigen Standort und die gute Absatzsituation, die die Bauern auf dem Steinener Markt vorfanden, trug mit dazu bei, dass das Dorf 1766 sogar das Recht erhielt, zusätzlich zum Wochenmarkt noch zwei Vieh- und Krämermärkte abzuhalten. Als Steinen durch die Ansiedlung der Textilfabriken in den 30-er Jahren des 19. Jahrhunderts um über 600 Einwohner wuchs, wurde 1836 die Genehmigung zu zwei Wochenmarkt-Tagen am Dienstag und Freitag erteilt. 1860 wurde der Marktplatz mit 32 steinernen Pfosten eingezäunt und vier Jahre später wurde am Kanal ein überdachter Waschplatz angelegt. Gleichzeitig wurde als infrastrukturelle Verbesserung für die Marktbeschicker eine kleine Markthalle erstellt, die vor Regen und Kälte schützte.

Im Ersten Weltkrieg dann endete die Tradition der Wochenmarkt-Tage in Steinen, bis sie unter Bürgermeister Johannes Pflüger 1974 wiederbelebt wurde.

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