Steinen Mit 19 Jahren als Lehrerin in Benin

Maximilian Müller
Bei einer Reise mit der Gastfamilie zu einer Beerdigung: Für diesen Anlass trug Beatrice Jutzi ein traditionelles Kleid samt Kopftuch. Foto: zVg/Harold Chabi

Von Steinen nach Westafrika: Die 19-jährige Beatrice Jutzi unterrichtet derzeit an der Ecole Primaire Privée Amour de Dieu in Benin Kinder von der ersten bis zur sechsten Klasse in allen möglichen Fächern. Sie kam im September vergangenen Jahres in das Land.

Von Maximilian Müller

Steinen. Zuvor hatte Jutzi ihr Abitur am Hans-Thoma-Gymnasium in Lörrach mit der Endnote 1,0 abgelegt. Aber Ausbildung und Studium wollte sie nicht gleich angehen. Sie wollte sich erst Zeit für etwas Neues nehmen und sich auf ein Abenteuer begeben, berichtet sie.

Sie entschied sich zu einem sogenannten Weltwärts-Freiwilligendienst. Das ist der entwicklungspolitische Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Land nur vom Hörensagen gekannt

Und warum gerade Benin? Das habe sich zufällig ergeben. Und wie bei so vielem derzeit spielte auch Corona eine Rolle. Denn nur dort ließen die Corona-Beschränkungen einen Einsatz zu dieser Zeit zu. Freunde und Bekannte hatten das Land erst gar nicht auf dem Schirm. Viele hätten erst Berlin statt Benin verstanden, berichtet Jutzi. Sie hingegen kannte das Land, allerdings nur vom Hörensagen. Eine Freundin stammt aus dem Nachbarland Togo.

Das erste, was ihr an Benin aufgefallen sei, als sie dort ankam, sei gewesen, wie viel Leben sich außerhalb der Häuser abspielt. Dort werde gegessen, gekocht, geschlafen. Auch die Kinder spielten dort. Und überall gebe es Menschen, die dort Essen und andere Waren verkaufen. Die Gebäude seien so aneinandergereiht, dass sich Hinterhöfe ergeben. In den Häusern selbst sei vieles anders eingerichtet als in Deutschland, aber wenn man es genau betrachte, sei die Anordnung durchdacht.

In der Schule unterrichtet Jutzi Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 17 Jahren. Die große Altersspanne erklärt sich damit, dass viele Kinder gelegentlich das eine oder andere Schuljahr pausieren, entweder um der Familie zu helfen oder aus anderen Gründen. Zudem sei es viel normaler, dort eine Klasse zu wiederholen. Das werde nicht so gesehen wie in Deutschland, sagt Jutzi.

In Seminaren auf Aufgaben vorbereitet

Sie unterrichte die Kinder in Französisch, Mathe, Sport und Musik sowie in weiteren Fächern, in denen es um Naturwissenschaften und Technik oder um Politik und Geschichte geht.

Sie sei in Seminaren darauf vorbereitet worden, erst in Deutschland, dann auch in Benin. Zugute komme ihr dabei, dass sie schon in der Schule gut in Französisch war, sagt Jutzi. Allerdings sei das Französisch in Benin ein anderes als das in der Schule. Es habe einen eigenen Akzent. Und auch im täglichen Gespräch sei vieles anders. Wenn man sich in Deutschland nur einen guten Tag wünsche, frage man in Benin nach, wie es einem selbst oder der Familie gehe und wünsche sich einen guten Tag oder „gute Arbeit“. Lasse man das aus, gelte man schnell als unhöflich.

Sie selbst lebe in einer wohlhabenden Gastfamilie. Ein Zeichen dafür sei etwa, dass das Haus eine Außenmauer habe. Es gebe Möbel und abschließbare Türen. Das sei nicht überall in Benin so. Neben den Gasteltern leben dort auch Gastgeschwister sowie weitere Mitglieder der Familie ihrer Gastgeber. Es sei immer alles fließend und die Anrede untereinander sei auch familiär geprägt. Man rede sein Gegenüber als Tante, Onkel, großer Bruder oder große Schwester an, um Respekt und Verbundenheit zu zeigen.

Wenn Besuch komme, werde auf dem Boden eine Natê, eine traditionelle, große Matte, ausgebreitet, auf der dann alle schlafen. Am Anfang sei es ihr schwer gefallen, darauf zu schlafen, aber man gewöhne sich daran, berichtet Jutzi.

Mit Gastfamilie auf Reisen

Es sei aber auch nicht ungewöhnlich, dass sich Menschen, wenn es nachts heiß ist, einen Baum suchen, auf dessen Ästen sie schlafen können, um den stickigen Häusern zu entkommen. Das sei kein Zeichen von Armut.

Sie selbst ist auch schon mit ihrer Gastfamilie auf Reisen gegangen, etwa nach Parakou. Von dort aus fuhren sie in das Dorf Goro, wo eine Beerdigung stattfand. Dafür trug Jutzi ein traditionelles Kleid und Kopftuch.

Lehrerin wolle sie nicht werden, auch wenn ihr das Unterrichten Spaß bereite, sagt Jutzi. Wenn sie zurück nach Deutschland kommt, will sie Politik und Jura studieren und anschließend in den diplomatischen Dienst gehen. Alle paar Jahre umzuziehen, das schrecke sie nicht. Im Gegenteil, sie freue sich darauf, sich auf etwas Neues einzulassen. Und es gebe noch so viel auf der Welt zu entdecken, was man erst sehe, wenn man für längere Zeit an einem Ort ist – da reiche Urlaub mit seinen zwei, drei oder vier Wochen einfach nicht.

Finanziert wird der entwicklungspolitische Freiwilligendienst zu 75 Prozent von staatlicher Seite. Die restlichen 25 Prozent, in Jutzis Fall 3180 Euro, müssen die Freiwilligen jedoch in Form von Spenden selbst finanzieren. Dafür gibt es ein Spendenkonto von Jutzis Entsendeorganisation, der Kinderhilfe Westafrika. Das Spendenkonto hat die IBAN DE03 8305 0000 0000 6521 64, der Verwendungszweck lautet: Beatrice Jutzi, Ecole Primaire Privée Amour de Dieu, Benin. Für eine Spendenquittung sollte man Adresse und E-Mail angeben.

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