Steinen Mit Maske zu Meret Oppenheim

Die Schirn Kunsthalle Frankfurt beleuchtete in der Ausstellung „Fantastische Frauen. Surrealistische Welten von Meret Oppenheim bis Frida Kahlo“ erstmals den weiblichen Beitrag zum Surrealismus.

Steinen. „Fantastische Frauen. Surrealistische Welten von Meret Oppenheim bis Frida Kahlo“ – kein alltägliches Thema dachten wir – vier Frauen – uns, und entschieden uns für einen Besuch in der Frankfurter Kunsthalle Schirn. Schließlich ist Meret Oppenheim in Steinen aufgewachsen.

Mich interessierte, welche Kunstwerke von Frauen in einer populären Kunstrichtung wie dem Surrealismus entstanden sind.

Die Anreise ab Basel im EC verlief reibungslos. Ich wählte diesmal die 1. Klasse – hier, in einem geräumigen Abteil, waren die coronabedingt erforderlichen Sicherheitsstandards gewährleistet. Das Zugpersonal war freundlich, und ich kam ohne Verspätung im Mainzer Hauptbahnhof an.

Zugfahren in Corona-Zeiten

Da die Besuchszeiten in der Kunsthalle vorab zu buchen waren, plante ich noch einen Zwischenhalt im Kneippheilbad Bad Camberg, 40 Kilometer von Frankfurt entfernt, ein. Für die Fahrt dorthin musste man auf Regionalzüge umsteigen. Wegen der Hitze war die Fahrt dorthin weniger angenehm. Aber ich wurde durch einen schönen Kurpark und das kühle Nass eines Wassertretbeckens entschädigt.

Am Sonntagnachmittag trafen wir uns, vier kunstinteressierte Schwestern, am Frankfurter Hauptbahnhof. Von dort waren es mit der U-Bahn nur zwei Stationen zur Haltestelle Dom/Römer. Wir landeten in einer lebendigen Fußgängerzone am Römerberg, fünf Minuten von der neuen Altstadt und vom Main entfernt. In einem der zahlreichen Straßencafés in der Nähe der „Schirn“ genossen wir einen Drink, denn unser Eintritt war erst für 14.30 Uhr gebucht. Pünktlich standen wir am Eingang, und so fiel ein langes Anstehen weg. Neben den Abstandsregeln war natürlich auch ein Mund-Nasen-Schutz Pflicht in der Ausstellung, was ungewohnt war, auch beim Fotografieren.

36 Künstlerinnen aus elf Ländern

In der Ausstellung waren 36 Künstlerinnen aus elf Ländern mit 260 Werken vertreten. Das bedeutet viele unterschiedliche Biografien. Neben bekannten Frauen wie Meret Oppenheim, Frida Kahlo und Louise Bourgeois sind auch zahlreiche unbekannte Persönlichkeiten aus mehr als drei Jahrzehnten surrealistischer Kunst zu entdecken. Eine große Vielfalt, dachte ich, und konzentrierte mich auf die drei bekanntesten Malerinnen. Die Surrealistinnen waren auf der Suche nach einem neuen weiblichen Identitätsmodell. Mit dem politischen Zeitgeschehen und der Literatur setzten sie sich in ihren Werken ebenso auseinander wie mit Mythen und Religionen.

Gleich zu Beginn der Ausstellung war Meret Oppenheim (1913 bis 1985) mit 26 Werken zu finden. Oppenheim beschloss 1932, Malerin zu werden, ging nach Paris und hielt sich fünf Jahre lang im Umfeld der Surrealisten um Andre Breton auf. Hier entwickelte sich ihr Talent. Danach lebte sie aufgrund der Kriegsumstände in Basel, später in Bern.

Ein großes Thema der Künstlerin war die androgyne Utopie und die Ambivalenz der Geschlechtsidentität. Die Ausstellung zeigte Gemälde und Objekte. Unter den Gemälden befinden sich „Spaziergänger hinter Zaun“ (längliche Formen), 1933, Anatomie einer toten Frau, 1934, Daphne und Apoll, 1943, Krieg und Frieden (düster), 1943, Das Tragischkomische, 1944 (in auffallenden rot-braunen Töne) oder das Auge der Mona Lisa, 1967 (ausdrucksstark) und Rote Wolke, 1972. Unter den Objekten waren die Urzeit-Venus, Gespenst mit Leintuch, 1962 und Genoveva, 1971 (große Skulptur ohne Kopf als Inbegriff der Fremdbestimmtheit der Frau) zu sehen. Viel beachtet waren die Masken, angefertigt ab 1936. Oppenheim war leidenschaftliche Anhängerin der Basler Fasnacht und gestaltete zahlreiche Masken und Kostüme der Gruppe 33, bei der sie mit Jean Tinguely feierte. Die Künstlerin schätzte an der Verkleidung das Subversive und die Möglichkeit, Verdrängtes und Tabus sichtbar zu machen, wie es im Saaltext hieß.

Auch an Frida Kahlo (1907 bis 1954) kam man nicht in der Schirn nicht vorbei. Ihr Selbstbildnis mit Dornenhalsband (1940) war Werbeplakat für die Ausstellung der Surrealistinnen, obwohl sie sich selbst nicht so sah. Die in Mexiko-Stadt geborene Künstlerin begann während der Genesungszeit nach einem schweren Busunfall 1925 zu malen. Kahlo arbeitet viel mit Symbolen, auch aus der mexikanischen Volkskunst.

Der Zeitgeist ist gut rübergekommen

Der Rundgang der Ausstellung endete bei der in Paris geborenen und in New York verstorbenen Künstlerin Louise Bourgeois (1911 bis 2010). Die Malerin ging nach ihrer Heirat 1938 nach New York und begann dort ihre bildhauerische Arbeit. Erst in ihren späten Jahren zeigte man eine Retrospektive im Museum of Modern Art in New York. Sie war die erste Frau, deren künstlerische Arbeit man würdigte.

Um viele Eindrücke bereichert, verließen wir die Ausstellung. Auf dem nahegelegene Römervorplatz im Herzen von Frankfurt waren wir wieder in der Gegenwart angekommen.

Meine Schwestern waren sich einig, dass die feministischen Anliegen der Künstlerinnen gut umgesetzt wurden, eine war fasziniert von den unterschiedlichen Biografien der Künstlerinnen. Die dritte meinte, der Zeitgeist sei gut rübergekommen, sie habe jedoch oft Schwierigkeiten gehabt, einen Bezug zu den surrealistischen Werken herzustellen. Voraussetzung sei wohl, dass man sich mit den jeweiligen Lebensläufen auseindandersetzt.

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