Steinen „Morgens um 5.30 Uhr zum Gebet“

Ralf H. Dorweiler mit seinem neuesten Roman „Der Gesang der Bienen“. Foto: zVg

Steinen-Hägelberg - „Der Gesang der Bienen“ heißt der neueste Roman des Hägelberger Journalisten und Autors Ralf H. Dorweiler. Unser Redakteur Harald Pflüger hat mit ihm über sein Buch, Bienen und die Imkerei gesprochen.

Ralf H. Dorweilers Roman bietet Wissenswertes zur Zeidlerei, dem alten Handwerk der Wildbienenimkerei, und mit Hildegard von Bingen und König Friedrich spielen die beiden wichtigsten Persönlichkeiten ihrer Zeit eine Rolle. Schauplätze sind das mittelalterliche Münstertal mit St. Trudpert, Staufen, Bingen, Ingelheim und das Kloster auf dem Disibodenberg.

Frage: Wenn bei „Wer wird Millionär“ der Publikumsjoker den Begriff „Zeidler“ erklären müsste, würden Sie aufstehen?

Ja. Günther Jauch müsste anschließend die Million an den Kandidaten rausrücken.

Frage: Was ist ein Zeidler?

Die Zeidlerei ist das Vorläuferhandwerk der Imkerei. Zeidler haben in Wäldern Honig und Wachs von Wildbienen gesammelt. Mit den Bienen wurde dabei meist nicht zimperlich umgegangen.

Frage: Auf die Idee, einen Waldimker zum Helden eines Romans zu machen, muss man erst mal kommen.

Ich habe ja schon in meinen beiden vorherigen historischen Romanen alte Handwerke beleuchtet, also die Flößerei und die Kunst der Glasmachers. Das wollte ich auch bei diesem Roman fortsetzen. Als ich von der Zeidlerei hörte, war ich gleich fasziniert.

Frage: Was hat Sie zu dem Roman inspiriert?

Mein Zeidler reist im Verlauf des Romans zu Hildegard von Bingen, weil er ihre Fürsprache für seine Frau erhofft, die unschuldig zum Tod verurteilt wurde. Die Zeit sitzt ihm also ständig im Nacken. Ich wollte mit Hildegard von Bingen einer der bedeutendsten Frauen des Mittelalters eine Rolle in meinem Buch geben. Sie begleitet mich seit meiner Kindheit. Meine Mutter war schon in Bingen auf der Hildegardisschule. Später haben meine Frau und ich uns statt des klassischen Hochzeitsdatums ein Zitat Hildegards über die Liebe in die Eheringe gravieren lassen.

Frage: Mit der Imkerei haben Sie persönlich nichts am Hut?

Ich selbst nicht. Mein Interesse für Bienen wurde durch einen früheren Nachbarn aus Hägelberg geweckt, der mich zu seinen Völkern mitnahm. Ich fand es faszinierend, wie man komplett ohne jeden Schutz am Stock arbeiten konnte. Und den Honig direkt mit dem Finger aus der Wabe zu essen, war fantastisch.

Frage: Sie mögen Bienenstiche auch lieber vom Konditor…

(lacht) Das kann man sagen! Allergisch bin ich gegen Bienengift zum Glück nicht. Das ist schon mal eine gute Voraussetzung, um vielleicht selbst mit dem Imkern anzufangen. Aber dazu bin ich noch nicht Experte genug.

Frage: Sie sagen von sich, dass Sie kein Bienenexperte sind. Aber zu einem Butterbrot mit Honig würden Sie nicht Nein sagen?

Honig ist ein großartiger Stoff. Ein gesundes Lebensmittel, das schmeckt. Die alten Ägypter nannten ihn nicht umsonst die „Speise der Götter“. Wobei ich darauf achte, den Honig von Imkern aus der Region zu kaufen.

Frage: Neben dem Honig war früher ja das Wachs das fast wichtigere Produkt der Bienen.

Ja. Der Honig war im Mittelalter das bedeutendste Mittel, um die vom Adel und Klerus geliebten Süßspeisen zuzubereiten. Ansonsten kannte man die Süße von getrockneten Früchten. Während die Süße Luxus war, war Wachs oft notwendig. Besonders in Klöstern, wo Bücher im Kerzenschein kopiert wurden. Zum Vorschreiben ritzte man in Wachstafeln.

Frage: Ihr Roman spielt im 12. Jahrhundert und an unterschiedlichen Schauplätzen. Wie sahen die Recherchen aus?

Ich war überall vor Ort. Natürlich haben die Handlungsorte von 1152 mit den heutigen Gegebenheit nicht mehr viel gemein, aber man bekommt trotzdem ein Gefühl für die Landschaft, die Menschen und kommt natürlich auch mit Experten in Kontakt. Um mich der großen Hildegard von Bingen anzunähern, habe ich einige Zeit im Nonnenkloster verbracht.

Frage: Wie muss man sich diesen Klosteraufenthalt vorstellen?

Neben allen abenteuerlichen Geschehnissen setze ich mich im „Gesang der Bienen“ auch mit Fragen des Glaubens auseinander. Meine Zeit in der Abtei St. Hildegard in Rüdesheim war dabei in mehrfacher Hinsicht wichtig. Durch die Teilnahme an allen Stundengebeten, die beginnen übrigens morgens um 5.30 Uhr, konnte ich ein Gefühl für den klösterlichen Tagesrhythmus entwickeln. Und ich habe die Gelegenheit genutzt, mich mit Expertinnen über das Leben von Hildegard zu unterhalten und über den Klosterbau im Jahr 1152 zu spekulieren. Dazu konnte ich Fragen loswerden, die man Nonnen sonst wohl nicht stellt, zum Beispiel nach den Frisuren unter dem Schleier.

Frage: Etwas weniger weit mussten Sie zum Vorsitzenden der Internationalen Zeidlervereinigung reisen. Der wohnt quasi um die Ecke, nämlich in Binzen.

Frank Krumm vom Stapflehus in Binzen ist ein ungemein interessierter Mensch, der neuen und alten Ideen offen gegenübersteht. Dass ich über seinen Namen gestolpert bin, war ein großes Glück, denn sein Wissen über die Zeidlerei hat mir sehr geholfen. Dass er in so unmittelbarer Nähe wohnt, war ideal. Ich konnte mir so bei ihm zum Beispiel alte Klotzbeuten anschauen, also künstliche Baumhöhlen, in denen Zeidler Bienenvölker ansiedeln.

Frage: Ihr Roman heißt „Der Gesang der Bienen“. Können Bienen singen?

Man denkt immer, Bienen könnten nur summen. Aber junge Königinnen machen manchmal auch andere Geräusche, die als Bienengesang bezeichnet werden. Das wird im Buch erklärt. Der Titel gefiel mir, weil er in Verbindung mit den gesungenen Gebeten der Nonnen auch eine Doppeldeutigkeit besitzt.

Frage: Eine Frage können wir uns nicht verkneifen: Haben die Bienenfreunde Vorderes Wiesental Ihnen schon die Mitgliedschaft angetragen?

(lacht) Nein, ich habe ja auch noch keine eigenen Bienen. Aber das Engagement der Bienenfreude finde ich großartig. Bienen haben das Leben der Menschen seit jeher mit Süße und Kultur versehen. Wir sollten uns ihnen dankbarer zeigen, als wir das in den letzten Jahren getan haben.

  • Weitere Informationen: Ralf H. Dorweiler: Der Gesang der Bienen, 479 Seiten, Verlag Bastei Lübbe.

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