Steinen Perfekt aufeinander eingespieltes Quintett

Das gab es in der „KaffeeMühle“ bisher noch nie: Klezmer-Musik, gespielt von den „Haiducken“. Foto: Anja Bertsch

Steinen - Klezmer-Klänge waren bei den Konzerten von Kunst und Kultur Steinen (KuK) bisher noch nie zu hören. Die Premiere mit den Freiburger „Haiducken“ am Samstag nun wurde für die Veranstalter, die Besucher und die Musiker selbst zu einem außergewöhnlichen Erlebnis. Mit etwa neunzig Besuchern lockte das Konzert eine Rekordzahl in die „Kaffeemühle“.

Das Publikum erlebte ein fesselndes Musikerlebnis, das mal die melancholisch-getragenen Saiten anschlug und mal temporeich, mit treibenden Rhythmen, ausgelassen und lebenssprühend in die Beine fuhr.

Als zweites – und dem Klezmer durchaus verwandtes Genre – hatte die Band Musik vom Balkan im Repertoire: traditionelle Tänze, im 7/8-Takt mal drängend vorwärtstreibend mal vergnügt-gelassen dahinschlendernd.

Typisch sowohl im Klezmer als auch bei den Balkanstücken ist der Aufbau mit einem oftmals gemächlichen Anfang, der sich in Tempo und Lebendigkeit zusehend steigert und den Zuhörern in die Beine fährt.

„Wenn Sie möchten – hier vorn wäre Platz“; forderte Kontrabassist Mutram Peters denn auch das ein oder andere mal mit breitem Schmunzeln zum Tanz. Das Publikum allerdings zogs vor, der Veranstaltung ihre konzertante Intensität zu erhalten und so aufmerksam wie begeistert zu lauschen. Damit wiederum bescherte es den Musikern eine durchaus ungewohnte Erfahrung, wie Peters einräumte: Meist spielen die „Haiducken“ ausgelassene Party-Konzerte, bei denen heftig getanzt wird.

„Es ist spannend vor einem Publikum zu spielen, das immer zuhört“, schmunzelte Peters nun mit Blick auf die sitzenden Zuhörerreihen – „eine Herausforderung, aber auch schön.“

Etwaige Sorgen allerdings waren völlig unbegründet: Die fünf hochkarätigen Musiker sind perfekt aufeinander eingespielt und überzeugten auch beim genauen Hinhören problemlos. Tonangebend für diesen Musikstil ist die Klarinette, die Andreas Kinzelmann mal mit samtig warmem Ton, mal mit rotzigem Zungenschlag zum Klingen brachte.

Ebenso eindrücklich und prägend das virtuose Akkordeonspiel von Jörg Reinhardt, der den Stücken mal den mächtig-dräuenden Unterton verpasste, mal den treibenden Rhythmus mit angab und dann wieder für die sehnsuchtsvoll-melancholische Stimmführung verantwortlich zeichnete.

Das Fundament für derlei Solokünste schufen Beuz Thiombane mit seiner mit feiner Zurückhaltung gespielten Percussionabteilung, Mutram Peters am Kontrabass und Mario Hamann an der Gitarre.

Und wo die überwiegend instrumentalen Klezmer-Stücke zusätzlich eine Stimme brauchten, bewegte sich flugs Thomas Darscheid von den hinteren Mischpultregionen nach vorn auf die Bühne.

An Kontrabassist Mutram Peters wars, den Zuhörern die jiddischen Titel und Texte der Stücke zu erläutern und dabei einen Einblick in Ursprünge und Entwicklungen des Klezmer als Volksmusik aus jüdischer Tradition zu geben: Vor Jahrhunderten ursprünglich als musikalische Begleitung für Hochzeitsfeste entstanden, wurde der Klezmer im 20. Jahrhundert für Juden etwa im US-amerikanischen Exil Ausdruck und Möglichkeit von Rückbesinnung und Pflege des kulturellen Erbes.

In Rückbesinnung auf die festlichen Ursprünge des Klezmer beschlossen die Haiducken das Konzert nach zwei musikalisch gefüllten Stunden dem Stück „Die Schwiegereltern heimführen“ – geschmeidig-melancholischer Brückenschlag, um ein restlos begeistertes Publikum nach Hause zu entlassen.

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