Steinen Psychologe und Musiker mit großer Tatkraft

Abschied von einem Menschen, der anpackte und half: Wilfried Wöhrle †. Foto: Archiv Foto: Markgräfler Tagblatt

Steinen (ma). Sein Einsatz für Suchtkranke wird unvergessen, sein Name für immer mit dem Haus Weitenau verbunden bleiben. Am Freitag ist dessen langjähriger Leiter Wilfried Wöhrle überraschend mit 75 Jahren gestorben.

Wöhrle wurde 1944 in Allenstein (Ostpreußen) geboren. Nach Flucht, Schule und Abitur studierte er Psychologie an der Uni Würzburg und arbeitete anschließend als Diplom-Psychologe am Psychiatrischen Landeskrankenhaus Zwiefalten. 1974 kam er als Leiter an die Fachklinik für suchtkranke Jugendliche, Haus Weitenau.

Die Klinik im Kloster Weitenau war eine der ersten Einrichtungen ihrer Art in der Bundesrepublik, als sie 1972 eröffnet wurde. Unter der Regie von Wilfried Wöhrle wuchs sie und war Anlaufstation zahlreicher suchtkranker Jugendlicher, die vom Drogenkonsum gezeichnet waren. Der Psychologe baute das Haus mit enormen Einsatz auf und verhalf ihm zu dem außerordentlichen Renommee, für das es bundesweit stand.

Für Wilfried Wöhrle war die Tätigkeit als Klinikleiter kein Job, sondern eine Lebensaufgabe, für die er kämpfte – es war ihm ein Herzensanliegen, die Patienten wieder fit zu machen für die Re-Integration in den Alltag außerhalb der Klinik. Wöhrle arbeitete auch als Referent an der Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung, sein Credo lautete: „Nur der, der aktiv seinen Mitmenschen hilft, kann etwas bewegen.“

Der Psychologe leitete das Haus Weitenau 32 Jahre lang bis zu seinem Eintritt in die Altersteilzeit 2006. Der Mensch Wilfried Wöhrle, der die Gabe besaß, mit seinem sozialen Engagement Frieden und Harmonie zu stiften und Menschen in psychischen Ausnahmesituationen helfen zu können, war zeitlebens auch ein leidenschaftlicher Musiker.

Der bekennende „Alt-68er“, der Mitglied der SPD war und im Schwarzwaldverein für die Kontakte mit der Partnergemeinde Cornimont sorgte, baute mehrere Dixie und Jazzbands sowie Alphornformationen auf. Bekannt wurde er vor allem als Mitglied der „Pepperhouse Stompers“. „Mister Pepperhouse“, wie er genannt wurde, spielte Trompete, Klarinette und später auch Bluesharp und Alphorn – Wöhrle war auch Mitbegründer der Bernauer Naturparkhörner sowie des Lörracher „Alptone Trios“.

2018 war Wilfried Wöhrle, der sich durch seine Schaffensfreude und Tatkraft auszeichnete, Initiator und Organisator des Musikfestivals „Fête de la Musique“, bei der der Gewerbeverein Steinen als Veranstalter auftrat. Mit Herzblut packte er das Fest an, das bei seiner Premiere schon gleich von Erfolg gekrönt war. Bei der zweiten Auflage in diesem Jahr erschienen 300 Musiker im Steinener Ortskern.

Wilfried Wöhrle, der gerne wanderte und schwamm, hinterlässt seine Frau Claire, drei Kinder und sechs Enkel.

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