Steinen Reise an den Mississippi

Markgräfler Tagblatt, 14.11.2017 00:00 Uhr

Ralph Brauner entführte die Zuschauer bei seinem Blues-Konzert am Samstagabend in der „Kaffeemühle“ ins Mississippi-Delta.

Steinen (ib). Ute Engler, scheidende Vorsitzende von „Kunst und Kultur“, wertete die nasse Trübnis außerhalb der „Kaffeemühle“ als tolles Blueswetter. Von Hundewetter sprach indes der Künstler aus dem Taunus – was folgte, war der erste Lacher beim zweiten Gastspiel des Gitarristen Ralph Brauner.

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Den Singer-Songwriter umgibt der Ruf, von der Mosel aus den Mississippi-Blues zu verbreiten. Passend dazu schreibt und vertont Brauner eben selber, behilflich der Schwager, was etwa im „Schwager-Blues“ mündete. Das Duo scheint die afroamerikanische Folklore verinnerlicht zu haben, wie die dritte CD „Moving forward“ beweist. „Vorwärts bewegt“ wurde auch das Publikum, das sich dem Kessel der Blues-Mentalität nähern sollte. Manchen Fan packte schon das Intro „Ice cream man“, dem sich zweistündige Blues-Seligkeit anschloss. Stimmlich perfekt geschult, erlangte Brauner über die Jahre ein Timbre, das Nostalgietrips bis in die 1930er stand hält. Songs der Ära purzelten von der Bühne. Alltagseindrücke in Texte zu wandeln, ist auch Teil des modernen Blues. Individuelle Impulse galten „Shades of a Summerlove“, „She moves me“ oder „Winter sunbeam“. Hinzu gesellte sich der Rückblick der Generation, „die Ende 1950 zur Welt kam“, natürlich Probleme hatte, wie lebhafter Rhythmus und fliegende Slideguitar-Technik suggerierte - mit Bottleneck (ursprünglich tatsächlich ein Flaschenhals). Bei „Marie“ kam erneut der Schwager ins Spiel, der textlich Tribut zollte, musikalisch schwappte es in die Pop-Blues-Ecke. Der Blues tangiert bereitwillig andere Fächer, deren Schemata sein Muster veredeln. Rund machten das Repertoire Stücke von Szene-Größen aus Chicago und Los Angeles. Facettenreich arrangiert, gepaart mit repetierenden Gesangslinien, bot Brauner versierte Geschmeidigkeit. Idol sei der Texaner Johnny Winter, der mit 70 Jahren 2014 in Zürich starb, von Brauner mit „Together“ und „Stranger“ gepriesen. Für die Balladen hängte er sich erneut kilo-schweres Metall um den Hals, blitzend vor Chrom, Original-Sound erzeugend. Weiteres Idol sei der Blues-King Robert Johnson, dessen „Cross Road Blues“ die Zuhörer restlos begeisterte.

Bevor sich Zugabe an Zugabe reihte, traten Stephan Mohr (Kasse) und Achim Blantz (Vize-Vorsitz) vor die Gäste, um Ute Engler, die ihr Amt als Vereinsvorsitzende abgeben wird, zu ehren. Gewürdigt wurde das zwölfjährige Wirken des Gründungsmitglieds an der Vereinsspitze. Zwölf Jahre lang übernahm sie viele Aufgaben, etwa die Ansagen bei öffentlichen Terminen.

Sichtlich bewegt nahm die Geehrte je eine Rose ihrer Vorstandskollegen entgegen, um schlicht anzufügen, man solle aufhören, wenn es am Schönsten sei. Das kulturelle Engagement habe viel Spaß bereitet. Abschließend dankte sie den Sponsoren der Auftrittsreihe: der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden und dem Verlagshaus Jaumann.

 
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