Steinen Spaßprogramm mit christlicher Note

In den USA kennt jedes Kind „KFC“. Dort handelt es sich um eine auf Geflügel spezialisierte Fast-Food-Kette. In Steinen stehen die Buchstaben „KFC“ für den Kinderferienclub der AB-Gemeinde, eines der größten Ferienprogramme im Landkreis Lörrach.

Von Harald Pflüger

Steinen. Neben der AB-Gemeinde als Veranstalter freuten sich am Montag auch knapp 170 Mädchen und Jungen, dass der Kinderferienclub trotz Corona-Pandemie stattfinden kann. Den Verantwortlichen war es ein Anliegen, den Kindern, die dieses Jahr vielleicht auf den Urlaub mit ihren Eltern verzichten mussten, etwas „Normalität“ zu schenken.

Rund 70 Betreuer kümmern sich die ganze Woche über um das Wohlergehen der ihnen anvertrauten Kinderschar. Coronabedingt mussten die Veranstalter zwar einige Abstriche machen, etwa was die Teilnehmerzahl betrifft, aber mit einem ausgeklügelten Hygienekonzept wird der Pandemie Rechnung getragen. So dürfen Personen, die in Kontakt zu einer mit dem Coronavirus infizierten Person stehen oder standen, wenn seit dem letzten Kontakt noch nicht 14 Tage vergangen sind, oder die typische Symptome einer Infektion mit dem Coronavirus aufweisen, nicht am Kinderferienclub teilnehmen.

Wie in der Vergangenheit gibt es zwei Veranstaltungen an verschiedenen Orten. Die Gruppe der Fünf- bis Siebenjährigen trifft sich in diesem Jahr in den Räumen der evangelischen Freikirche in der Bahnhofstraße in Steinen. Dort ist wesentlich mehr Platz vorhanden um die Abstandsempfehlung einzuhalten als im Haus der Sicherheit. Und noch ein Grund sprach für den Ortswechsel, wie die Pastoren Martin P. Grünholz und David Grau erläutern: Im Haus der Sicherheit ist die Feuerwehr untergebracht. Hätte eines der KFC-Kinder oder Betreuer Corona, müsste die Feuerwehr in Quarantäne. Dieses Risiko wollte man nicht eingehen.

Ausreichend Platz finden die Acht- bis Dreizehnjährigen auch an ihrem angestammten Platz in der Köchlinstraße in Steinen. Auch hier werden die ganze Woche über feste Gruppen zu je 30 Personen gebildet. Diese feste Gruppen (erkennbar an ihren farbigen Westen) wechseln jeweils geschlossen von Spielstation zu Spielstation.

Bis auf die Kletterwand finden die Kinder hier das gewohnte Spieleangebot. Zu dem Parcours gehören wie gehabt Rollrutsche, Kart-Bahn, Kistenstapeln und ganz neu ein „Menschensoccer“ – ähnlich dem Tischfußball, nur einige Nummern größer.

Dass der Kinderferienclub eines Tages unter Gesundheitsauflagen stattfinden muss, hätte sich Elfriede Claus nicht träumen lassen, als sie 1979 den Kinderferienclub ins Leben gerufen hatte. Den Erfolg, den das Freizeitprogramm nehmen würde, vermutlich auch nicht. Rund 40 Kinder kamen im ersten Jahr. Aus kleinen Anfängen heraus hat sich der Kinderferienclub zu einem Kinderfest im XXL-Format entwickelt. Vergangenes Jahr nutzen an guten Tagen über 400 Kinder täglich das (kostenlose) Freizeitprogramm. Coronabedingt muss der Kinderferienclub in diesem Jahr zwar kleiner ausfallen. Trotzdem ist man bei der AB-Gemeinde froh, überhaupt ein Freizeitprogramm auf die Beine stellen zu können.

Das Ferienangebot nutzten zum Auftakt 186 Kinder in der Köchlinstraße und 80 Kinder in der Bahnhofstraße und damit deutlich weniger als im coronafreien Jahr 2019. Dort kamen am Rekordtag über 400 Mädchen und Jungen.

Fester Bestandteil des Kinderferienclubs ist das Zeltprogramm, zu dem das „Fliegerlied“ (So ein schöner Tag) ruft. Dort stehen stets biblische Geschichten im Mittelpunkt. In diesem Jahr ist es „Mose – ein Mann Gottes“. Ein Anliegen der AB-Gemeinde ist nämlich, den Mädchen und Jungen christliche Werte zu vermitteln.

Unvorstellbar wäre ein Kinderferienclub auch ohne „KFC-Band“, die in diesem Jahr erstmals unter der Leitung von Marc Burger steht. Die Zusammensetzung ist fast die gleiche wie bei den sonntäglichen Gottesdiensten.

Vor und nach dem Bühnenprogramm kommt das Spielen nicht zu kurz. Während der Kinderferienclub für die Kinder pures Vergnügen ist, bedeutet er für die rund 70 Betreuer (von denen manche schon als Kind im KFC waren) ein stückweit harte Arbeit. Denn das Programm muss vor- und nachbereitet werden.

Beim KFC sind alle Kinder willkommen, gleich welcher Konfession sie angehören. Die Teilnahme ist kostenlos – finanziert wird der Kinderferienclub, für den jährlich rund 10 000 Euro aufgebracht werden müssen, über Spenden. Umso mehr freute man sich deshalb bei der AB-Gemeinde über einen 10 000-Euro-Scheck aus der Postcode-Lotterie. Das Geld soll in einen Kletterberg, einen Transport-Anhänger und ein neues Mischpult investiert werden.

Erfreulich finden Grünholz und Grau die Unterstützung, die sie bei der Organisation des Kinderferienprogramms erhalten haben. Für sie ist es ein Zeichen, dass das Freizeitangebot seinen Stellenwert in der Gemeinde gefunden hat. So werden Desinfektionsmittel und Mundschutz kostenlos vom Kreisjugendreferat zur Verfügung gestellt, die evangelische Freikirche bietet ihre Räume in der Bahnhofstraße an und die evangelische Kirchengemeinde stellt ihre Kinder- und Jugendreferentin für die Ferienwoche ab.

Umstellen musste sich die AB-Gemeinde aufgrund der Corona-Verordnung bei der Verpflegung der Kinder. Einweg- statt Mehrweg heißt jetzt die Devise. Die Betreuer selbst durften sich über eine generöse Geste des „Ristorante Vesuvio“ freuen. Dort kocht man am Ruhetag extra für sie.

Der Countdown läuft! Jetzt bis zum Jahresende gratis lesen. Schnell HIER anfordern.

  • Bewertung
    1

Umfrage

Alexej Nawalny

Der Fall Nawalny bringt die Bundesregierung in Zugzwang, sollte Moskau bei der Aufklärung weiterhin mauern. Ist eine Neuausrichtung der deutschen Russland-Politik jetzt unvermeidbar?

Ergebnis anzeigen
loading