Steinen - Um das Dasein als Tagespflegeperson attraktiver zu machen, schießt die Gemeinde Steinen den Tagesmüttern in der Gemeinde künftig zwei Euro zum Stundenlohn dazu.

Das vom Kinderschutzbundes aufgelegte Zuschussmodell fand die einhellige Zustimmung des Gemeinderates. Ähnliche Modelle gibt es bereits in etlichen anderen Gemeinden im Landkreis.

Die Bezahlung von Tagesmüttern ist alles andere als üppig, machte Kirsten Trefzger im Namen des Schopfheimer Kinderschutzbundes deutlich, der im Kreis für die Kindertagespflege verantwortlich ist.

Vom Landratsamt bekommt eine Tagesmutter je betreutem Kind 5,50 Euro in der Stunde. Theoretisch dürfte sie bis zu fünf Kleinkinder gleichzeitig unter ihre Fittiche nehmen – in der Praxis komme das mit Rücksicht auf die Qualität der Betreuung kaum einmal vor.

Verdienst ein wenig aufbessern

Dabei arbeiten Tagesmütter auf selbständiger Basis und tragen damit die entsprechenden Risiken wie fehlende Lohnfortzahlung im Krankheits- oder Urlaubsfall. Mit dem Zuschuss der Gemeinde lasse sich der Verdienst zumindest ein wenig verbessern, erklärte Trefzger.

Zum Stichtag der Erhebung am 1. März wurden in Steinen 13 Kleinkinder bis zu drei Jahren in insgesamt 223 Wochenstunden von Tagesmüttern betreut. Hochgerechnet aufs Jahr, kostete der Zuschuss die Gemeinde damit etwa 22 400 Euro.

15 Euro pro Kind und Monat – etwa 2300 Euro pro Jahr bekommt – der Kinderschutzbund für Verwaltung und Organisation des Modells. Insgesamt wird die Beteiligung an dem Tagespflegemodell die Gemeinde also etwa 25 000 Euro kosten.

Kein Risiko für die Gemeinde

Großer Vorteil aus Sicht der Gemeinde: Mit der Unterstützung des Tagespflegemodells geht die Gemeinde keinerlei Risiko ein. Die Kosten werden nur fällig, wenn die Betreuungsplätze auch tatsächlich in Anspruch genommen werden. Und wenn′es nach Plan läuft, werden ohne Investitions- und Unterhaltskosten neue Plätze für die Kleinkindbetreuung geschaffen, führte Sachbearbeiterin Lydia Rösch aus.

Im Gemeinderat stieß der Vorschlag denn auch auf einhellige Zustimmung: Durch das Modell habe die Gemeinde die Möglichkeit, eine qualitätsvolle Säule der Kleinkindbetreuung zu unterstützen und damit die prekäre Platzsituation ein wenig zu entspannen, erklärte Dietmar Ernst für die CDU.

Ulrike Mölbert wies darauf hin, dass die Gemeinschaft schon vor zwei Jahren ein Hilfsangebot für die Tagespflege beantragt hatte. Für die SPD signalisierte Rudolf Steck Zustimmung zum Modell; er verwies jedoch gleichzeitig auf einen Wermutstropfen: „Auch mit dem Zuschuss bekommen die Tagespflegepersonen immer noch nicht genug für ihre wertvolle Arbeit.“

Qualifizierungsprogramm

Die Tagespflege, so führte Trefzger weiter aus, ist eine eigenständige Säule der qualitätsvollen Kinderbetreuung: Die Tagespflegepersonen müssen ein Qualifizierungsprogramm durchlaufen und etliche Nachweise über ihre Eignung bringen.

Eben daran ist denn auch die Gewährung eines Zuschusses gebunden.