Steinen Tracht und deftige Kuttelsuppe

Ralph Lacher
Horst Sift in der Tracht der Siebenbürger Sachsen beim Kronenfest. Foto: Ralph Lacher

Ihr 20. Kronenfest hat dieKreisgruppe Lörrach-Müllheim der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen auf der „Schönen Aussicht“ in Hägelberg gefeiert. Sie verzeichnete eine große Besucherresonanz – nicht nur von den Mitgliedern, sondern auch Menschen aus dem Dorf und der Umgebung.

Von Ralph Lacher

Steinen-Hägelberg - Der Vorsitzende Horst Sift aus Rheinfelden in der typischen Tracht der Siebenbürgen Sachsen begrüßte die Gäste. Den kurzen offiziellen Teil bildete das Anbringen des geschmückten Kranzes am Baum sowie eine Ansprache von Sift.

Er hatte in der Chronik der Landsmannschaft recherchiert und dabei durchaus Aktuelles gefunden. In einem längeren Gedicht zu einem Kronenfest vor gut 100 Jahren steht etwa zu lesen: „Wir danken Gott, dass er die Saat reifen lassen hat. Und bitten, dass er darüber wacht und die Sonnen uns gewogen lacht. Dass oft der Regen niederfällt und Frieden einkehrt in der Welt.“ Der Hägelberger Maurice Popp klettere den Baum hinauf, der extra für diesen Anlass aufgestellt worden war, und band den mit Blumen und Bändern in den Farben der Siebenbürger Sachsen versehenen Kranz an der Krone an. Derweil erzählte Horst Sift noch einiges zur Tradition des „Kronenfestes“.

Symbol für Hoffnung

Ein solcher Baum wurde einst in der Heimat der Siebenbürger Sachsen als Symbol für die Hoffnung auf einen fruchtbaren Sommer immer um den Tag „Peter und Paul“ Ende Juni herum aufgestellt. Die Lörracher Landsmannschaft mit ihren aktuell 130 Mitgliedern pflegte diesen Brauch nun schon zum 20. Mal in Hägelberg, auch wenn es nun eine zweijährige Corona-Pause gab.

Den Kranz hatte man am Vorabend in heiterer Stimmung gebunden. Sift erzählte auch, dass die Siebenbürger Sachsen Nachfahren jener Deutschen sind, die ab dem 12. Jahrhundert von Rhein, Mosel und Mitteldeutschland von ungarischen Königen zur Kolonialisierung und Grenzsicherung in den Karpaten angesiedelt worden waren, dort aber ihre Kultur und Dialekte bewahrten, ehe sie teilweise gegen Ende des Zweiten Weltkriegs vertrieben wurden oder aber nach dem Zusammenbruch des Ostblocks nach Deutschland kamen.

Identifikation mit Heimat

Zur Identifikation mit der Landsmannschaft, der früheren Heimat und den historischen Bräuchen trage auch die Tracht bei, so Sift. Einige der Gäste waren in dieser erschienen. Sie wurde einst immer zur Konfirmation von den Müttern kunstvoll bestickt und den Kindern geschenkt. Die Pflege der Traditionen aus der Heimat sei nichts „Ewiggestriges“, sondern eine Erinnerung an glückliche Zeiten, betonte Sift. Man sei zwar längst hier in Deutschland heimisch geworden, habe aber nicht vergessen, dass man sich auch in Siebenbürgen daheim fühlte.

Politik war bei der Feier aber kein großes Thema. Zwar würden die Ereignisse in der Ukraine schmerzhafte Erinnerungen bei den älteren Mitgliedern hervorrufen, so der Vorsitzende. Aber man wolle, nachdem dies endlich wieder möglich sei, einfach feiern und die Kontakte pflegen. Das gelang auch beim Tanz zu den Klängen von „Sax and Key“ und beim Verköstigungsangebot, das selbstverständlich „landsmannschaftlich“ ausgelegt war. Da gab es etwa eine deftige Kuttelsuppe und eine Fleischklößchen-Spezialität sowie Baumstritzel, aber auch Gegrilltes und Salate und vor allem Kuchen und Torten aus lokaler Produktion.

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