Steinen Ungewöhnlicher Instrumenten-Mix

Glänzten beim Duokonzert in der Christuskirche auch auf ihren Zweitinstrumenten: Gitarrist Andreas Berg auf der Bassklarinette und Trompeter Ingo Ganter auf der Tuba. Foto: Jürgen Scharf Foto: Markgräfler Tagblatt

Von Jürgen Scharf

Steinen. Die Kombination Gitarre und Trompete gibt es in der klassischen Musik eigentlich nicht; das ist eine Laut­stärkensache. Aber in dieser Besetzungsrarität fand am Sonntag in der Christuskirche das zweite Konzert von „Klassik @ 5“ statt, organisiert vom Verein Kunst und Kultur in Steinen.

Die Reihe versteht sich als Plattform für Klassik. Mit dieser Idee ist Christel Mohr an die Musikschule Mittleres Wiesental herangetreten und stieß auf offene Ohren. Denn der Duoabend war eine willkommene Gelegenheit, den neuen Gitarrenlehrer an der Musikschule, Andreas Berg, vorzustellen. Diese Konstellation traf sich gut: Wenn man als Musiker irgendwo neu anfängt, will man sich auch mal präsentieren können. Und das konnte Berg im Duo mit Musikschulleiter Ingo Ganter.

Da verbanden sich zwei Instrumente, die man sonst nicht oft zusammen hört, zudem in einer lockeren Mischung aus Klassik und Jazz, europäischem Barock und swingendem Bossa Nova aus Lateinamerika. Immer wieder wechselten sich Soli und Duettte ab. Die beiden Musiker griffen noch zu anderen Instrumenten. So spielten sie auf ihren Zweitinstrumenten Bassklarinette (Berg) und Tuba (Ganter) gekonnt ein Stamitz-Duett.

Andreas Berg hatte sich für seine Gitarrensoli ein reizvolles Programm ausgewählt, genau die richtige Literatur für dieses Debüt. Ein langsames, kontemplatives Stück von Augustin Barrios spielte er einfühlsam und mit solider Technik wie alles. So zupfte er mit entspanntem Lyrismus Leo Brouwers traurige Melodie „Un Dia de Noviembre“ (Ein Tag im November) – da konnte man sich bei dem kalten regnerischen Wetter schon mal dran gewöhnen.

Als seinen „Lieblingskomponisten“ bezeichnete Andreas Berg den Brasilianer Heitor Villa-Lobos, einen der bedeutendsten Komponisten für Gitarre, mit einer hörbaren Beziehung zu Johann Sebastian Bach. Von dem Südamerikaner interpretierte er mit gehörigem Geschmack und klanglichem Raffinement Choros Nr. 1 und 3: eine liebliche Musik, die von Herzen kommt und auch in die Herzen der Zuhörer ging.

Ein fein ausgehörtes Klangbild, das den zahlreichen Konzertbesuchern viel Freude machte, war die Kombination Gitarre mit Blechblasinstrumenten, was einen klanglichen Kontrast bot. Häufig spielen Trompeter zusätzlich Flügelhorn. So auch Ingo Ganter, der sich sowohl auf den härteren Klang der Trompete als auch den wärmeren Klang des Flügelhorns versteht. Mit großem Atem und dem schönen warmen Sound blies Ganter das Adagio des Schopfheimer Komponisten Markus Götz.

Im zweiten Teil ging es nonstop nach Brasilien. Verträumt wurde es bei berühmten Bossa Nova-Hits von Antonio Carlos Jobim, darunter dem populären „Girl from Ipanema“, das hier nicht an der Copacabana spazieren ging, sondern mitten durch Steinen, und der Glanznummer „Desafinado“. Ganters Trompete passte hier gut zur Gitarre, denn sie hatte Leichtigkeit. Der Trompeter regelte die Dynamik herunter und spielte extrem weich. So übertönte er nicht die Gitarre und es wurde ein schönes Zusammenspiel. Dies konnte man auch in einer Sonate von Johann Sebastian Bach hören.

In der Impression „Black Orpheus“ von Luiz Bonfa, ein Stück voller Tristesse, auf der Trompete mit Dämpfer gespielt und jazzig verziert, verließ der Gitarrist auch einmal das Bassfundament für ein temperamentvolles Solo - da ergab sich eine kleine Session. In den Bossa Novas, in denen Ganter vom Flügelhorn zur Trompete wechselte, konnte man auch Improvisationen erleben.

In einer kleinen Zugabe ging Ganter hoch hinaus mit der Piccolotrompete und brillierte mit einem Bach-Menuett auf dieser hohen Ventiltrompete. Unter dem Titel „Klassik improvisiert“ trafen sich hier zwei Musiker, von denen der eine, Berg, von der Klassik herkommt, und der andere, Ganter, vom Jazz –­ und beides ging erfreulich gut zusammen.

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