Es mutet an wie im Märchen: Da schlummert ein Gebäude Jahrzehnte im Dornröschenschlaf, bis ein Investor es zu neuem Leben erweckt. Die Rede ist vom Steinener Schloss.

Steinen . Der Investor, der aus dem sanierungsbedürftigen Kulturdenkmal ein Vorzeigeobjekt gemacht hat, ist Alnatura-Gründer Götz Rehn, der die Immobilie erworben hat. Keine eineinhalb Jahre ist es her, dass der Bau- und Umweltausschuss des Steinener Gemeinderats grünes Licht gegeben hat für eine grundlegende Erneuerung des Steinener Schlosses (im Volksmund Schlössle genannt), eines der ortsbildprägendsten und geschichtsträchtigsten Gebäude der Wiesentalgemeinde.

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Christoph Kolumbus war noch nicht geboren, die Neue Welt noch nicht entdeckt, da existierte bereits ein Vorläufer des heutigen Schlosses. In der 1982 herausgegebenen Chronik der Gemeinde Steinen ist von einer Burg die Rede, die 1278 schon eine Ruine war.

Wo diese Burg stand, weiß niemand, möglicherweise auf dem Platz des heutigen Schlosses. Später ist von einem Dinghof des Klosters St. Blasien die Rede, der sich aus der alten Burg entwickelt hat. Ob sich dieser Dinghof in dem später erwähnten Wasserschloss befand, liegt ebenfalls im Dunkeln. Mitte des 16. Jahrhunderts dürfte das Schloss aber von Grund auf erneuert worden sein. Darauf deutet die Jahreszahl 1563 hin, die über der Eingangstür und an einem Fenstergewand auf der Südseite angebracht wurde.

Im Laufe der Jahrhunderte hatte die Liegenschaft wechselnde Besitzer; und immer wieder ist vom schlechten Zustand und dem notwendigen Sanierungsbedarf zu lesen. Nachdem die Burg Rötteln als Verwaltungszentrum des Markgräflerlands am 29. Juni 1678 durch französische Truppen zerstört worden war, kam die Burgvogtei zunächst ins Steinener Schloss, wo sie drei Jahre lang blieb.

Sein heutiges Aussehen hat der rechteckige Bau mit Treppenturm und zwei runden Ecktürmen laut Chronik nach 1888 erhalten. Dass danach keine grundlegenden Um- und Anbauten erfolgten, erwies sich aus heutiger Sicht als Glücksfall.

2015 hat der neue Besitzer Götz Rehn in enger Abstimmung mit der Denkmalbehörde mit der Revitalisierung der Liegenschaft unter der Verwendung von baubiologischen Materialien begonnen. Mit den Arbeiten beauftragt wurde ein in Sachen Altbausanierung bewandertes Unternehmen, das aus dem Sanierungsfall ein „Juwel“ machte, das ein modernes Wohnen in historischem Gemäuer ermöglicht. Die Größen der neun Mietwohnungen variieren dabei von 47 Quadratmeter bei einer Zwei-Zimmer-Wohnung bis zu 129 Quadratmeter bei einer Maisonette-Wohnung. Einen besonderen Reiz haben dabei die „Turmzimmer“.

Es war das Bestreben des Investors, so viel wie möglich von der historischen Bausubstanz zu bewahren, so Achim Hacken von der Artifex GmbH. Dazu gehört auch der Erhalt von historischen Eichenholz- und Steinböden, Türen und den Fenstereinfassungen aus Sandstein. Allerdings musste der Dachstuhl aufgrund der massiven Schäden komplett neu aufgebaut werden.

Trotz der historischen Bausubstanz muss auf Komfort nicht verzichtet werden. Dafür sorgen nicht nur ein Aufzug und die Haustechnik mit Pellets-Heizung, die sich in einem Teil des Gewölbekellers verbirgt, sondern auch die gehobene Ausstattung in Küche und Bad.

Damit das Gesamtbild der Schlossanlage nicht gestört werde, erklärt Objektvermittler Claus-Jörg Kintzinger von Engel & Völkers, befinden sich Fahrradabstellplätze, Müllplätze, Lagerräume und die Postboxen in einem separaten Gerätehaus.