Steinen Von der guten Stimmung mitgerissen

Der 16. Marathon in Freiburg eröffnet die Laufsaison der großen Städtemarathons. Mit dabei waren Mitglieder der AB-Gemeinde Steinen, die den Marathonlauf mit einem guten Zweck verbanden. Noch vor dem Start: die drei Halbmarathonläufer Martin P. Grünholz, Stefan Beyersdorff und Sven Zester (von links). Foto: zVg

Steinen - Der 16. Marathon in Freiburg eröffnet am vergangenen Sonntag die Laufsaison der großen Städtemarathons.

Sechs Mitglieder der AB-Gemeinde um Pastor Martin P. Grünholz sind am Freiburg-Marathon mitgelaufen, um Geld zu sammeln für das Kindergartenneubauprojekt. Unser Redakteur Harald Pflüger sprach mit Grünholz über den Lauf und das Spendenergebnis.

Frage: Wie schwer war es, Gemeindeglieder für den Marathonlauf zu begeistern?

Eigentlich ist die Idee spontan entstanden, als Sven Zester im Dezember im Rahmen der Adventsfeier der Gemeinde geäußert hat, beim Freiburg-Marathon teilzunehmen und mich fragte, ob ich nicht Lust hätte mitzulaufen. Spontan sagte ich zu. Als ich tags darauf zum ersten Mal mit Bürgermeister Braun aus Steinen bezüglich dem Neubauprojekt zusammensaß, kam mir die Idee, den Lauf mit einer Spendenaktion zu verbinden. Die weiteren Männer die sich beteiligten, waren eher eine spontane Gruppe aus unseren Jungen-Erwachsenen-Hauskreisen, die davon erfuhren und die Aktion unterstützen wollten. Eine konkrete Werbung in der Gemeinde haben wir gar nicht vorgenommen. Im Nachhinein etwas bedauerlich, denn es hätten sich noch weitere beteiligt, hätten wir darüber informiert.

Frage: Wer ist außer Ihnen noch beim Freiburg-Marathon mitgelaufen?

Wir waren sechs Männer im Alter von knapp 20 bis knapp 40 Jahren, eine bunte Mischung von einem Auszubildenden, zwei Studenten, einem Lehrer, einem leitenden Angestellten und einem Pastor. Stefan Albiez, Stefan Beyersdorff, Mathias Burger, Tobias Schlageter, Sven Zester und ich waren mit dabei.

Frage: Wie oft wurde im Vorfeld für den Lauf trainiert?

Dies war ganz unterschiedlich. Stefan Albiez und Tobias Schlageter trafen sich regelmäßig zum gemeinsamen Training. Auch Stefan Beyersdorff, Sven Zester und ich waren ab und an gemeinsam unterwegs. Mathias Burger wurde aufgrund einer Verletzung weitestgehend am Training grundsätzlich gehindert. Grundsätzlich begannen wir alle nach den Weihnachtstagen mit dem Training und jeder war wohl zirka zweimal pro Woche unterwegs.

Frage: Die Läufer haben sich für unterschiedliche Streckenlängen angemeldet.

Ja. Dies war den unterschiedlichen Voraussetzungen geschuldet. Mathias Burger und Stefan Albiez haben überhaupt erst wegen unserer Aktion angefangen mit Joggen und waren zuvor auch sonst nicht regelmäßig sportlich aktiv. Beide meldeten sich für den Zehn-Kilometer-Lauf an, gemeinsam mit Tobias Schlageter, der im ersten Quartal sein Studium beendet hat. Er und seine Frau wurden Eltern und waren deshalb zeitlich begrenzter mit dem Training. Stefan Beyersdorff dagegen war unserer fittester Läufer, der bereits mehrfach an Halbmarathonläufen teilgenommen hat und seit Jahren regelmäßig joggen geht. Für ihn war der Halbmarathon Teil des regelmäßigen Trainings. Sven Zester dagegen ist eigentlich Fußballer, daher sportlich fit, aber trotzdem ist es eine Umstellung zum Ausdauersport. Ich selbst habe vor neun Jahren bereits einmal am Mannheimer Halbmarathon teilgenommen, seitdem aber nie mehr als die halbe Distanz gelaufen und das auch sehr unregelmäßig.

Frage: Zum Lauf selbst. Wie waren die Bedingungen?

Ungemütlich, aber zum Joggen fast perfekt. Wir hatten rund acht Grad und zu Beginn in den ersten 30 Minuten leichten Sprühregen. Dazu große Wasserpfützen, und in der Freiburger Innenstadt kam das gefährliche Kopfsteinpflaster hinzu, welches große Rutschgefahr barg. Durch die kühle Temperatur hatten wir aber kein Problem mit dem Austrocknen, was sonst im Sommer vielen Läufern zum Verhängnis wird. Ein paar Grad wärmer wären vielleicht noch angenehmer gewesen, aber wohl eher für die vielen Zuschauer, die mich wirklich beeindruckt haben. Trotz Regen und Kälte standen viele Menschen teils Stunden an der Strecke, applaudierten, feuerten an und trugen die Läufer dadurch förmlich ins Ziel. In Kombination mit den vielen Musikgruppen an der Strecke gab es nur wenige „ruhige“ Abschnitte, meist wurde man von der guten Stimmung mitgerissen.

Frage: Sind alle Teilnehmer ins Ziel gekommen?

Ja, sind sie. Besonders bei Mathias Burger hatten wir alle etwas Sorgen, ob er überhaupt laufen kann. Seine Verletzung ist sehr schmerzhaft beim Gehen, und dadurch hätten wir alle besonderes Verständnis gehabt, wenn er überhaupt nicht angetreten wäre oder hätte abbrechen müssen. Doch er hielt durch, so wie auch die anderen. Im Ziel waren wir alle mächtig stolz, besonders unsere vier Marathon-Neulinge, und haben diesen Triumph gemeinsam gebührend gefeiert.

Frage: Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Zeit?

(lacht). Sie hätten mal unsere ursprünglichen Zielerwartungen vom Dezember mit der realistischen Einschätzung 14 Tage vor dem Lauf vergleichen müssen und dann das tatsächliche Ergebnis. Wie so oft, startet man mit großen Erwartungen, wie oft man trainieren wird, wie man seinen Rhythmus und die Ernährung umstellt und was als Ziel herauskommen soll. 14 Tage vor dem Lauf ist man dann an einem Tiefpunkt, eingeholt von der Realität. In der Woche vor dem Halbmarathon hatte ich eine katastrophale Einheit, wollte eigentlich 17 Kilometer laufen, habe aber nur 15 geschafft, und auch dort musste ich mehrere Geh-Pausen einlegen. An dem Tag habe ich bei meiner Frau ernsthafte Zweifel geäußert, ob ich die 21,1 Kilometer überhaupt schaffen werde. Letztlich haben wir alle aber eine persönliche Bestzeit erlaufen. Nicht alle haben das ursprüngliche Ziel aus dem Dezember erreicht, aber, verglichen mit dem Tiefpunkt, eine beeindruckende Leistung hingelegt. Persönlich war ich sehr glücklich, dass ich meine Halbmarathon-Zeit von vor neun Jahren um 16 Sekunden schlagen konnte.

Frage: Für Sie alle war die Teilnahme ja mit einem guten Zweck verbunden.

Genau. Als AB-Gemeinde sind wir bereits seit vergangenem Herbst mit dem Bürgermeister und dem Gemeinderat im Gespräch, dass wir uns vorstellen könnten, die Trägerschaft eines neuen evangelischen Bekenntnis-Kindergartens zu übernehmen. Im Herbst hat sich herauskristallisiert, dass wir die evangelische Grundüberzeugung unserer Gemeinde mit einem musikpädagogischen Konzept verbinden möchten, ähnlich wie wir es in unserer Kinder- und Jugendarbeit der AB-Gemeinde verbinden oder auch beim Kinderferienclub (KFC), den unsere Gemeinde verantwortet.

Musik hat in unserer Gesellschaft einen zunehmenden Stellenwert, und zugleich haben sich die Kirchen über Jahrhunderte hinweg intensiv mit der Musik beschäftigt und den christlichen Glauben über Musik transportiert. Von den gregorianischen Chorälen über die großen Kantaten von Johann Sebastian Bach bis hin zur modernen Lobpreis-Bewegung zieht sich ein musikalischer Faden durch die Theologie und Kirche.

Das Konzept stieß in der Öffentlichkeit von Steinen auf breite Zustimmung, allerdings hatte die politische Gemeinde weder ein Gebäude noch Grundstück für uns. Eine Option, die wir ursprünglich ins Auge gefasst hatten, zerschlug sich im Spätsommer 2018. So waren wir zwar ein potenzieller Träger mit konkretem Konzept, aber ohne Möglichkeit zur Umsetzung.

Erst kurz vor Weihnachten eröffnete sich die Möglichkeit einer Kindergartengründung im Gebiet der alten Weberei von Steinen. Nun sind wir in konkreten Planungen mit einem Architekten, um einen Entwurf zu erarbeiten, wie sich das Projekt dort umsetzen lässt.

Da wir als AB-Gemeinde zwar innerhalb der evangelischen Landeskirche Baden arbeiten, aber trotzdem finanziell und strukturell vollständig getrennt, haben wir keine Kirchensteuereinnahmen, sondern finanzieren unsere Arbeit zu 100 Prozent aus freiwilligen Spenden. Auch das Kindergartenneubauprojekt müssen wir aus Spenden finanzieren, was natürlich eine enorme Herausforderung bedeutet. Die Spendenaktion ist dafür zweckgebunden gewesen, um dem Projekt eine kleine Anschubfinanzierung zu geben.

Frage: Wie kamen Sie auf die Idee, am Freiburg-Marathon mitzulaufen und dies als Sponsorenlauf für das Kindergartenneubauprojekt zu deklarieren?

Unsere Hoffnung war, dass wir durch die öffentliche Ausschreibung über eine eigene Homepage es schaffen, einerseits über das Kindergartenneubauprojekt zu informieren und andererseits auch unseren Mitbürgern, die den neuen Kindergarten unterstützen möchten, eine Möglichkeit zu geben, sich finanziell auch daran zu beteiligen. Es hat sich also weniger intern an die AB-Gemeindemitglieder gerichtet, sondern mehr an die Öffentlichkeit.

Frage: Wie war die Resonanz auf dieses Vorhaben?

Wir haben einige sehr gute Rückmeldungen erhalten von Menschen, die sowohl den neuen Kindergarten als auch die Aktion als eine sehr gute Sache empfanden. Auch die Presse hat durch verschiedene Berichte dazu beigetragen, dass die Aktion bekannt wird, wofür wir sehr dankbar sind. Wir haben aber auch gemerkt, dass bei einigen gewisse Vorbehalte darin bestanden, da noch keine abgesicherte Entscheidung vom Gemeinderat vorliegt und sich das Projekt noch im Anfangsstadion befindet. Dies hat dazu geführt, dass wir einerseits viel Zuspruch und Interesse erfahren haben, mit konkreten Spenden sich aber manche zurückgehalten haben, was natürlich absolut nachvollziehbar ist. Trotzdem bin ich sehr dankbar, dass sich 44 Spender gefunden haben, die einen oder mehrere der Läufer unterstützt und gemeinsam die Summe von 4650 Euro zusammengelegt haben. Dies ist, gerade für die Umstände, ein wirklich tolles Signal, dass wir das Projekt weiter vorantreiben sollen, und wir sind sehr dankbar für jeden Euro, denn er hilft uns finanziell, aber auch in Form der ausgedrückten Unterstützung.

Frage: Können Sie mit dem Ergebnis zufrieden sein?

Ja, bin ich. Natürlich gibt es auch bei solchen Aktionen manches Mal große Träume, was alles zusammenkommen könnte, vor allem wenn man weiß, dass ein solcher Neubau einen Millionenbetrag erfordern wird. Doch sind wir als Christen davon überzeugt, dass Gott nicht immer alles im Voraus schenkt, aber dass er uns treu auf dem Weg versorgen wird mit allem, was wir brauchen.

Somit war auch diese Aktion und das zusammengekommene Geld in Verbindung mit der moralischen Unterstützung und vielen positiven Gesprächen für uns ein kleiner Fingerzeig Gottes, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden und auch die Bürger von Steinen und Umgebung ein solches Projekt befürworten. Das macht mich persönlich sehr dankbar und stolz auf unseren Ort.

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