Steinen Was Steinens Bürger wollen

Gelungener Auftakt der Ideenwerkstatt: Dozentin Christine Ableidinger-Günther (links) und VHS-Leiterin Ute Kröger freuen sich. Foto: Ines Bode Foto: Markgräfler Tagblatt

Da zeigten sich VHS-Leiterin Ute Kröger und Dozentin Christine Ableidinger-Günther bass erstaunt, mit soviel Interesse habe man niemals gerechnet – eingeladen wurde zur ersten Ideenwerkstatt, die einen Wandel in Steinen bewirken soll.

Steinen (ib). Interessenten aller Bevölkerungsschichten hatten sich in der Grundschulaula eingefunden, darunter Gemeinderäte sowie Bürgermeister Gunther Braun als Schirmherr. Bemerkenswerter Aspekt: Ein Teil engagiert sich bereits im Gemeinwohl, etwa bei „IG Velo“.

Alle zusammen erfuhren zunächst theoretische Fakten zu „Bürgerbeteiligung – Bürgerentscheid“. Ihre Intention erklärte die Dozentin mit Selbsterfahrung, erlebt 1987 in Höllstein. Ein Spielplatz schien ungenutzt, sollte Bebauung weichen. Gegner formierten sich zur BI, setzten sich durch, mit dem Resultat, dass die Spielfläche erhalten blieb und bis heute Bedarf zeigt.

Nach dem theoretischen Auftakt durften die Steinener ran. Zettel wurden verteilt, um als Basis zu ermitteln, was im Wohnort gefällt. Aufgelistet wurden rund hundert Punkte, die Positives zu vielfältigen Alltagsfacetten kündeten. Gelobt wurden Einkaufsmöglichkeiten, der ortsnahe Grüngürtel, die Verkehrsanbindung plus Radwege, die Vereinsaktivitäten, die Infrastruktur (Kindergärten, Schulen) und mehr.

Die Rede kam aufs kommunale Leitbild, initiiert 2002, dessen hehre Ziele im Prinzip in der Versenkung landeten. Gleichwohl ließ sich Dreilerlei bilanzieren: der damals entstandene Bürgerwunsch nach „Kunst und Kultur“, in einem Verein mündend, ist bis heute erfolgreich tätig.

Zudem aktiv sind Gewerbetreibende „Steinen...echt stark“, und Verfechter von „Mobilität und Verkehr“. Letzteres kristallisierte sich als ein Schwerpunkt der Diskussion heraus. Erneut machten Zettel die Runde, in Gruppen tauschte man sich zu Missständen und eigenen Vorstellungen aus. Das Ergebnis förderte wiederum hundert Ideen zu Tage.

Das Gros bemängelte das hohe Aufkommen an Pkws und Lkws, die zu schnell fahren, sich durch Nebenstraßen quetschen. Kritik galt dem „Dauerproblem Postlaster“, den Schwertransporten, die Wohngebiete queren, dem schwachen ÖPNV-Takt in Ortsteile und Lörrach. Täglich komme es früh und abends zu Stau am B 317-Kreisel. Wohin also mit dem Verkehr, der sich im Zuge des neuen Gewerbegebietes bildet? Unzureichend die Parkplätze am Bahnhof.

Ein anderes Schlagwort drehte sich um mehr bezahlbaren Wohnraum, um Mitsprache beim geplanten Mehrgenerationsmodell, ums „gelbe Weberei-Haus“ (Lörracher Straße) und ums Schwimmbad, dessen Sanierung anstehe (Braun). Häufig der Wunsch zu einer Begegnungsstätte, breit genutzt, auch für Flüchtlingsarbeit. Es ging um mehr Angebote für die Jugend, um Interessen der Senioren, um Transparenz der Rathausarbeit, bessere Öffnungszeiten, Bürgersprechstunden.

Die ganze Palette der Masse an Vorschlägen zu bündeln und zu veröffentlichen, sicherte die Dozentin zu. Sie wie die VHS-Leiterin drückten große Freude über das überwältigende Fazit aus. Nächste Aufgabe sei, ein Netz aufzubauen und Verantwortliche zu finden.

Als letzter sprach der Bürgermeister. Kleine Wünsche, die Großes bewegen, seien rasch realisierbar. Braun wies auf die Finanzlage, die eben Schranken setze. Er hoffe jedoch auf Durchhaltevermögen.

Weitere Informationen: Die nächste Ideenwerkstatt findet am 18. Januar 2017 statt.

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